Chronik

Wer darf künftig noch ins Seniorenheim?

Die Stadt erarbeitet neue Aufnahmekriterien für ihre Seniorenheime. Strittig ist, dass Suchtkranke nicht mehr aufgenommen werden sollen.

Gemeinderätin Anna Schiester (Bürgerliste) spricht von einer "ungerechtfertigten Diskriminierung", und auch sonst gehen die Wogen hoch: Die neuen Aufnahmekriterien für städtische Seniorenwohnheime haben es in sich. Das Büro der zuständigen Stadträtin Anja Hagenauer (SPÖ, kleines Bild) hat sie zur Diskussion im Sozialausschuss frei gegeben. Unter anderem soll das Aufnahmealter von 60 auf 65 angehoben werden und Menschen mit bestimmten Diagnosen "generell von einer Aufnahme ausgenommen" werden, darunter solche "mit herausfordernden und verhaltensauffälligen psychiatrischen Krankheitsbildern mit erhöhtem Aggressionsverhalten sowie akuter Fremdgefährdung".

Bürgerliste wie FPÖ kritisieren die fehlende Einbindung externer Experten wie Rotes Kreuz, Diakonie oder das Ladurner Zentrum. Für Gemeinderätin Renate Pleininger (FPÖ) braucht es Begleitmaßnahmen durch Vereine, die sie in die Pflicht nehmen will: "Solange wir keine Alternativen haben, müssen wir auch diese Leute aufnehmen." Das Albertus-Magnus-Haus der Caritas in Parsch ist bislang die einzige Alternative. Gerade einmal drei Neuaufnahmen gab es dort 2019. Gemeinderätin Sabine Gabath (SPÖ, selbst Krankenschwester) bestätigt, dass der Bedarf weit über dem Angebot liegt. Sie lässt aber auch durchklingen, dass das Pflegepersonal durch Bewohner mit Korsakow-Demenz (oftmals ausgelöst durch Alkoholismus) oder psychiatrischen Erkrankungen an seine Grenzen gerät - und eine Entlastung Not täte. Gabath spielt den Ball in Richtung Landesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Denn: Die Verantwortung für die Langzeit-Pflege liegt beim Land. Beschlossen ist übrigens noch nichts. Die ÖVP ist mit dem Thema "auf Klub" gegangen. Das heißt: Sie hat sich eine Nachdenkpause erbeten. Derzeit dominiert mit Corona ohnehin ein anderes Thema die Seniorenhäuser. Bei Screenings in der Vorwoche wurden in Itzling eine und in Liefering vier Mitarbeiterinnen positiv getestet und in häusliche Quarantäne entlassen. In Nonntal war die Woche zuvor eine Person positiv getestet worden. Dort sind bereits mehrere Bewohner und Mitarbeiter infiziert. Glück im Unglück: Sie sind großteils symptomfrei oder haben einen moderaten Krankheitsverlauf. Die betroffenen Bewohner müssten aber trotzdem ehest ins Corona-Notspital in der ehemaligen Wehrle-Klinik (Andräviertel) überstellt werden, um die restlichen Heimbewohner optimal zu schützen. Diese Woche geht es in Betrieb. Der dafür zuständige Landesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) war zuletzt kritisiert worden, weil er sich nicht in der Lage sah, das nötige Personal dafür (rund 20 Pflegekräfte) aufzustellen. Laut Randolf Messer, Ärztlichem Leiter der städtischen Seniorenwohnheime, hat indes jedes Heim ein auf die individuelle Situation zugeschnittenes Konzept. Überall gilt: absolute Kontakt-Minimierung bei Besuchen, Ausnahmen stellen Palliativbesuche dar.

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