Salzburg

Handwerker setzen auf Innovation in der Provinz

Im Bregenzerwald kämpft man mit einer neuen Ausbildung gegen den Lehrlingsmangel.

Handwerker setzen auf Innovation in der Provinz SN/roswitha natter
Schule und Berufsausbildung werden kombiniert.

Idyllische Bergkulisse, würziger Käse und lustiger Dialekt: Dafür ist der Bregenzerwald bekannt. Und auch für sein Handwerk, das Tradition und Innovation verbindet. Selbst Bushaltestellen in der Vorarlberger Region sind preisgekrönt. Die Dichte an Handwerksbetrieben ist hoch und die Bregenzerwälder arbeiten zusammen statt gegeneinander. Im "Werkraum" haben sich knapp 100 Betriebe zusammengetan und ein eigenes Haus für das Handwerk eröffnet - geplant von einem Stararchitekten, gebaut von Fachkräften aus der Region. Und trotzdem: Der Nachwuchs fehlt in vielen Betrieben.

Österreichweit legte die Zahl der offenen Lehrstellen zuletzt um 12,8 Prozent zu. Dies sieht man auch in Egg und Au, in Bizau oder Lingenau: Überall werden Lehrlinge gesucht. Tischler, Dachdecker und Installateure werden gebraucht. Fachkräftemangel ist kein Fremdwort.

Schuldirektor Andreas Kappaurer plagen ähnliche Sorgen: Für die Handelsschulklassen in Bezau gibt es weniger Anmeldungen. Deshalb gibt es für zwei Probleme jetzt eine gemeinsame Lösung: Die "Werkraumschule Bregenzerwald" soll ab dem kommenden Jahr Handelsschule und Lehre verknüpfen. Fünf Jahre dauert die Ausbildung, die wieder mehr Jugendliche für die Lehre begeistern soll. Am Ende haben sie Lehrabschluss, Handelsschulabschluss und Unternehmerprüfung in der Tasche. 28 Berufe stehen zur Auswahl. Nach Schnuppertagen und Praktika sollen sich die Schüler im ersten Jahr für ein Material, im zweiten für einen Beruf und im dritten für einen Betrieb entscheiden. Die anschließende Lehrzeit wird verkürzt. Der neue Schulzweig soll in einem Jahr starten. Bis Februar läuft die Anmeldung.

"Der Lehrlingsmarkt ist heiß umkämpft. Viele Eltern sind der Meinung, ihr Kind muss unbedingt Matura machen, auch wenn es handwerklich sehr begabt und interessiert ist. Im Bregenzerwald ist die Lage vielleicht noch besser als anderswo, aber trotzdem ist es absolut brisant. Das ist eine gemeinsame große Sorge aller Handwerker", sagt Susanne Schedler vom "Werkraum". Viele, die sich für eine Lehre entscheiden, verlassen das Tal trotzdem. Die großen Industriebetriebe im Rheintal locken mit eigenen Ausbildungen und mehr Geld. "Wir geben den Jugendlichen länger Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Mit 14 können viele einfach noch nicht sagen: Ich will Zimmerer werden. Auch danach stehen ihnen noch alle Wege offen, auch die Matura", erklärt Schedler die Idee hinter der neuen Ausbildung. Damit das funktioniert, müssen sich auch die Betriebe Zeit nehmen.

Peter Fink, Installateur und Heizungsbauer, hat das Projekt ins Rollen gebracht. "Im Volksgedanken ist die Lehre im Gegensatz zur Matura nichts wert. Das ist ein Problem. Wir können nur mit guten Geschichten gegen dieses Vorurteil ankämpfen."

Neue Wege in der Berufsvermittlung ging man auch in der Vergangenheit. So wurden für ein Projekt 15 Handwerksberufe - Werkzeuge, Informationen zu Ausbildung etc. - in 15 Rollcontainer gepackt. Auf Messen und in Schulen werden den Jugendlichen damit die Lehrberufe plastisch präsentiert.

Mit der Bewusstseinsbildung fängt man aber schon bei den Kleinsten an. Statt einer Hüpfburg wird bei Veranstaltungen "im Wald" - wie die Einheimischen ihre Heimat nennen - gern die Kinderbaustelle präsentiert. Hier können schon Fünfjährige spielerisch in Kontakt mit Werkzeugen kommen. "Viele Kinder hatten ja noch nie einen Hammer in der Hand, weil die Eltern das zu Hause viel zu gefährlich finden. Bei uns werden sie fachmännisch betreut und dürfen mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen arbeiten", erzählt Schedler. So will man Begabungen und Interesse wecken. Helfen die Initiativen? "Das ist schwer messbar. Aber wir hören von vielen beteiligten Betrieben, dass sie vielleicht noch nicht genug, aber jedenfalls mehr Lehrlinge haben."

Aufgerufen am 20.08.2019 um 12:25 auf https://www.sn.at/salzburg/handwerker-setzen-auf-innovation-in-der-provinz-1987225

Schlagzeilen