Kultur

Der beste aller Karrierestarts - Verena macht das schon

Prostituierte, polnische Pflegerin, drogensüchtige Mutter und mehr: Schauspielerin Verena Altenberger hat in ihrer kurzen Karriere schon viele Facetten gezeigt - und tut das zunehmend erfolgreich.

In der RTL-Comedyserie "Magda macht das schon" spielt Verena Altenberger in der Titelrolle eine polnische Pflegerin, die stets eine Lösung parat hat. Und auch Verena "macht das schon", wie es scheint: Nur zwei Jahre nach ihrem Schauspielabschluss dreht die 29-Jährige nicht nur bereits die zweite Staffel für die Serie, am 8. September läuft auch "Die beste aller Welten" in den österreichischen Kinos an (am 28. September in Deutschland), ein hochgelobter und bereits mehrfach ausgezeichneter Kinofilm des Salzburger Regisseurs Adrian Goiginger mit ihr in der Hauptrolle.

Sprechen wir über "Die beste aller Welten". Stimmt das Gerücht, dass Regisseur Adrian Goiginger einfach gegoogelt hat "Schauspielerin, jung, Salzburg" und so auf Sie stieß?

So etwas in der Richtung (lacht). Es war ihm von Anfang an wichtig, dass wirklich eine Salzburgerin die Rolle spielt, weil ihm der Dialekt sehr wichtig war, um authentisch zu sein. Und tatsächlich hat er dann einfach gegoogelt. Zum Glück heiße ich Altenberger - meine Homepage war offenbar die erste (lacht). Dann haben wir uns im Republic auf einen Kaffee getroffen, er hat mir das Drehbuch gegeben und mir war sehr schnell klar, dass ich diese Rolle unbedingt spielen möchte.

Er hat mit dem Film ja seine eigene Kindheit in Salzburg verfilmt, sie spielen seine Mutter, die versucht, ihm eine gute Mutter zu sein, gleichzeitig aber mit ihrer Drogensucht kämpft. War durch den realen Hintergrund sozusagen alles vorgegeben, oder konnten Sie selbst noch etwas in die Figur einbringen?

Auf jeden Fall. Wir haben uns in der Vorbereitung sehr stark an der echten Helga Wachter orientiert, also an Adrians Mutter, die 2012 an Krebs gestorben ist. Es gab viele Tagebücher, Fotos, Videos, ich habe ihre Eltern kennengelernt, ihren Witwer, ihre Freunde, ich hatte sehr viel Material und natürlich die Geschichten von Adrian selbst und das Drehbuch, das sie auch sehr gut beschreibt.

Aber es gab einen Punkt, an dem Adrian gesagt habt: "So, jetzt kennst du meine Mama, ab jetzt ist es deine Rolle und deine Figur, die du kreierst." Es bringt ja nichts, bei jeder zweiten Szene zu sagen, "Aber meine Mama hätte gesagt,…", so hätten wir nicht arbeiten können.

Nichtsdestotrotz war das größte Kompliment nach Szenen, in denen wir viel improvisiert haben, wenn er zu mir gesagt hat, "So hätt's meine Mama auch gemacht".

Für ihn selbst muss das eine wahnsinnig emotionale Arbeit gewesen sein.
Der Film ist sehr emotional, aber mit einer Distanz erzählt, die es erst ermöglicht, so einen Film zu machen. Er hat einen Riesenschritt geschafft, so einen ehrlichen Blick auf das zu werfen, was passiert ist. So reflektiert auf die eigene Kindheit, auf die eigene Mutter-Sohn-Beziehung zu schauen, das finde ich wahnsinnig stark.

Wie man hört, mussten auch Sie eine Mutter-Sohn-Beziehung aufbauen, zu dem damals sechsjährigen Jeremy Miliker, der im Film den jungen Adrian Goiginger spielt?
Ja, kann man wirklich sagen. Wir haben uns da ein halbes Jahr Zeit genommen, um uns kennenzulernen: waren Fußball spielen, im Haus der Natur, oder einfach daheim auf der Couch zum Fernsehen. So konnte ein großes Vertrauensverhältnis entstehen.

Und dann haben wir langsam spielerisch angefangen, Szenen aus dem Film nachzustellen. Es gab zum Beispiel eine Situation, da war Jeremy bei mir zuhause, wir haben ferngesehen, und er sagte, er habe Hunger, er würde gern Nudeln mit Ketchup essen. Ich habe gesagt, wir müssen erst die Pfandflaschen wegbringen, wenn wir uns Nudeln kaufen wollen, weil Geld habe ich keines. So ähnlich kommt es auch im Film vor. Schlussendlich haben wir auch angefangen, uns Mama und Adrian zu nennen. Als die erste Klappe fiel, waren wir beide schon vollständig verwandelt.

Auch abseits der Kamera?

Ja, auch abseits der Kamera. Während der Drehzeit war ich durchgehend Helga, vor allem für Jeremy, damit er nicht verwirrt wird.
Da gab's auch eine lustige Begegnung zur Halbzeit der Dreharbeiten. Wir hatten ein Fest am Set und ich hatte Lust, mich ein bisschen hübsch zu machen. Aber als mich Jeremy sah, hat er mich angestarrt, und war ganz erschrocken. Ich musste mir dann den Lippenstift wieder abwischen, weil er gar nicht wollte, dass ich so anders aussehe. Mittlerweile kennt er mich auch geschminkt und hat das akzeptiert (lacht).

Sie haben sich für Ihre Rollen sehr akribisch vorbereitet, waren schon auf Recherche im Bordell, sind für "Die beste aller Welten" in die Drogenszene gegangen. Ist das normal für Schauspieler, für die Rollen gleich so tief ins jeweilige Milieu einzutauchen?

Ob das normal ist, weiß ich nicht. Ich möchte einfach genau hinschauen. Das ist ja auch einer der Vorteile an meinem Beruf: Ich habe die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Menschen und Lebenswelten kennen zu lernen.

Und ich möchte die Rollen, die ich spiele, ganz genau verstanden haben. Ich als Verena habe nicht alle Erfahrungen gemacht, die meine Rollen gemacht haben. Also muss ich recherchieren, die Lebensumstände kennenlernen, mich darauf einlassen.

Im Vergleich zu einer drogensüchtigen Mutter muss Ihnen Ihre Titelrolle als Magda ja dann fast leicht von der Hand gehen?

Nicht unbedingt, auch dafür habe ich sehr viel recherchiert, bei Polinnen, Pflegerinnen und im Idealfall bei polnischen Pflegerinnen (lacht). Aber Magda ist natürlich eine Kunstfigur, da kann ich ein bisschen übertreiben, eine Schippe drauflegen sozusagen.

Während der Arbeit an "Die beste aller Welten" habe ich mich monatelang mit emotionalen Abgründen beschäftigt. Da geht man nicht einfach nachhause, duscht, und ist wieder gut drauf. Bei Magda beschäftige ich mich den ganzen Tag mit einer Rolle, die total gut drauf ist, die alle Probleme lösen kann, der alles leicht von der Hand geht - da geht man heim und ist erstmal sehr gut drauf (lacht).

(Der Trailer zur ersten Staffel, die im Jänner 2017 anlief, aktuell laufen die Dreharbeiten für die zweite Staffel).

Eine eigene Comedyserie auf RTL mit durchschnittlich fast 3,2 Millionen Zusehern, das muss für eine junge Schauspielerin ein enormer Schritt sein?

Ist es tatsächlich. Ich habe im Vorfeld nie darüber nachgedacht, wie groß die Serie werden könnte. Ich habe damals nur die ersten paar Drehbücher bekommen, den Regisseur getroffen, und habe mir gedacht, die Drehbücher sind sehr gut, der Regisseur ist cool, ich möchte das machen. Was das heißt, RTL, Marketing, Werbung und groß und überhaupt, soweit hab ich nicht mal ansatzweise gedacht.

Stimmt die Geschichte, dass Sie ihren Dialekt für die Rolle der Magda von einer polnischen Köchin gelernt haben, unmittelbar nachdem sie die Einladung zum Casting bekamen?

Ja, tatsächlich (lacht). Ich saß in der Kantine der Schauspieluni in Wien und bekam das Mail von meinem Agenten: übermorgen Casting in Berlin, das sind die Szenen und übrigens, bitte mit polnischem Akzent. Haha, und wo soll ich den jetzt hernehmen? Und wirklich, wie so ein Wink des Schicksals stellt mir in dem Moment eine Dame den Kaffee hin und sagt mit polnischem Akzent "Guten Appetit": Bernadetta! Ich habe sie dann gleich gefragt, ob sie mir kurzfristig fürs Casting helfen möchte. Sie sprach mir den Text auf Band und ich hab's mir ganz oft angehört. Und seit ich die Rolle habe, treffen wir uns regelmäßig in Wien, unterhalten uns über alles Mögliche, ich merke mir ihren Sprachduktus, und schaue mir ein bisschen was ab von ihr. Wenn ich dann die Drehbücher habe, spricht sie mir nach wie vor alle Sätze auf Band, und ich lerne sie beim Joggen.

Wahrscheinlich ein amüsanter Anblick: Sie joggen vor sich hin an der Spree und murmeln unzusammenhängende Sätze in einem osteuropäischen Akzent vor sich hin?

Ach, in Berlin kann man gar nicht so verrückt sein, dass man auffällt. Leben und leben lassen, das ist das Angenehme an Berlin. In Salzburg wäre ich damit wahrscheinlich am nächsten Tag Stadtgespräch (lacht).

Zur Person:

Verena Altenberger wurde am 11. November 1987 in Schwarzach geboren.
Nach der Matura in Salzburg ging sie nach Wien, um Schauspiel zu studieren, wurde aber im ersten Anlauf am Max-Reinhardt-Seminar nicht angenommen. So inskribierte sie sich kurzfristig für Publizistik, machte ihren Bachelor-Abschluss, verfolgte aber weiter akribisch ihren großen Traum, Schauspielerin zu werden, nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht, ging viel ins Theater und arbeitete sich in den österreichischen Film ein. Die Arbeit zahlte sich aus: 2011 wurde sie an der Musik und Kunst Privatuniversität (MUK) der Stadt Wien aufgenommen, im Juni 2015 schloss sie das Studium erfolgreich ab.
Sie stand bereits am Burgtheater und am Volkstheater Wien auf der Bühne, im Film und Fernsehen hatte sie Rollen in "Die Hölle", "Tatort", "Copstories" und "Altes Geld".
Für ihre Hauptrolle in "Die beste aller Welten" wurde sie 2017 mit dem Schauspielpreis des Filmfestivals Diagonale ausgezeichnet sowie beim Internationalen Filmfestival Moskau als beste Schauspielerin. Aktuell steht sie in Berlin vor der Kamera, für die zweite Staffel der RTL-Comedyserie "Magda macht das schon", in der sie die Titelrolle spielt.

Aufgerufen am 13.11.2018 um 06:07 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/der-beste-aller-karrierestarts-verena-macht-das-schon-17134450

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