Kultur

Ehrengrab für Hans Schmid um 30 Jahre verlängert

Nur die Bürgerliste stimmte im Kulturausschuss dagegen.

Nach der jüngsten Debatte um die nationalsozialistische Vergangenheit des Salzburger Komponisten Hans Schmid stimmten ÖVP, SPÖ und Freiheitliche im Kulturausschuss am Donnerstag dafür, das Ehrengrab Schmids auf dem Salzburger Kommunalfriedhof um weitere 30 Jahre zu verlängern. Nur die Bürgerliste stimmte dagegen.

Man sei der Argumentation der Historiker aus dem Stadtarchiv gefolgt, sagt Gemeinderat Wolfgang Gallei (SPÖ). "Für uns zählt die Expertenmeinung." Laut den Ausführungen der Historiker gebe es keinerlei neue Hinweise auf Verstrickungen Schmids in nationalsozialistische Machenschaften.

Der Komponist des Rainermarschs hatte am 1. Mai 1938 eine jener NSDAP-Mitgliedsnummern erhalten, die für Personen reserviert gewesen sein sollen, die sich von Juni 1933 bis März 1938 illegal für die damals in Österreich verbotene NSDAP eingesetzt hatten. Auf diese Art seien Prominente als NSDAP-Aushängeschilder benutzt worden, heißt es in einer Ressortstellungnahme. Im Fall von Hans Schmid habe, wie auch bei einigen anderen Salzburger "Parteigenossen" mit niedrigen Mitgliedsnummern, ein politisches Engagement für die NSDAP in der Verbotszeit bisher nicht nachgewiesen werden können.

Hans Schmid war während des Ersten Weltkriegs Leiter der Regimentsmusik an der russischen bzw. italienischen Front. 1915 entstand in Galizien (heute Ukraine) der Rainermarsch, der als inoffizielle Salzburger Landeshymne gilt.

Stadt betreut 30 Ehrengräber

Bürgerlisten-Gemeinderat Markus Grüner-Musil kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. "Die Stadt Salzburg betreut aktuell nur 30 Ehrengräber, diese sind daher eine außergewöhnliche Auszeichnung." Einstigen Mitgliedern der NSDAP eine solche Ehrung zuteil werden zu lassen, sei nicht angemessen.

KZ-Verband sammelt Spenden für Grab einer ermordeten Sinti-Familie

Kritisch meldete sich nach dem Beschluss im Kulturausschuss der KZ-Verband und der Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer zu Wort. Sie kündigen eine Spendenaktion für die Erhaltung eines Familiengrabes am Kommunalfriedhofs an, in dem Mitglieder einer Sinti-Familie aus Salzburg begraben sind. Die Familie sei bis 1943 im "Zigeunerlager" Maxglan interniert gewesen. Ein großer Teil der Familie sei nach Auflösung des Lagers in Auschwitz ermordet worden. Eine in Wien lebende Angehörige der Familie hatte im November in einem Schreiben um Hilfe gebeten. Sie könne auf Dauer die Grabstätte ihrer Verwandten nicht mehr finanzieren.

In der Aussendung heißt es: "Wenn die Stadt Salzburg per Mehrheitsbeschluss das Grab eines NSDAP-Parteigängers finanziert, dann finanziert die demokratische Zivilgesellschaft das Grab der Opfer."

Die Bürgerliste und Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS) kündigten an, die Spendenaktion zu unterstützen. "Anstatt jemandem zu huldigen, der 1938 aktiv eine NSDAP-Mitgliedschaft beantragt hat, hätte die Stadt ein Ehrengrab für Opfer des Nazi-Terrors ermöglichen können", sagt Dankl. Die Zivilgesellschaft zeige, wie eine demokratische und antifaschistische Erinnerungskultur aussehen könne.

Spendenkonto: "Graberhaltung - Opferfamilie" AT47 1500 0002 1116 7101


Quelle: SN

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