Kultur

Es kracht bei zwei Salzburger Konzertveranstaltern

Kulturvereinigung und Stiftung Mozarteum zeigen Krisensymptome: Frauen in Führungspositionen treten ab.

Elisabeth Fuchs wird die Salzburger Kulturvereinigung nach zehn Jahren verlassen. SN/kulturvereinigung/erika mayer
Elisabeth Fuchs wird die Salzburger Kulturvereinigung nach zehn Jahren verlassen.

Bereits brodelnde Konflikte bei den zwei wichtigsten Salzburger Konzertveranstaltern sind nun zufälligerweise zeitgleich ausgebrochen. Dort wie da - in der Kulturvereinigung wie in der Stiftung Mozarteum - ziehen leitende Mitarbeiterinnen daraus die Konsequenz und treten ab.

Die Dirigentin Elisabeth Fuchs teilte am Donnerstag über Facebook mit, sie werde ihren Vertrag als künstlerische Leiterin der Salzburger Kulturvereinigung nicht mehr verlängern. Es gebe "unterschiedliche Vorstellungen bezüglich Programmplanung und Schwerpunkten". Allerdings versichert sie: Bis Ende 2018 werde sie all ihren Aufgaben "mit Freuden" nachgehen und "eine gute Übergabe vorbereiten". Danach werde sie vor allem mit der von ihr gegründeten Philharmonie Salzburg und den Kinderfestspielen neue Wege gehen. Auf die Nachfrage, ob es Konflikte mit dem Präsi dium gegeben habe, etwa mit Präsident Hans Schinwald oder ihrem Vorgänger Heinz Klier, erwidert Elisabeth Fuchs: "Die Zeit ist reif, zu gehen."; sie bleibe ja noch ein Jahr, so sollte genug Zeit sein, um über die Nachfolge zu entscheiden.

Er sei von dieser Erklärung überrascht, sagt Hans Schinwald, Präsident der Kulturvereinigung. Denn er habe Donnerstag früh Lisi Fuchs noch per E-Mail um ein Gespräch gebeten, um nach Kulturtagen und 70-Jahre-Feier über die weiteren Vorhaben zu reden. Hans Schinwald gesteht allerdings, dass es Spannungen gegeben habe, und erwähnt "überzogene Vorstellungen" Elisabeth Fuchs' bei den Programmplanungen sowie ihre "extreme Belastung" wegen ihres Einsatzes für die Kulturvereinigung sowie für Philharmonie und Kinderfestspiele.

"Ich schätze ihre Arbeit für die Kulturvereinigung sehr", versichert Hans Schinwald. Bis Anfang dieses Jahres sei die Zusammenarbeit von Lisi Fuchs und dem Präsidium "ja wunderbar gelaufen, mit großem Einvernehmen, wir stehen wirtschaftlich auch nicht so schlecht da". Doch sehe er "in der letzten Zeit ihre immense Belastung aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben". Vermutlich sei dies auch der Auslöser für ihren fünfmonatigen Krankenstand bis Ende August gewesen.

Angesprochen auf Gerüchte, wonach er selbst in der Kulturvereinigung einen Verwandten um 25.000 Euro Honorar beschäftigt habe, sagt Hans Schinwald: Ja, da der für Marketing zuständige Mitarbeiter Michael Sowa für ein Jahr karenziert sei, habe er Ende des Vorjahres "einen erfahrenen Journalisten, der mein Schwager ist" engagiert - in Abstimmung mit den zwei Geschäftsführerinnen. In Anbetracht der Jubiläumsfeierlichkeiten seien 25.000 Euro angemessen. Er erachte es als richtig, dass er als Präsident für Öffentlichkeitsarbeit jemanden bestelle und bevorzuge, den er kenne. Und: "Es ist nur um eine Überbrückung gegangen."; Michael Sowa komme im März 2018 zurück.

Voraussichtlich werde der Posten der künstlerischen Leitung demnächst ausgeschrieben, kündigte Hans Schinwald an.

Auch der zweite führende Salzburger Konzertveranstalter, die Stiftung Mozarteum, ist in Not: Die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros, Petra Hinterholzer, hat gekündigt. Nach der Mozartwoche 2018 werde sie die Stiftung verlassen, bestätigte sie den SN, gab aber keine weiteren Erklärungen ab.

Dass Petra Hinterholzer nach vielen Jahren in der Stiftung Mozar teum so plötzlich ausscheidet, ist ein Alarmzeichen. Schon Matthias Schulz ist 2016 als künstlerischer Leiter vorzeitig aus seinem Vertrag ausgestiegen. Ende April wurde bekannt, dass seine Nachfolgerin Maren Hofmeister nach knapp zwei Jahren - ebenso nach der Mozartwoche 2018 - ihre Tätigkeit für die Stiftung Mozarteum beenden wird.

Derweil hat das Präsidium mit dem Sänger Rolando Villazón zwar einen künstlerischen Leiter für die Mozartwoche ab 2019 bestellt, doch um dessen Ideen umzusetzen, ist ein tüchtiges Betriebsbüro nötig. Außerdem ist noch immer unklar, wer die Verantwortung für die zwei anderen Konzertschienen übernimmt - das Festival "Dialoge" sowie die Saisonkonzerte. Eigentlich war vorgesehen, damit Petra Hinterholzer zu betrauen. Doch nun wirft auch die das Handtuch.

Dass eine so verdiente Mitarbeiterin ausscheide, sei bedauerlich, sagt Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum. Allerdings eröffne dies auch die Chance, das Betriebsbüro neu zu organisieren und die künstlerische Leitung zu überdenken - eventuell mit einem externen Kurator für die "Dialoge". Als Nächstes werde Anfang November der Posten für das Betriebsbüro ausgeschrieben.

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