Kultur

Festspiele: Zauberhafter "Sommernachtstraum"

Der Hof der Residenz wurde am Samstagabend für den "Sommernachtstraum" zauberhaft verwandelt: in einen herzoglichen Festsaal sowie in einen Birkenhain, in dem Liebende einander suchen und Elfen tanzen.

Festspiele: Zauberhafter "Sommernachtstraum" SN/APA/BARBARA GINDL
Shakespeares „Sommernachtstraum“ bei den Salzburger Festspielen.


Dieser heiße Sommerabend bot ein ideales Ambiente für die Premiere von William Shakespeares "Sommernachstraum", in dem Theseus sagen wird: "Verliebten und Verrückten kocht das Hirn / Vor Fantasie; sie sehen Wunderdinge, / Die kein normaler Mensch sonst sehen kann."

Um acht Uhr, als die Komödie beginnen sollte, zwangen die Salzburger Kirchenglocken Schauspieler, Musiker wie Publikum noch einmal zum Innehalten. Der zunächst lichtblaue Himmel fiel in dämmerliches Weiß und dann in nächtliches, sternklares Dunkelblau. Als der Liebesstreit auf der Bühne eskalierte, sich dann aber in allgemeines Heiraten auflöste, fielen vom Himmel sanfte Ahnungen kühler Luft.

Das Mozarteumorchester überzeugtEines der herrlichsten, an diesem Abend zu erlebenden "Wunderdinge" war die Bühnenmusik Felix Mendeslssohn Bartholdys, die das Mozarteumorchester Salzburg - geleitet von seinem Chefdirigenten Ivor Bolton - fein, prickelnd und strahlend zur Geltung brachte.

Die Musiker waren angenehm abgehoben: Über drei Viertel der Breite des Hofes steht eine Bühnenbox - oben, also gleichsam im ersten Stock, musiziert das Orchester, das so immer gut zu sehen und zu hören ist. Unten vollzieht sich das Liebes-Schauspiel, wenngleich die Bühne noch hoch genug ist, dass die Elfen oder der Puck aus Versenkungen herausspringen können. Diese Konstruktion ist für die Darbietung von Spiel und Musik hilfreich, doch leider ist damit die Hauptfassade des Residenzhofes und somit der Hauptteil seines architektonischen Charmes verbaut.

Mason hat humorvolle Sprache gefundenEine weitere Erfreulichkeit dieses Abends ist der Text: Regisseur Henry Mason hat Shakespeares Original neu übersetzt und eine heutige, humorvolle, geistreiche Sprache gefunden. Die oft deftige Schimpferei wird dank fantasievoller Wortwahl und präziser Rhythmik erstaunlich elegant. Auch seine Inszenierung ist voller Dynamik, Ideen und Details, und er motiviert die Schauspieler zu Höchsteinsätzen. Einige, vor allem die vier jungen Liebenden (Tanja Raunig, Eva Maria Sommersberg, Daniel Jeroma und Claudius von Stolzmann) spielen sich gleichsam die Seele aus dem Leib.

Markus Meyer gestaltet den Puck als boshaft lustigen Gesellen - immer dienstfertig und sprungbereit, immer frech, immer hämisch und lachbereit. Er läuft, springt und tanzt mit sagenhaft präziser Akrobatik. Vor allem dank Markus Meyer und dank der bewegungsfreudigen und zugleich vorzüglich singenden Elfen werden Tanz und szenisches Spiel mit scheinbarer Leichtigkeit verquickt.

Rundum gelungen und witzig sind die Szenen der Handwerker, die sich aus jenen Arbeitern rekrutieren, die zu Beginn das herzogliche Hochzeitsfest vorbereiten, daher sind auch der Florist Franz Flaut, der Veranstaltungsmanager Robbie Schlucker und Frau Schnauz vom Brautmodengeschäft dabei.

Jedoch: Liebenden fehlt der LiebreizDer insgesamt gute Eindruck dieser Neuinszenierung wird auch getrübt. Vor allem fehlt es den Liebenden an Liebreiz. Karoline Eichhorn ist als Titania eine schroffe, kommandierende - noch dazu glatzköpfige - Herrscherin. Die vier jungen Liebenden outrieren im Werben wie im Streiten, sodass man am Ende kaum verstehen kann, was sie alle an der Liebe oder gar am Heiraten noch freuen könnte.

Offenbar war die Sorge groß, dass Schauspiel und sprechende Stimmen zur Herrlichkeit der Orchestermusik ins Hintertreffen geraten könnten. So erklingt kein Takt an Musik, zu dem - wenn nicht getanzt - auch noch szenisch gespielt wird. Manchmal wird da zu viel gelaufen und gewuselt, einmal werden sogar während der Musik lautstark Plastikplanen und Papierbögen abgerissen.

Die Sprechstimmen werden über Mikroport verstärkt, was für das Spiel im Freien unabdingbar geworden ist. Doch immer wieder ergibt das Miteinander von technisch derart auffrisiertem Sprechen und feinem, direkten Klang von Streichern und Bläsern einen schmerzlichen Kontrast. Michael Rotschopf als Theseus und Oberon konstituiert da eine angenehme Ausnahme: er führt seine Stimme so souverän, dass die technische Verstärkung nur Beiwerk ist, und wenn er seinen Text zur Musik legt, wird deutlich: Sprechen kann höchst musikalisch sein.

Ein weiterer Bericht erscheint morgen, Montag, in Print- und HD-Version der Salzburger Nachrichten.

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