Kultur

Salzburger Landestheater: Alte Masken leuchten wie neu

Mit Skalpellen wurde graue Farbe minutiös entfernt. Dass so zartes Gold und mattes Weiß dem Salzburger Landestheater wieder Eleganz verleihen, steht protypisch für die historische Sanierung.

Freilich beginnt ein Theater, indem das Licht ausgeht. Auch am Samstagabend war es finster, als im Salzburger Landestheater mit Tuschen aus dem Orchestergraben Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus" anhob. Als das Mozarteumorchester, dirigiert von Gabriel Venzago, das weich-melodiöse Tutti entwickelte, dimmte wieder Licht heran. Erst leuchteten dort und da Wandflächen auf, dann sprangen Lichtkreise auf die Masken auf den Brüstungen der Logen. Welche Vielfalt! Welch matter, doch eleganter Glanz! Im heller und schneller werdenden Lichtspiel, als Scheinwerfer ihre Kegel über den Sonnenwagen in der "Apotheose der Künste" auf der Decke jagten, reckten Besucher ihre Köpfe nach oben und hinten. Da war das Theater wie umgedreht: Das, wo erstmals seit 6. Mai 2022 wieder Publikum eingetreten war, wurde beleuchtet und betrachtet, als wäre es eine Bühne, wobei Stuck, Luster und rote Tapeten das Bühnenbild ergaben.

All dies sei wieder "zurückversetzt in die historische Pracht", wie Landeskonservatorin Eva Hody später schilderte. Das in den 1930er-Jahren auf Stuck und Putz draufgepinselte Grau sei mit Skalpellen abgehoben worden. Zentimeterweise haben 22 Restauratorinnen und Restauratoren alles Gold und mildes Weiß in Rekordzeit freigelegt.

"Ich begrüße Sie im neuen Glanz dieses altehrwürdigen Theaters", versicherte ORF-Journalistin Barbara Rett, die kompetent und charmant die dreistündige Gala moderierte. Nach erfrischtem Stuck, neuen Polstersesseln, einst knarzendem und nun verstummtem Parkett sowie dem wieder fahrtüchtigen Kristallluster bekam ein weiterer Star seine Show: die Bühnentechnik. In den gut sechs Monaten wurden sämtliche Kabel und Scheinwerfer erneuert. Die einst händisch bedienten Seilzüge für Bühnenbildteile sind durch digital zu steuernde, elektrisch angetriebene Züge ersetzt. Früher hätten Bühnenarbeiter täglich 2000 bis 2500 Kilogramm mit Muskelkraft umgelegt, schilderte der Technische Leiter, Michael Haarer. Am Samstag bedienten nur mehr zwei Arbeiter acht Hebel und vier Knöpfe: Riesige Traversen samt rundum drehbare Scheinwerfer, wuchtige Querstangen für Prospekte, Drehbühne und Hubpodien schwebten scheinbar schwerelos herum, was der Akrobat Daniel Therrien an Seilen und Tüchern fliegend begleitete.

Die Tatkraft der Salzburger Architektenfamilie Zopf wurde ebenso gelobt wie die zeitlichen und qualitativen Spitzenleistungen von großteils Salzburger Handwerkern und die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt. Der Kaufmännische Direktor Bernhard Utz resümierte: In den 189 Tagen als Baustelle seien 180.000 Arbeitsstunden geleistet worden. Dank guter Planung, zügiger Arbeit der vielen Mitwirkenden mit oft "unfassbarer Begeisterung für ihren Beruf" sei das Projekt um 13,6 Millionen Euro, die Stadt und Land finanzierten, "gerade rechtzeitig vor der Pandemie, vor unterbrochenen Lieferketten und vor Preissteigerungen" auf den Weg gebracht worden und nun wie geplant fertig.

Intendant Carl Philip Maldeghem hob das "politische Bekenntnis zum Salzburger Landestheater" hervor. Dieses kommt durch die Investition sowie die an diesem Abend zahlen- wie prominenzmäßig ungewöhnliche Präsenz von Stadt- und Landespolitikern zum Ausdruck.

Zwischen Lob und Staunen über Handwerk, Technik, Licht und erneuerten alten Glanz bemächtigten sich alle Sparten des Landestheaters der neuen Möglichkeiten.

Allerdings wäre im Schauspiel anderes zu wünschen als das, was am Samstag geboten wurde: Vier eigentlich versierte Ensemblemitglieder rezitierten in mehr oder weniger schlecht sitzendem schwarzen Alltagsgewand aus Goethes "Vorspiel auf dem Theater" - auf leerer, also rundum offener, somit akustisch schlechter Bühne, was über Mikroports korrigiert wurde, sodass statt menschlicher Stimmen technischer Konserventon erklang.

Die rhetorische Glanzleistung des Abends steuerte Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei: mit launigem Lobgesang auf das "von grauen Strähnen befreite und wieder goldlockige" Haus, auf "Plüschmonster" und "Ornamentenungeheuer" samt "Tapetenorgie" und "Deckengemälde-Tsunami".

Die Sopranistin Laura Incko gab mit einer Arie aus Mozarts "La finta giardiniera" einen Vorgeschmack auf die nächste Opernpremiere. Die Kompetenz im Musical bewies das Ensemble von "Hair". Der hauseigene Chor sowie der Kinderchor gaben Kostproben ihres Könnens.

Vor allem erfreuten die von Reginaldo Oliveira betreuten Tänzer - etwa mit einer köstlichen Persiflage scheinbar betrunkener Tänzerinnen zu Mozarts Serenade KV 525. Zu Beginn dieser abwechslungsreichen Gala für das, was mehrmals als das "derzeit schönste Landestheaters Österreichs" gelobt wurde, zeigten Dafne Barbosa und Flavio Salamanka mit ihrem Pas de deux "Weißer Schwan" aus Peter Iljitsch Tschaikowskys "Schwanensee", was die Freude an ihrem Ballett, am Spiel des Mozarteumorchesters wie an dieser renovierten Architektur auslöst: Betörende Leichtigkeit vermittelt sich, wenn Kunst der strengen Form, der hohen Anstrengung und dem durch präzise Übung gewonnenen Können entspringt.

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