Kultur

Trumer-Brauerei öffnet ihre ehemaligen Gärhallen für die Kunst

Für eine Woche bespielen sieben Künstlerinnen und Künstler die Räume, in denen früher Bier gegärt wurde. Während der Ausstellung wächst Kresse auf Bauschutt.

"When you see it grow, you can go. Siri." Mit seiner Installation will der Salzburger Christian Steinwendner zwei Welten verbinden: Die digitale, weshalb er die Anmutung von Instagram für seinen riesigen Schriftzug auf dem Bauschutt wählt, der in den ehemaligen Gärhallen in Obertrum liegt. Und die analoge, weshalb er auf einer vergessenen Tür Kresse anpflanzt.

Ihm geht es um das Wachstum, sagt der Künstler bei der Vernissage am Samstag. Das Immer-Mehr, dem der Mensch nachläuft. Die Kresse ist einerseits Gegenpol, es steht für das Natürliche. Andererseits ist die Pflanze auch sehr produktiv: Sie wächst schnell.

Die Installation von Steinwendner ist Teil der Ausstellung, die die Kulturinitiative drum5162 organisiert hat. Bis kommenden Samstag können Besucher täglich von 16 bis 19 Uhr die Werke zum Thema "Öffnung" ansehen. Anita Thanhofer von der Kunstinitiative: "Uns geht es darum, Gegenwartskultur nach Obertrum zu bringen und zu verorten - und gemeinsam mit der Gemeinde neue Ideen zu entwickeln."

Ausstellung in sechs Räumen

Die Ausstellung zieht sich durch sechs Räume. Gegenüber von der Kresse sind drei riesige Ölgemälde von Magdalena Heller zu sehen. Sie sind bunt, dennoch geht eine gewisse Traurigkeit von ihnen aus. 2015, erzählt die Künstlerin, hat sie ein Heim für unbegleitete Flüchtlinge mit anderen freiwilligen Helfern ausgemalt. Die Erfahrung habe sie geprägt, sagt sie und zeigt auf das Bild, das eine junge Frau in einem Zimmer voller Glitzer zeigt. "So lebe ich und so will ich leben. Gleichzeitig war da aber der Zwiespalt: Ist es okay, in meinem glitzernden Zimmer zu sein?"

Im nächsten Raum hängen vier riesige, tropfenförmige Geflechte von der Decke. Eine Frau setzt sich hinein, eine zweite klettert in den gegenüberliegenden Hängestuhl. Beim Werk von Clara Boesl gehe es um Kommunikation. "Kunst wird erst zur Kunst, wenn sie genützt wird", sagt sie.

 SN/wienerroither

Ein paar Schritte weiter springt eine Videoinstallation ins Auge. Zwei Frauen tanzen durch Räume, die zuvor seit Jahren nicht mehr benutzt wurden. Das Video zeigt die Performance von Pinion & Crown, das Ensemble, zu dem Griet Vanden Houden und Sara Marin gehören. Der Titel der Tanzperformance ist Oxymoron. "Das bedeutet Gegensätze", sagt Vanden Houden. Öffnen und schließen, innen und außen, oben und unten. Die zwei Künstlerinnen performen bei der Finissage am Samstag auch live.

 SN/wienerroither

"Eine Gesellschaft sollte vielfältig sein"

Musik dringt aus dem nächsten Raum. Jürgen Vonbank hat sich für seine Soundperformance ebenfalls mit der Öffnung auseinandergesetzt. Die erste Assoziation dabei: eine offene Gesellschaft. "Eine Gesellschaft sollte vielfältig sein. Die Komplexität ist jedoch nicht anstrengend, sondern kann zu etwas sehr Harmonischem werden."

Im Raum sind auch riesige Plastikplanen aufgespannt, durch die sich die Besucher schlängeln. Diaprojektoren schaffen Lichtreflexe und damit die Traumwelt von Katharina Kapsamer. Im Raum daneben hat die Kulturinitiative ein kleines Postamt eingerichtet. Auf Postkarten, die von Fotografin Michaela Fellner gestaltet wurden, können die Besucher ihre Gedanken zu Obertrum hinterlassen.

 SN/wienerroither


Und dann ist da noch der dunkle Raum, in dem Bierschlacke immer noch aus den alten Rohren tropft. Ein bisschen unheimlich ist er, doch dann sieht der Besucher drei Dinge, eingewickelt in weißem Stoff. Dahinter läuft die Videoinstallation von Sonja und Andreas Brandl, bei der sie die Dinge auspacken. Es ist eine Glühbirne, ein Stiefel und ein unidentifizierbares Etwas. All das haben sie im Wald gefunden, sagen die Künstler. In dem Video zeigen sie den Weg, den die Dinge zurückgelegt haben.

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