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Ein Heimspiel gelingt abseits vom Markenkern

Das Mozarteumorchester Salzburg profiliert sich mit einer Kammermusik-Reihe. Zwischen Musikstücken las Autor Lars Amend Texte über das Finden schöner Gefühle, die Glück stiften.

Das Orchesterhaus im Nonntal ist Heimat für das Heimspiel.
Das Orchesterhaus im Nonntal ist Heimat für das Heimspiel.

Es gibt nicht bloß Lästiges, was in der Pandemie ersonnen worden ist. Vielmehr mauserte sich am Samstagabend im Orchesterhaus im Nonntal das, womit sich das Mozarteumorchester Salzburg durch die Coronarestriktionen gefrettet hat, zum brillanten Vergnügen. Mit den nunmehr im dritten Jahr fortgeführten "Heimspielen" wird ein doppelter Coup gelandet: Erstens wird so unprätentiös wie raffiniert programmierte Kammermusik gespielt, und das in einer zu stetigem Besuch ermunternden Reihe; zweitens sind einzelne Musiker des Mozarteumorchesters eineinhalb Stunden in Augen- und Ohrenschein zu nehmen.

Am Samstag waren dies Barbara Chemelli mit ihrer Querflöte, Bernhard Mitmesser mit seiner Klarinette und Florian Simma mit dem Cello. Begleitet? Nein! Mitgespielt und mitmotiviert hat Johannes Wilhelm am Klavier. Die vier bereiteten reine Freude des musikalischen Zwiegesprächs in dem Sinne, dass die solistische Virtuosität sich immer gemeinsam mit jener eines Partners entfaltet, sich an diese anschmiegt oder sie herausfordert.

Finale Techno Parade

Während Orchesterdirektor Siegwald Bütow in der Vorwoche noch den "Markenkern Mozart" angepriesen hatte, war die von ihm vorangetriebene "Heimspiel"-Reihe am Samstag fern vom Mozartischen. In der finalen "Techno Parade" von Guillaume Connesson (geboren 1970) brachte Bernhard Mitmesser seine Klarinette zum Kreischen; Johannes Wilhelm ließ das Klavier schnarren, bevor er es in einer Verrenkung zwischen Tastendruck und Saitenbedienung auch irgendwie zupfte. Barbara Chemelli erzeugte derart virtuoses Rauschen auf der Querflöte, dass das keinesfalls ein Anfängermalheur war.

Diese instrumentalen Seitensprünge waren Details einer stupenden, fast immer im klassischen Sinn zur Geltung gebrachten Virtuosität - mit Carl Maria von Webers Trio für Flöte, Cello und Klavier op. 63 sowie Johannes Brahms' Allegro aus dem Klarinettentrio a-Moll op. 114. Mit Stücken von Astor Piazzolla sowie mit "The Chase" von Olivier Truan (geboren 1961), in dem die Klarinette einmal sogar wie eine singenden Säge erklang und die Flöte so raste, dass sie ins Zwitschern verfiel, bewiesen die Musiker ihr Können wie ihre Spielfreude.

Video: Heimspiel mit Lars Amend

Lars Amend findet das Glück

Zwischen Musikstücken las der als "Schriftsteller, Podcaster, Lifecoach" angekündigte deutsche Autor Lars Amend Texte über das Finden schöner Gefühle, die Glück stiften. Allerdings fiel auf, dass in seinen Geschichten vornehmlich Männer Glück, Berühmtheit und Zufriedenheit erringen - neben reaktionär typisierten Frauen, die fromm lächeln oder als Mutter (mit Kind) zu ernähren sind. Zum Glück pfiff Barbara Chemelli anders; Frau und Männer des Mozarteumorchesters spielten miteinander auf Augenhöhe.

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