Kultur

Wegen Coronaverschärfungen: Salzburger Adventsingen ist abgesagt

Das Risiko eines Millionenverlusts im Falle einer kurzfristigen Absage sei zu hoch, begründen die Veranstalter.

Salzburger Adventsingen 2019. SN/apa/neumayr
Salzburger Adventsingen 2019.

Man habe sich bis zur letzten Minute bemüht, aber: Diese Bemühungen seien in den vergangenen Tagen zunichtegemacht worden. "Innerhalb von nur drei Tagen wurden neue massive Einschränkungen für Veranstaltungen verordnet. Derart kurzfristige Änderungen - und es ist davon auszugehen, dass dies nicht die letzten waren - machen große Kulturveranstaltungen wie das Salzburger Adventsingen administrativ undurchführbar. Somit müssen wir schweren Herzens die für heuer geplanten Veranstaltungen auf 2021 verschieben", heißt es in einer Aussendung von Veranstalter Hans Köhl vom Salzburger Heimatwerk.

Bereits gekaufte bzw. gebuchte Karten werden nun zurückgenommen - die Kunden haben die Wahl zwischen einer Rückerstattung des Kaufpreises und einer Umbuchung auf das Adventsingen 2021. Dann feiert die Traditionsveranstaltung mit rund 36.000 Besuchern ihr 75-jähriges Bestehen.

Absage kostet rund 500.000 Euro

Mehr als drei Viertel der 36.000 Tickets für die für heuer geplanten Veranstaltungen waren bereits vor dem Corona-Shutdown im März verkauft worden. Doch es nützt alles nichts. Es seien in erster Linie organisatorische Unwägbarkeiten und zudem auch das wirtschaftliche Risiko, das ein Durchführen unmöglich mache, schildert Adventsingen-Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Mödlhammer. Die Entscheidung, das Salzburger Adventsingen abzusagen, habe der Aufsichtsrat am Dienstagabend einstimmig beschlossen.

"Mit einer auf zwei Drittel abgespeckten Besucherzahl pro Veranstaltung hätten wir es noch versucht", schildert Helmut Mödlhammer. Und das, obwohl eine Wirtschaftlichkeit erst ab einer Auslastung von 92 bis 95 Prozent gegeben sei. Den Abgang von einer halben Million Euro hätte man irgendwie stemmen können und müssen. So viel wird nun auch die Abwicklung der Absage kosten.

Angestrebte Ausfallshaftung kam nicht zustande

Ausschlaggebend für die Entscheidung seien die neuen Verschärfungen für Veranstaltungen sowie die Unsicherheit, wann es zu weiteren Einschränkungen kommen könnte. Es gebe einfach keine Planungssicherheit mehr. Hinzu komme, dass man eventuell mit einer deutschen Reisewarnung für Österreich rechnen müsse. "55 Prozent unserer Besucher kommen aber aus Deutschland." Eine kurzfristige Absage eine Woche vor der Premiere wäre organisatorisch nicht zu bewältigen und würde bis zu einer Million Euro kosten. Daher sei das Risiko einfach zu hoch gewesen.

Eine vom Heimatwerk angestrebte Ausfallshaftung, bei der Heimatwerk, Stadt und Land Salzburg jeweils ein Drittel getragen hätten, ist nicht zustande gekommen.

Mödlhammer kritisiert Bundesregierung und spricht von "Affront gegenüber den Bundesländern"

Dass das Salzburger Adventsingen abgesagt werden müsse, "tut schon wahnsinnig weh und ist in dieser Form unverständlich", sagt Mödlhammer. Er spart nicht mit Kritik an der Bundesregierung: "Salzburg wird hier gleich behandelt wie Wien, obwohl die Infektionszahlen deutlich niedriger sind. Dass hier alle gleich behandelt werden, ist ein Affront gegenüber den Bundesländern, die sich um eine Eindämmung der Pandemie bemühen."

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Aufgerufen am 29.09.2020 um 08:23 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/wegen-coronaverschaerfungen-salzburger-adventsingen-ist-abgesagt-92893747

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