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Landtagswahl 2018

"Rassereinheit": FPÖ-Kandidat Rebhandl gerät weiter unter Druck

Nun berichtet das Nachrichtenmagazin "Profil" über einen Vorfall aus dem Jahr 2010. Dort soll eine Turnvereinsfahne mit der Aufschrift "Rassereinheit" präsentiert worden sein - unter Rebhandls Obmannschaft.

Den Stein ins Rollen gebracht hat möglicherweise Parteichefin und Spitzenkandidatin Marlene Svazek selbst. Sie holte Reinhard Rebhandl Mitte Februar bei der Listen-Vorstellung ganz bewusst aufs Podium, weil zu dieser Zeit die Diskussionen über Burschenschaften voll im Gang waren und Rebhandl Mitglied der Verbindung "Gothia Salzburg" ist. Svazek wollte damit zeigen, dass die Burschenschaften in Salzburg nicht das Sagen hätten, es aber auch keine "Menschenjagd" auf sie geben dürfe. "Es geht nicht darum, ob jemand Burschenschafter ist, sondern um eine gute Mischung und die besten Leute", sagte die Parteichefin damals.

Rebhandls Vater Mitglied der Waffen-SS

Der Name Rebhandl ist in Salzburg aber kein unbekannter, und so wurden sofort von verschiedenen Seiten Recherchen angestellt. Denn der Vater des jetzigen Landtagskandidaten, Friedrich Rebhandl, war Mitglied der Waffen-SS und Salzburger Landesleiter der Nationaldemokratischen Partei (NDP), die 1988 verboten und behördlich aufgelöst wurde. Rebhandl war auch Herausgeber des "Volkstreuen". Er stand wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht.

Als erstes wurde ein Nachruf bekannt, den Reinhard Rebhandl gemeinsam mit seinen Brüdern im "Volkstreuen" 2006 auf den Vater publiziert hatte. Darin wird die Verurteilung des Vaters wegen Wiederbetätigung wörtlich als "politische Verfolgung" bezeichnet. Dann tauchte die Information auf, dass der FPÖ-Kandidat 1983 beim Begräbnis von Oberst Hans-Ulrich Rudel (dem höchstdekorierten NS-Fliegersoldaten) und ein Jahr später beim Bundesparteitag der NDP einen Zapfenstreich mit der Trompete gespielt haben soll. Auf die Vorwürfe antwortete der Gollinger FPÖ-Obmann gegenüber den "SN", dass er schon in jungen Jahren mit seinem Vater gebrochen habe und politisch völlig anderer Meinung sei. Und auch Svazek stellte sich schützend hinter ihn und meinte, das Ganze grenze an "Sippenhaftung".

"Profil" berichtet über Fahne mit Aufschrift

Nun kommt ein neuer Aspekt hinzu. Das Wochenmagazin "Profil" berichtet, dass sich die Mitglieder des Turnvereins Golling am 31. Oktober 2010 getroffen haben sollen, um ihr 100-jähriges Bestehen zu feiern. Präsentiert wurde dabei auch eine historische Fahne des Vereins, auf der neben den Wappen von Salzburg und Golling auch die deutsche Reichsfahne prange. Die Aufschrift der Fahne soll gelautet haben: "Rassereinheit - Geistesfreiheit - Volkeseinheit". Obmann des ÖTB-Turnvereins war laut "Profil" bis 2013 Reinhard Rebhandl. Dabei habe der ÖTB-Bundesturnrat schon 1996 beschlossen, Fahnen wie diese nicht mehr zu verwenden.

Mauthausen Komitee fordert Konsequenzen

Das Mauthausen Komitee mit ihrem Vorsitzenden Willi Mernyi fordert jetzt den Rücktritt von Parteichefin und Generalsekretärin Marlene Svazek. "Die Ideologie der 'Rassereinheit' war die Grundlage für den deutschnationalen Judenhass und für den Holocaust. Wer diese antisemitische Parole heute noch öffentlich verbreitet, hat in keinem demokratischen Gremium etwas verloren." Merny sagt, ihn wundere es auch nicht, dass Rebhandl seine untragbare Gesinnung schönreden möchte. Entsetzt sei er aber darüber, dass Svazek dem rechtsextremen Kandidaten die Mauer mache. "Mit dieser Behauptung versucht Svazek das demokratische Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu verleumden. Sie ist von der antifaschistischen Bundesverfassung unserer Republik so weit entfernt, dass sie auf der Stelle zurücktreten sollte. Das wird freilich kaum passieren, denn die FPÖ kommt nicht aus dem braunen Sumpf heraus", sagt der Vorsitzende des Mauthausen Komitees.

FPÖ: "Zum Zwecke der Traditionspflege"

Die FPÖ reagierte am Montag sofort mit einer Aussendung. Darin heißt es: "Pünktlich zum Landtagswahlkampf hetzen linke Agitationsvereine gegen die FPÖ. Was man jetzt versucht, ist mit zweifelhaften Methoden einen unserer Kandidaten zu beschädigen". Was die Fahne mit der Aufschrift "Rassereinheit" betreffe, schreibt die FPÖ: "Bei der 100-Jahres-Feier des ÖTB am Turnerdenkmal am Paß Lueg stand das 100-jährige Bestehen des Vereins im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die dort präsente Fahne galt lange Zeit als verschollen und stammt aus dem Jahr 1923. Diese stand in keinster Weise in Verwendung und wurde ausschließlich zum Zwecke der Traditionspflege beim 100-Jahr-Jubiläum als Teil der Geschichte des Vereines für das Totengedenken verwendet. Die Fahne steht auch heute nicht in Verwendung", erklärt Svazek.

Was sagt Rebhandl zur Fahne?

Laut Rebhandl handelte es sich um die 100-Jahr-Feier des Turnvereins. Es sei die einzige Fahne des Vereins und stamme aus dem Jahr 1923. "Sie wurde beim Totengedenken nicht aufgehängt, sie war einfach dabei ", sagte Rebhandl am Montag zur APA. Sie sei nicht einmal ausgerollt und nach dem Festakt sofort wieder verräumt worden. "Die Turnvereine distanzieren sich seit Langem von all dem. Es hat keinerlei inhaltliche Bedeutung gehabt. Es ist eine reine Traditionspflege gewesen, um die Dauer des Vereins zu untermauern." Auf die Frage, wie man auf diese Dauer hinweisen könne, wenn man die Aufschrift der Fahne mit der Jahreszahl gar nicht zeige, sagte Rebhandl: "Ein Verein, der sonst nichts mehr hat aus seiner Geschichte, warum sollte der nicht zeigen, dass es 1923 in Golling schon einen Turnverein gab, der 1910 gegründet wurde. Die Tatsache, dass diese Fahne nie in Verwendung stand und steht, zeigt, dass es nur die Absicht war, die Dauer des Vereins zu zeigen."

Parteichefin Svazek stellte sich heute erneut hinter Rebhandl und sprach von "Vorwahlaktionismus". "Was man jetzt versucht, ist mit zweifelhaften Methoden einen unserer Kandidaten zu beschädigen." Die beim Jubiläum "präsente Fahne ... stand in keinster Weise in Verwendung und wurde ausschließlich zum Zwecke der Traditionspflege beim 100-Jahr-Jubiläum als Teil der Geschichte des Vereines für das Totengedenken verwendet. Die Fahne steht auch heute nicht in Verwendung", so Svazek.

"Habe ordentliches und anständiges Leben geführt"

Zur Häufung der Vorwürfe gegen ihn sagte Rebhandl heute: "Ich habe über 30 Jahre lang ein wirklich ordentliches und anständiges Leben geführt im Dienste des Gemeinwohls, berufliche Karriere gemacht und meine Familie aufgebaut. Ich habe mich nach der Matura mehr oder weniger von meinen Eltern getrennt und mein Leben auf völlig neue Beine gestellt. Das ist jetzt die Rechnung, die ich bekomme, und das ist mehr als unfair."

Grüne: "Ein Rücktritt ist unumgänglich"

Die Grünen kritisieren Rebhandl und die FPÖ in dieser Personalentscheidung bereits seit Wochen. "Bei der Salzburger FPÖ liegen offenbar die Nerven blank, nachdem mittlerweile fast täglich neue braune Flecken rund um Reinhard Rebhandl und andere Kandidaten auftauchen." Das Mauthausen Komitee als linken Agitationsverein derart zu diffamieren, sei eine verbale Totalentgleisung, die einer Spitzenkandidatin nicht würdig sei. "Ein Rücktritt von Rebhandl ist unumgänglich! Doch statt klare Grenzen zu ziehen, versinkt nun auch Svazek immer tiefer in den rechtsextremen Umtrieben ihrer blauen Truppe", sagt der Landtagsabgeordnete Simon Heilig-Hofbauer.

Quelle: APA

Aufgerufen am 23.07.2018 um 12:17 auf https://www.sn.at/salzburg/landtagswahl-2018/rassereinheit-fpoe-kandidat-rebhandl-geraet-weiter-unter-druck-25595575

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