Politik

Baustellen auf der A10 sorgen wieder für Stausommer - Streit zwischen Land und Asfinag eskaliert

Zwischen Helbersberg- und Zetzenbergtunnel werden bis Ende September zwei Brückenbauwerke saniert. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) platzt angesichts des drohenden Stauchaos der Kragen. Er wirft der Asfinag vor, sich nicht an die Zusage zu halten, die Baustelle während der Reisezeit auszusetzen. Die Asfinag weist das entschieden zurück.

Ein gewohntes Bild im Sommer: Stau auf der Tauernautobahn (Archivbild). SN/robert ratzer
Ein gewohntes Bild im Sommer: Stau auf der Tauernautobahn (Archivbild).

Desaströs, Super-GAU, kommunikativ nicht die feine Klinge, unabgestimmtes Vorgehen: Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) hat am Mittwoch zu einem Rundumschlag gegen die Asfinag ausgeholt. Auslöser war die Ankündigung, die Baustelle zwischen Helbersberg- und Zetzenbergtunnel auf der Tauernautobahn (A10) bei Werfen im Sommer aufrechtzuerhalten. Erst im Vorjahr hatte die Fahrbahnsanierung auf einem sieben Kilometer langen Abschnitt zwischen Kuchl und Golling für erhebliche Behinderungen gesorgt.

"Dem Land Salzburg war zugesagt, dass die Baustelle im Sommer rückgebaut wird, um die staugeplagten Anrainergemeinden nicht zusätzlich zu belasten. Daran will man sich scheinbar jetzt nicht mehr halten. Das können und werden wir nicht so einfach hinnehmen", hieß es von Schnöll, der Kapazitätsprobleme und noch mehr "Stau-Umfahrer" befürchtet. Er erwarte sich Lösungsvorschläge von der Asfinag.

Baustelle sollte vor Sommer zurückgebaut werden

Die wiederum wies die Vorwürfe entschieden zurück. "Bereits im Rahmen der Baustellenkoordination im Jänner mit dem Land und der Stadt Salzburg hat die Asfinag informiert, dass die Brückensanierung bei Werfen über den Sommer laufen wird. Nach diesem Gipfel wurde vom Land der Wunsch geäußert, die Baustelle über den Sommer zurückzubauen, was seitens der Asfinag auch eingehend geprüft wurde. Aufgrund der derzeitigen Marktsituation, insbesondere der aktuellen Lieferengpässe bei Stahl, ist dies allerdings nicht möglich", teilte Asfinag-Sprecher Christoph Pollinger mit. Tatsächlich lautete der Ende Jänner kommunizierte Plan so: Für die Sanierung von zwei Brückenbauwerken sollten zunächst von Anfang Februar bis Ende Mai auf der Richtungsfahrbahn Villach und danach von Ende Mai bis Mitte September Richtung Salzburg auf 800 Metern Länge jeweils alle vier Spuren auf eine Richtungsfahrbahn verlegt werden - die SN berichteten. Die aktuelle Marktlage bedingt durch den Ukraine-Krieg lasse einen Abbau aber nicht zu, so Pollinger. Denn dadurch würde ein "unverantwortbarer Verzug bei der Fertigstellung der Baustelle entstehen und die Sanierung der A10 könnte nicht abgeschlossen werden".

Schnöll: "Bei 700 Millionen Euro Gewinn erwarte ich mir mehr Kreativität"

Das Schnöll-Büro wollte das so nicht stehen lassen. Denn in der Zwischenzeit seien Verbesserungen zugesagt worden. Man verwies etwa auf ein Telefonat mit einem Asfinag-Manager im Februar, bei dem man sich darauf verständigt habe, "dass zumindest ein baustellenfreier Sommer bevorsteht". Die Asfinag müsse Ressourcen bündeln "für die wichtigste Transitstrecke in ganz Österreich", sagte Schnöll. "Bei 700 Millionen Euro Gewinn erwarte ich mir mehr Kreativität."

In Pfarrwerfen sei man über diese Entwicklung "natürlich nicht glücklich", sagte Bürgermeister Bernhard Weiß. "Die Situation verschlechtert das noch einmal." Im Vorjahr sei vom ersten verlängerten Wochenende im Frühling bis Ende September der Umgehungsverkehr durch den Ort gerollt. Das Abfahrtsverbot sei missachtet worden. "Es staut sich alles durch das Ortsgebiet. Man kommt nicht mehr weiter. Es würde auch die Feuerwehr zu keinem Einsatz kommen. Das ist alles andere als akzeptabel, weil das über so eine lange Zeit geht."

Freylinger: "Entgegen allen Versprechungen" gehandelt

Weiß forderte, dass die Ampel für die Blockabfertigung beim Helbersbergtunnel vor die Ausfahrt Pfarrwerfen gesetzt wird. Kuchls Bürgermeister Thomas Freylinger warf der Asfinag vor, "entgegen allen Versprechungen" zu handeln. "Das wird zum absoluten Chaos führen." Werfens Ortschef Hubert Stock sah es gelassener. Die Verkehrslawine gehöre fast schon zur Routine. "Es gibt kein wirkliches Rezept. Die 100-prozentige Lösung werden wir wahrscheinlich nie finden."

FPÖ-Verkehrssprecher Hermann Stöllner ortete Ratlosigkeit und fehlende Konzept. "Jetzt die Schuld am Baustellenmanagement zwischen Golling und Werfen erzürnt der Asfinag zuzuschieben ist für einen Verkehrslandesrat zu wenig." SPÖ-Verkehrssprecherin Sabine Klausner sah eine "Katastrophe für viele Pendler". Sie fordere ein Maßnahmenpaket zur Entlastung.

Schnöll: Kontrollen während der Ferien ausdehnen

Schnöll ist um Linderung bemüht. Die Abfahrtssperren für den Ausweichverkehr sollen erstmals am Pfingstwochenende verordnet und die Kontrollen während der Ferien ausgedehnt werden. Im Vorjahr befand sich das Verkehrsaufkommen auf Rekordniveau. An den August-Samstagen wurden beim Ofenauer Tunnel im Schnitt rund 90.000 Fahrzeuge registriert. Heuer werden noch mehr erwartet. Längerfristig könnte eine Blockabfertigung am Walserberg, die derzeit auf ihre Machbarkeit geprüft wird, unumgänglich sein, meinte Schnöll. "Bei den Massen gibt es irgendwann keine andere Möglichkeit als dieses Dosiersystem."

Aufgerufen am 17.05.2022 um 11:31 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/baustellen-auf-der-a10-sorgen-wieder-fuer-stausommer-streit-zwischen-land-und-asfinag-eskaliert-121178521

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