Politik

Beim neuen Fahrplan gibt es auch Verlierer

Das ärgert Bewohner: Obwohl Liefering wächst, wird die Linie 34 ausgedünnt. Salzburg AG und Stadt schieben sich den "Schwarzen Peter" zu.

Sie verstehen nicht, warum in ihrem Viertel (Liefering-Rott) der öffentliche Verkehr ausgedünnt wird – trotz zunehmender Verbauung. V. l.: Elisabeth Ramp (mit Hermine), Regina Flandera und Rainer Schramayr mit Sohn Emil.  SN/sw/vips
Sie verstehen nicht, warum in ihrem Viertel (Liefering-Rott) der öffentliche Verkehr ausgedünnt wird – trotz zunehmender Verbauung. V. l.: Elisabeth Ramp (mit Hermine), Regina Flandera und Rainer Schramayr mit Sohn Emil. 

Am zweiten Adventsonntag, 10. Dezember, wählen die Stadt-Salzburger nicht nur ihren Bürgermeister. An diesem Tag tritt gleichzeitig ein Fahrplanwechsel in Kraft. Für die Nutzer von Bus und Bahn ergeben sich Neuerungen (siehe Artikel auf Seite 5).

Ein Problem ergibt sich an der Strecke der Linie 34, die "dem Bedarf angepasst wird", wie es von offizieller Seite heißt. Rainer Schramayr ist sauer. Er benutzte die Linie 34, eine über den Walser Weg führende Querverbindung zwischen Liefering-Rott und Taxham, täglich - genauso wie Schüler, Beschäftigte und Besucher des Europarks. Fortan fährt sie nur mehr vier Mal täglich, und das für den jungen Familienvater zu völlig unpassenden Zeiten. Seine Frau Regina und er haben sich vor drei Jahren der guten Öffi-Anbindung wegen für die Wohnanlage in Liefering-Rott entschieden. Und sie haben sich wegen der praktischen Busverbindung eine Krabbelstube in Taxham gesucht. Durch die Änderung per 10. Dezember verzehnfacht sich nun die Fahrtzeit: von fünf auf 50 Minuten. Die müsste die Familie nun im 4er und 1er zurücklegen. Oder alternativ wieder ins Auto steigen. "Ich leiste mir keine Jahreskarte mehr. Das Angebot stimmt einfach nicht mehr", sagt Regina Flandera. Ihr Mann und sie verstehen nicht, wie in einem ohnehin verkehrsbelasteten Stadtteil das Busangebot so ausgedünnt werden kann. Dazu kommt, dass hier in den vergangenen Jahren 200 neue Wohnungen entstanden sind - und weitere an der Saalachstraße folgen, wie ein Lokalaugenschein zeigt.

Ausgedünnt hat man die Linie schleichend. Verkehrte der Bus im Vorjahr noch halbstündlich, so fuhr er heuer nur mehr jede Stunde. Ab 10. Dezember spitzt sich die Situation noch einmal zu. Flandera hat deshalb Salzburg AG und Stadt angeschrieben.

Anrainer: Paradebeispiel für fehlendes Verkehrskonzept

In einem Mail vom 28. November schiebt Elisabeth Maier, Leitung Verkaufsförderung und Qualitätssicherung bei der Salzburg AG, den Ball in Richtung Stadt: "Wir richten uns nach den Fahrgast- und Bewohnerzahlen, sind aber auch davon abhängig, in welchem Ausmaß die Stadt Verbindungen für die Linien bestellt. Bei der Linie 34 wurde das Angebot trotz mehrmaligem Hinweis unsererseits nicht durch die Stadt bestellt."

Sebastian Tschinder im Büro von Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) stellt klar, dass die Salzburg AG die Linie 34 eigenmächtig eingeführt habe und dann nach der Neuausschreibung in diesem Jahr Geld von der Stadt forderte, wenn sie die Bestandskilometerleistung weiterfahren sollte. Die 80.000 Euro aufzubringen habe sich der Stadtrat aber politisch nicht durchgerungen. "Eine schwierige Situation", sagt Tschinder, weil es auch im Nadelöhr Walser Weg ständig Probleme gebe, der Weg nicht so viel Verkehr vertrage. Zur Erklärung: Es fehlen dort Gehsteige, was die Situation für Anwohner gefährlich macht. Autofahrer fahren generell zu schnell, viele halten sich nicht an das Fahrverbot in Richtung Wals, Busse und Autos haben Schwierigkeiten, aneinander vorbeizukommen. Um die Lage zu verbessern, haben die Anrainer Kontakt mit der Stadt aufgenommen. Es gab eine Begehung. Mit dem Ergebnis sind sie nicht zufrieden. "Das ist doch grotesk. Wir haben vorgesprochen, weil wir wollten, dass weniger Autos über den Walser Weg brausen, und sie kürzen uns den Bus", sagt Elisabeth Ramp. Für ihren Nachbarn Schramayr ist das ein Paradebeispiel für das fehlende Verkehrskonzept in Salzburg.

Ein Faktum ist, dass der 34er zuletzt nicht gut angenommen wurde. Flandera hat eine Erklärung parat. "Während der durch die Flüchtlingskrise bedingten Grenzsperren stand der Bus im Stau oder kam gar nicht. Das hat abgeschreckt." Aktuell würden ihn viele Nachbarn überhaupt nicht kennen. "Die Linie müsste halt auch beworben werden."

Tschinder argumentiert für die Stadt: "Es ist grundsätzlich schon so, dass die Salzburg AG die Stadt mit öffentlichem Verkehr zu versorgen hat. Dieser Auftrag ist, bezogen auf die Kilometerleistung, seit 17 Jahren unverändert - obwohl die Bedürfnisse permanent steigen. Man muss schon auch einmal darüber reden, ob es da nicht etwas zu adaptieren gäbe."

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