Politik

Borromäum: "Mit den Mädchen kommt neues Leben in die Schule"

Ab Herbst 2020 ist auch das erzbischöfliche Gymnasium Borromäum in der Stadt Salzburg keine reine Bubenschule mehr. Denn erstmals nach über 100 Jahren werden auch Mädchen aufgenommen.

Die Entscheidung hat sich schon abgezeichnet, jetzt wurde sie im erzbischöflichen Konsistorium fixiert: Das Privatgymnasium Borromäum, die letzte reine Bubenschule Österreichs, wird ab Herbst 2020 auch Mädchen aufnehmen. Direktor Winfried Penninger zeigt sich euphorisch: "Wir haben unglaubliche Freude, es geht ein großer Ruck durch die Schule. Wir sind eine sehr traditionsreiche Einrichtung. Aber damit reißen wir alle Fenster auf und lassen frischen Wind in die Bude rein." Nachsatz: "Mit den Mädchen kommt neues Leben in die Schule."

Penninger betont, dass die Öffnung für Mädchen keine Folge von sinkender Nachfrage sei: "Wir haben auch genug Anmeldungen von Buben." Derzeit hat die Schule in der Unterstufe zwei bis drei Klassen pro Jahrgang und in Summe 400 Schüler: "Wunsch ist, künftig fix drei Klassen pro Unterstufen-Jahrgang zu haben. Wir wollen aber auch nicht zu groß werden. 450 Schülerinnen und Schüler sind das Limit." Bis Herbst 2020 seien noch kleinere bauliche Adaptierungen nötig, sagt der Direktor - etwa im Bereich der WCs: "Und wir wollen auch unser Tagesheim für die Nachmittagsbetreuung aufbessern: Dort sollen die Mädchen eigene Räume haben, wenn sie wollen."

Erzdiözese prüft die Übernahme der Trägerschaft für zwei weitere Schulen

Gleichzeitig laufen, wie berichtet, auch Gespräche, dass die Erzdiözese die Trägerschaft für die Volksschule in der Schwarzstraße und die dortige Kindergartenschule (BAfEP) übernimmt. Eine Folge könnte sein, dass die BAfEP räumlich am Borromäum-Areal unterkommen könnte. Das bestätigt der Sprecher der Erzdiözese, Kurt Sonneck. Und was ist mit den geplanten 90 Wohnungen am Borromäums-Areal? Sonneck: "Es ist offen, welche Folgen diese neuen Schulpläne für das länger geplantes Wohnbau- und Gewerbeprojekt haben. Verschoben wird es aber nicht."

Beschlossen hat das Konsistorium auch, das katechetische Amt, das für den Religionsunterricht zuständig ist, in "Amt für Schule und Bildung" umzubenennen. Weiters sollen die diözesanen Bildungszentren St. Virgil, Borromäum und das Tagungshaus Wörgl durch ein eigenes Referat für Erwachsenenbildung (Leitung: Rektor Michael Max) stärker vernetzt werden.

Borromäum: Schule am Standort Salzburg-Parsch wurde 1912 eingeweiht

Zurück zum Borromäum: Das erzbischöfliche Privatgymnasium am heutigen Standort auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Die Anfänge gehen auf den Salzburger Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg zurück, der im Jahr 1836 Buben aus den Gebirgsgauen in der Stadt Salzburg privat unterbringen und verpflegen lässt. Bereits 1840 besteht eine Wohngemeinschaft im Berchtesgadener Hof (Posthof) im Kaiviertel, 1843 erhält das "Archiepiscopale Collegium puerorum" (Erzbischöfliches Knabenseminar) die staatliche Anerkennung als "autorisiertes Privatconvict". Die nun etwa 40 Personen umfassende Gemeinschaft übersiedelt 1847 in den Graf-Lodron-Laterno-Primogentur-Palast (das heutige Mozarteum) in der Dreifaltigkeitsgasse. Die hauseigene Kirche wird dem hl. Karl Borromäus geweiht. 1884 erhält die Bildungseinrichtung das Öffentlichkeitsrecht auf unbestimmte Zeit.

Auf den Arenberggründen im Stadtteil Parsch entsteht dann 1910 das neue diözesane Knabenseminar und Privatgymnasium Borromäum. Es ist vier Mal so groß wie die alte Bildungseinrichtung in der Innenstadt. Die hausinterne Kirche beherbergt noch heute das Altarbild der alten Institutskirche, die abgerissen wurde. Das neue Haus wird 1912 eingeweiht.

Im Nationalsozialismus kam es zunächst zu sukzessiven räumlichen, personellen und finanziellen Beschneidungen, schließlich zur Enteignung. Das Gymnasium übersiedelte nach Bischofshofen (Pongau) ins dort bestehende Privatgymnasium St. Rupert. 1939 wird es geschlossen und in die "NS-Erziehungsanstalt Kreuzberg" umgewandelt. Nach Ende des Krieges, im Oktober 1946, eröffnete das Borromäum im von Bomben verschonten, geplünderten und zuvor noch von Besatzungstruppen genützten Gebäude wieder in Salzburg-Parsch seinen Schul- und Unterrichtsbetrieb.

Aufgerufen am 20.10.2020 um 04:51 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/borromaeum-mit-den-maedchen-kommt-neues-leben-in-die-schule-68629915

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