Politik

Der Chiemseehof ist eine große Baustelle

Der Plenarsaal ist eingerüstet. Ein Minibagger steht im Stiegenhaus. Kabel überall. Bis 2019 regieren im Chiemseehof die Bauarbeiter.

Landtagspräsident Josef Schöchl und Landtagsdirektor Wolfgang Kirchtag beim Baustellenrundgang im Chiemseehof.  SN/veigl
Landtagspräsident Josef Schöchl und Landtagsdirektor Wolfgang Kirchtag beim Baustellenrundgang im Chiemseehof.

Er ist zwar erst seit einem Monat im Amt. Dennoch hat Josef Schöchl (ÖVP) als neuer Landtagspräsident eine der größten Baustellen des Landes über: Seit Frühjahr 2017 wird der Chiemseehof, die politische Schaltzentrale des Landes, um 7,4 Mill. Euro massiv umgebaut. Ein Lokalaugenschein.

Plenarsaal: Betritt man den 250 m22 großen Sitzungssaal des Landtags, ist er nicht mehr wiederzuerkennen. Denn er ist vollgestellt mit Stehern; der Boden entfernt; das historische Adlhart-Wappen mit Holzplatten verplankt; überall ist Staub. Außerdem ist er um zwei Meter niedriger als gewohnt: Denn die Bauarbeiter haben eine temporäre, aus Schalungstafeln bestehende Zwischendecke eingezogen. Schöchl: "Derzeit wird die Decke über dem Plenarsaal neu gemacht." Denn die bisherige, mehrere Hundert Jahre alte Holztramdecke habe dringend erneuert werden müssen: "Zuletzt ist sie sogar schon etwas durchgehangen." Der Saal werde nach Ende der Bauarbeiten "wieder ähnlich aussehen wie früher - aber mit allen modernen Möglichkeiten wie WLAN, einer neuen Audio-Anlage und Induktionsschleifen für Hörbehinderte etc. ausgestattet sein." Zahlreiche Bauarbeiter sind damit beschäftigt, alle Elektro- und Sanitärinstallationen zu verlegen. In einigen Räumen sind bereits Schüttungen des Isoliermaterials erfolgt, damit in weiterer Folge die Estriche betoniert werden können. Beheizt wird der Gebäudekomplex künftig wie bisher mit Fernwärme in Form von Heizkörpern unter den Fenstern.

Aufstockung: Bereits ab Frühjahr 2017 umgesetzt wurde die geplante Aufstockung des Plenarsaals. Das so neu gewonnene Dachgeschoß werde dringend für zusätzliche Büros für die Landtagsklubs gebraucht, sagt Schöchl: "Auch der Dachstuhl musste dringend erneuert werden. Denn wenn es größere Schneelasten gab, musste sofort eine Firma zum Abschaufeln kommen." Dass es vor der Aufstockung unterschiedliche Bauhöhen bei den einzelnen Trakten gegeben habe, sei auf die zahlreichen Um- und Ausbauten in den 800 Jahren, die das Gebäude steht, zurückzuführen, sagt Landtagsdirektor Wolfgang Kirchtag: "Der letzte größere Umbau war um 1866. Damals wurde auch der heutige Landtagssitzungssaal geschaffen."

Ausschusszimmer: Das bisherige Ausschusszimmer ist gleich gar nicht mehr vorhanden: Denn der vorher 120 m22 große Raum wurde mit mehreren Wänden unterteilt - weil diese Flächen künftig ebenfalls zu Büros werden. Sie sollen besonders schön werden, schwärmt Schöchl beim Rundgang: "Hier kommen die alten, schönen Gewölbe wieder zum Vorschein. Und es sind hohe Räume. Das werden perfekte Arbeitsplätze." Um das Tageslicht bestmöglich zu nutzen, werden außerdem die Wände zum Gang nur rund 2,40 Meter hoch und der darüberliegende Bereich verglast, was beim Rundgang bereits erkennbar ist. Und die Ausschusssitzungen? "Die werden künftig im Plenarsaal abgehalten."

Landtagsklubs: Auch der ehemalige SPÖ- und der ÖVP-Klub unweit des Plenarsaals sind staubige Baustellen. Künftig soll, wie erwähnt, für die Klubbüros in Summe wesentlich mehr Platz im Gebäudekomplex sein. Denn waren lange Zeit nur drei oder vier Parteien im Hohen Haus vertreten, sind es derzeit bereits sechs. Und bei der Landtagswahl im April treten acht oder neun Gruppierungen an. Schöchl in Anspielung auf mögliche künftige Parteispaltungen: "Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet. Aber zehn Klubs gehen sich nicht aus." Außerdem betont er, dass weiterhin die Landtagsgeschäftsordnung gelte. Und die sehe vor, dass einzelne freie oder "wilde" Abgeordnete kein Landtagsklub seien: "Daher steht ihnen auch kein Büro zu." Für einen Klub brauche es mindestens drei Mandatare.


Barrierefreiheit: Wichtiges Ziel des Umbaus ist es, den Chiemseehof auch für Menschen mit Behinderung voll zugänglich zu machen. "Bisher war das Haus nicht barrierefrei, es gab nur einen behelfsmäßigen Stiegenlift." Daher wurden in den denkmalgeschützten, ehemaligen Bischofssitz bereits zwei Liftschächte, jeweils am vorderen und hinteren Ende des Plenarsaals, eingebaut. Und gleich ums Eck des einen Schachts, beim Eingang zur Stiege 2, kommt einem ein Minibagger entgegen. Schöchl betont weiters, dass auch der Plenarsaal künftig rollstuhlgerecht umgebaut sein werde: "Daher wird auch das Rednerpult höhenverstellbar sein."

Inneneinrichtung: Noch steht zwar nicht fest, wie die Möblierung des Landtagssitzungssaals sowie der Büros genau aussehen wird. Fix ist aber laut Schöchl, dass die Raumaufteilung im Plenarsaal künftig eine andere sein wird - und die strikte Konfrontation zwischen Regierungsbank und Mandataren aufgelockert wird: "Es wird künftig eine Vierung sein: Das Präsidium wird auf der Nordseite sein. Davor wird die Regierungsbank platziert. Die 36 Abgeordneten sitzen dann gegenüber in U-Form in zwei Reihen."

Diese Neuaufteilung sei erst seit Kurzem fix, sagt der Präsident. Ziel sei, schon bald das Mobiliar für den Saal sowie die Büros zu bestellen.


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