Politik

Die Altbürgermeister schauen stets von hinten zu

Quasi mit dem Rücken zur Wand, jedoch mit freier Sicht auf die Regierungsbank beobachten einstige Bürgermeister aus der letzten Reihe das Geschehen.

Lang ist sie, die Ahnenreihe der Salzburger Bürgermeister. SN/sn
Lang ist sie, die Ahnenreihe der Salzburger Bürgermeister.

Bei den Sitzungen des Salzburger Gemeinderates im Rathaus geht es mitunter heiß her. Stille Zeugen sind 14 honorige Herren. Von Ölgemälden verfolgen die ehemaligen Bürgermeister mit mehr oder weniger gestrengem Blick die Debatten.

Bürgermeister Albert Schu macher (1888-1890) führt die "Ahnengalerie" an. Der vorerst Letzte in der Reihe ist Ex-Bürgermeister Josef Dechant, der als bisher einziger ÖVP-Bürgermeister von 1992 bis 1999 die Geschicke der Stadt lenkte. Im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger hat sich Dechant seinen Porträtmaler selbst ausgesucht. Die Wahl fiel auf den Salzburger Maler und Zeichner Rüdiger Fahrner.

"Ich war von seinem Karikaturenband Ski total angetan", sagt Dechant. Mehrmals sei Fahrner zu ihm nach Hause gekommen. "Ich saß im Garten Modell." Mit dem expressionistisch anmutenden Bild ist Dechant sehr zufrieden. "Ich finde, das Bild sticht heraus." Ein Porträt dürfe nicht gefällig sein. "Ein guter Maler muss das Wesen des Porträtierten herausbringen und zeigen, was für ein Mensch er ist."

Sein Einverständnis vorausgesetzt, soll auch Heinz Schaden einen Platz in der Galerie der Bürgermeister bekommen. Bisher ist die Stadt noch nicht an ihn herangetreten. Nach der erstinstanzlichen Verurteilung im Swap-Prozess hatte Schaden im September nach 18 Jahren im Amt den Rücktritt erklärt.

Geld - besser gesagt die Weigerung, selbiges lockerzumachen - hatte auch im ausgehenden 18. Jahrhundert einen Bürgermeister das Amt gekostet: Ignaz Anton von Weiser wurden seine Sparsamkeit und seine Aufmüpfigkeit gegen Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo zum Verhängnis. Wegen der angespannten finanziellen Lage der Stadt wehrte sich der Magistrat vehement gegen die Forderung Colloredos, die Stadt solle den Umbau des Ballhauses am Hannibalplatz (heute Makartplatz) in ein Theater bezahlen. Der Landesfürst hatte der Stadt den Bau "gnädigst überlassen". Außerdem verlangte er den Umbau des Tanzbodens im Rathaus zu einem Ball- und Konzertsaal. "Der Widerstand der Stadt war zwecklos", sagt Historiker Thomas Weidenholzer vom Stadtarchiv. Colloredo habe Weiser vor die Wahl gestellt: Zahlen oder abdanken. Weiser trat 1775 zurück, der Magistrat bezahlte. Weiser durfte jedoch zeitlebens den Titel "resignierter Bürgermeister" führen.

Ein Bürgermeister des 20. Jahrhunderts fehlt in der Galerie: Richard Hildmann. Die Christlich-Soziale Partei hatte den jungen Deutschen 1919 in den Gemeinderat geholt, drei Wochen später war er Vizebürgermeister. Bis 1930 veranlasste er die Wiederherstellung der im Krieg ramponierten Straßen, ließ eine moderne Straßenbeleuchtung errichten und das Gaswerk ausbauen. Auf sein Konto geht auch der Bau des Flugplatzes.

Im austrofaschistischen Ständestaat wurde Hildmann 1935 zum Bürgermeister bestellt. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 wurde er abgesetzt und durch den Nationalsozialisten Anton Giger ersetzt. Im Mai 1945 setzten die amerikanischen Besatzer Hildmann wieder als provisorischen Bürgermeister ein und verstießen damit gegen ihre eigenen Richtlinien. Weidenholzer: "Als ranghoher Funktionär des Ständestaates hätte Hildmann eigentlich nicht bestellt werden dürfen."

Analog dem Ergebnis der Nationalratswahlen 1945 wurde in Salzburg 1946 der Sozialdemokrat Anton Neumayr erster Bürgermeister. Bei der regulären Wahl 1949 wurde er bestätigt. Bis 1992 blieb das Amt mit Stanislaus Pacher, Alfred Bäck, Heinrich Salfenauer, Josef Reschen und Harald Lettner fest in SPÖ-Hand.

Wie Heinz Schaden prägte Alfred Bäck 25 Jahre lang die Stadtpolitik, 13 Jahre davon als Bürgermeister (1957-1970). Unter ihm wurden viele kommunale Wohnbauten, Kindergärten und Schulen gebaut. Dazu kamen das Kurhaus, das Haus der Natur, die Untersberg-Seilbahn, das Lepi, der Neubau der Lehener Brücke, der Mönchsbergaufzug, das Fernheizkraftwerk und der Neubau der Festspielhäuser. Auch Bäck trat zurück - aus Gesundheitsgründen. Im Gemeinderat wurde er am 28. September 1970 mit allen Ehren verabschiedet.





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