Politik

Holzbauer: "Das ist ein Anschlag auf die Stadt"

Kein anderer zeitgenössischer Architekt aus Salzburg hat in Salzburg so viele wichtige Bauten errichtet wie Wilhelm Holzbauer. Der 82-Jährige im SN-Gespräch.

Holzbauer: "Das ist ein Anschlag auf die Stadt" SN/APA
Architekt Wilhelm Holzbauer.


Wilhelm Holzbauer (82), ein gebürtiger Salzburger, wird am Donnerstag die Architekturtage inoffiziell und auf unorthodoxe Weise eröffnen: Mit einer Dialektlesung in der Architektenkammer (19 Uhr, Gebirgsjägerplatz 10).

Die Texte stammen aus dem Buch "meiself in bosdn, Briefe aus Amerika". Diese Briefe schrieb er ab 1956 an seinen Freund Friedrich Achleitner. Auch er wird am Abend beim Fest in der Architektenkammer anwesend sein.

SN: Was werden Sie am 25. Juli machen?

Holzbauer: Warum?

SN: Na ja, vor 56 Jahren, ganz konkret am 25. Juli 1956, haben Sie den Untergang der "Andrea Doria" auf Ihrer Reise von Genua nach New York überlebt. Feiern Sie da nicht jedes Jahr den zweiten Geburtstag?

Holzbauer: Mir fällt das nicht mehr so auf. Das ist schon lang her. Ein gutes Glas Wein wird es schon geben. Aber das gönne ich mir auch an anderen Tagen.

SN: Derzeit findet in Salzburg gleichsam im Trockendock auch so eine Art Untergang statt. Ein Wohnbauprojekt auf dem Franz-Rehrl-Platz sorgt für Aufregung. Ist moderne Architektur in Salzburg womöglich bloß die Aneinanderreihung von Missverständnissen?

Holzbauer: Zum Großteil ist die Causa Rehrl-Platz dem amtsführenden Stadtrat, dem Herrn Padutsch, zuzuordnen. Ganz offenbar liegt da wirklich ein Missverständnis vor. Ich habe mich in letzter Zeit in Salzburg nie mehr eingemischt. Beim Rehrl-Platz ist in mir aber der alte Salzburger wieder erwacht. Ich verstehe die Zustimmung der Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung (SVK) zu diesem Vorhaben nicht. Ich war über Jahre Vorsitzender des Gestaltungsbeirats. Dem damals zuständigen Johannes Voggenhuber hätte man so etwas wie dieses Vorhaben nie vorlegen dürfen. Das ist ein reines Investorenprojekt ohne architektonische Qualität.

In diesem Bereich der Stadt steht bereits das Unfallkrankenhaus. Das nimmt dem Kapuzinerberg schon die Masse. Es ist für mich ein Schwachsinn, diese Vorgehensweise mit diesem Projekt zu wiederholen.

SN: Wenn man abspeckt?

Holzbauer: Es nimmt dem Berg dennoch die Masse. Die alten Häuser dahinter sind sehr subtil, mit drei, maximal vier Geschoßen. Es ist absurd, von der Karolinenbrücke auf so eine Baukubatur zu schauen. Noch dazu ist es in der Widmung ein spekulatives Wohnhausprojekt. Dass sich ausgerechnet der Vertreter der Bürgerliste dafür stark macht, ist lächerlich. Dieses Projekt könnte man in Dortmund oder Bochum hinstellen.

SN: Wäre Salzburgs Status als Weltkulturerbe gefährdet?

Holzbauer: Ich sehe das Projekt als Anschlag an diesen Ort und in dieser Stadt. Es hat architektonisch null Wert.

SN: Dennoch: Ließe sich nicht aus einer kleineren Variante ein gutes Projekt entwickeln?

Holzbauer: Nein, dort gehört kein Wohnbau hin. Ich finde es zynisch, dass begonnen werden soll, einen Wohnbau hinzustellen, um den Kapuzinerbergtunnel zu verhindern.

In 50 Jahren bewegt man sich vielleicht mit Laufbändern oder anderen Transportmitteln. Die Option des Tunnels sollte nicht verbaut werden, nur weil man nicht bereit ist, die spätere Entwicklung zu berücksichtigen.

SN: Fehlt Salzburg ein Masterplan? Oder anders gefragt: Gab es den jemals?

Holzbauer: Unter Voggenhuber gab es den Plan, ein generelles Entwicklungskonzept zu machen. Das fehlt einfach. Padutsch würgte es ab.

In den 1980er-Jahren war vieles anders. Da gab es Aufmüpfige. Sicher schossen die manchmal über das Ziel hinaus. Der Schutz der Stadt hatte aber immer Priorität. Zum Beispiel sollte entlang der gesamten Hellbrunner Allee eine Wohnsiedlung entstehen. Es gab sogar schon einen Wettbewerb. Dieses Vorhaben ist aber am Widerstand gescheitert.

Aufgerufen am 13.11.2018 um 09:16 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/holzbauer-das-ist-ein-anschlag-auf-die-stadt-6052426

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