Politik

Lehrer fühlen sich "erniedrigt": Wirbel um Salzburger Schulbehörden

Von Lehrern und Direktoren kommt weiter heftige Kritik am Umgangston in der Salzburger Bildungsdirektion. Die wenigsten wagen es, darüber offen zu sprechen. Manche halten mit ihrer Meinung aber nicht hinter dem Berg.

Ein Konflikt um eine Schulnote an einer Salzburger Neuen Mittelschule hat in Salzburg eine hitzige Debatte über den Umgang der Schulbehörden mit Lehrern ausgelöst. SN/dapd
Ein Konflikt um eine Schulnote an einer Salzburger Neuen Mittelschule hat in Salzburg eine hitzige Debatte über den Umgang der Schulbehörden mit Lehrern ausgelöst.

Der Kritik von Lehrerseite an der Salzburger Bildungsdirektion (ehemals Landesschulrat) reißt nicht ab. Lehrergewerkschafter berichten, dass Lehrer von Vorgesetzten in der Bildungsdirektion immer wieder eingeschüchtert würden.

"Leider gibt es gar nicht so wenige ,schwarze Schafe', wo Lehrer/innen ganzer Bezirke seit Jahren zusammenzucken, weil sie derart erniedrigend behandelt werden und Angst davor haben, etwa willkürlich versetzt zu werden", sagt Sigi Gierzinger, der stv. Bundesobmann der parteifreien Gewerkschafter/innen Österreich (PFG).

Anlass für die Kritik ist der Aufschrei des Kuchler NMS-Lehrers Sepp Schnöll, der nach einem Konflikt um eine Schulnote den Umgang der Schulbehörden mit den Pädagogen öffentlich kritisiert hatte. "Sepp Schnöll hat mit seiner Kritik am Umgang der Behörde mit den Lehrerinnen und Lehrern in ein Wespennest gestochen und viele wachgerüttelt", sagt Gierzinger. "Öffentlich äußern sich dazu fast nur pensionierte Lehrer/innen. Mich erreicht dazu allerdings eine noch wesentlich höhere Anzahl an Rückmeldungen von im Dienst stehenden Kolleginnen und Kollegen, die sich aus Angst vor Repressalien nicht trauen, ihre Kritik öffentlich zu machen und sogar mich in meiner Funktion als Personalvertreter dazu verpflichten, ihre Namen keinesfalls zu nennen."

Gewerkschafter: "Wollen auf Augenhöhe kommunizieren"

Es gebe zwar viele Vorgesetzte in der Bildungsdirektion, die einen korrekten Umgang mit den Lehrerinnen und Lehrern pflegten. Aber es gebe auch "schwarze Schafe". Gierzinger: "Ich gehe davon aus, dass diese in den oberen Etagen des Systems bekannt sind und rate dringend, sie entweder zu zwingen, auf Augenhöhe mit den Lehrerinnen und Lehrern zu kommunizieren oder sie notfalls in Bereichen einzusetzen, wo sie Akten anschreien können statt Lehrer/innen."

Auch in der SN-Redaktion langen immer wieder Leserbriefe von Lehrern ein, die aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollen. Die Kritik richtet sich zum einen an den Notendruck, den Eltern ausüben. Zugleich fehle oft der entsprechende Rückhalt durch die Schulleitung.

Direktor: "Wie ein Schulbub behandelt"

Die Kritik kommt nicht nur von Lehrern, sondern auch von Schulleitern. Einer der wenigen, die sich auch öffentlich äußern, ist Direktor Christian Leitner von der NMS Henndorf. Es gebe zwar auch sehr wertschätzende Mitarbeiter in den Schulbehörden, sagt Leitner. "Ich kenne aber die andere Seite auch - dass man sich als Lehrer oder Direktor wirklich wie ein Schulbub behandelt vorkommt."

Bei der jüngsten Direktoren-Sitzung hätten ihm junge Schulleiter erzählt, wie "unglaublich" sie von einer Mitarbeiterin der Schulbehörde behandelt worden seien. "Wir müssen immer wieder einen absolut abwertenden Umgang feststellen. Da muss man sich als Direktor auf die Füße stellen und sagen: ,So reden Sie nicht mit mir!'" Es wundere ihn nicht, dass sich so wenige Lehrer für Direktorenposten interessierten.

Er, Leitner, werde auch weiterhin seine Kritik öffentlich äußern. "Ich lasse mir den Mund nicht verbieten. Ich lasse es mir nicht nehmen, dass ich zu gesellschaftspolitischen Themen meine Meinung habe."

"Brisantes" Thema auf Tagesordnung der Direktoren-Konferenzen

Wolfgang Zingerle, Direktor der NMS Mittersill und Sprecher der ARGE NMS-Direktoren, sagte am Freitag im SN-Gespräch, er werde das "brisante" Thema bei den nächsten Direktoren-Sitzungen zur Sprache bringen. "Wir werden das beraten und besprechen und uns überlegen, ob wir auch in irgendeiner Weise reagieren sollen." Die Schulbehörde erlebe er zum einen unterstützend, andererseits aber auch "sehr genau vorgebend". Ein großes Problem sei jedenfalls die Frage der Benotung. "Bei der Leistungsbeurteilung muss sich etwas ändern, sodass Eltern und Schüler klare Richtlinien bekommen und Lehrer bei der Beurteilung gestärkt werden."

Landesrätin: "Konflikte schwelen offenbar seit Jahren"

Die zuständige Bildungslandesrätin Maria Hutter sagte auf SN-Anfrage, sie nehme die Kritik am Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern ernst. "Die Kritik und der Aufschrei in dieser Form und Dimension zeigen, dass hier Konflikte offenbar seit Jahren und Jahrzehnten schwelen und unter den Teppich gekehrt wurden." Angesichts der aktuellen Rückmeldungen wolle sie die konkreten Vorwürfe mit Lehrergewerkschafter Gierzinger und Bildungsdirektor Rudolf Mair persönlich klären.

Was den Konflikt um Schulnoten betreffe, sei der Grund die aus dem Jahr 1974 stammende Leistungsbeurteilungsverordnung des Bundes. Die Bildungsdirektion werde in diesem Punkt die Aufklärung und Beratung von Schulleiterinnen Schulleitern und Lehrerinnen und Lehrern forcieren. "Was die Verordnung an sich betrifft, bin ich bereits in Kontakt mit dem Bildungsministerium und kann berichten, dass eine grundlegende Änderung in Arbeit ist. Diese soll in unserem Sinne den Lehrerinnen und Lehrern wieder mehr Rechtssicherheit und Handhabe zur Beurteilung geben."

Bildungsdirektion will eine "moderne" Behörde sein

Eva-Maria Engelsberger von der Salzburger Bildungsdirektion betont, man pflege grundsätzlich einen "guten Umgang auf Augenhöhe" mit den Pädagogen. "Als moderne Behörde wollen wir eine Dienstleistungsbehörde sein. Die alten Muster von Befehl und Befehlsentgegennahme sind antiquiert." Wenn ein konkreter Beschwerdefall bekannt werde, dann müsse man sich das jedenfalls "anschauen". "Mit Pauschalanschwärzungen hilft man niemandem."

Aufgerufen am 24.09.2020 um 04:07 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/lehrer-fuehlen-sich-erniedrigt-wirbel-um-salzburger-schulbehoerden-64662532

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