Politik

Mindestens vier Wochen Totalausfall im Salzburger Tourismus

Das Land kündigt ein schnelles Hilfspaket für Betriebe an, die in Folge der Coronakrise in schwere Nöte kommen.

Am Montag schließen die Beherbergungsbetriebe und die meisten Geschäfte. Lokale haben nur mehr bis 15 Uhr geöffnet. In der Salzburger Altstadt war es schon am Freitag ziemlich leer.  SN/Stefanie Schenker
Am Montag schließen die Beherbergungsbetriebe und die meisten Geschäfte. Lokale haben nur mehr bis 15 Uhr geöffnet. In der Salzburger Altstadt war es schon am Freitag ziemlich leer.

Alle Skigebiete und alle Hotels im ganzen Land geschlossen - für das Tourismusland Salzburg sind das schwer verdauliche Nachrichten: Man habe die Notbremse ziehen müssen, sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Freitagnachmittag. Es gelte zu verhindern, dass wie in Tirol ganze Täler gesperrt und unter Quarantäne gesetzt werden müssten.

Ab Montag, 20 Uhr, gilt das Betriebsverbot für alle gewerblichen Hotels und Beherbergungsbetriebe - und zwar bis Ostermontag, 13. April. Es wird aber einzelne Ausnahme geben, die die Bezirksbehörde vergeben kann. Denn nicht alle Gäste könnten bis Montag abreisen. Dazu gibt es auch Arbeitskräfte (etwa Monteure), die in Pensionen nächtigen.

Weil die Schließung auf Basis des Epidemiegesetzes erfolgt, besteht für die Betriebe Anspruch auf eine Entschädigungsleistung vonseiten des Bundes. Für viele gebe es außerdem die Möglichkeit einer "Betriebsunterbrechungsversicherung", sagt Haslauer. In den Ferienhotels sei die Saison gut gelaufen. Weitaus dramatischer sei die Situation allerdings für die Städtehotellerie.

"Es trifft uns mit voller Wucht", bestätigt Alexander Krammer, der das Altstadthotel Kasererbräu und das Mozartkino betreibt. 23 Mitarbeiter beschäftigt er, am Freitag lag die Auslastung in seinem 46-Zimmer-Haus bei 50 Prozent. "Das Problem ist: Wir wissen nicht, wie lange wir zusperren müssen." Diese Ungewissheit beschäftigt auch Hotelier und Altstadtverband-Geschäftsführer Andreas Gfrerer. Derzeit sind in seinem Hotel Blaue Gans 47 Mitarbeiter beschäftigt, in der Hochsaison sind es üblicherweise 60. Jetzt muss er sich auf genau diese unter widrigsten Umständen vorbereiten. "Der Ausfall der Osterfestspiele ist sehr schmerzvoll", sagt Gfrerer. Noch schlimmer wäre es für die Stadthotellerie aber, wenn die Sommersaison bedroht wäre. Deshalb begrüßt er auch die behördliche Schließung der Hotels.

Etwa 21.700 Menschen sind laut Arbeiterkammer in der Salzburger Hotellerie beschäftigt - etwa 6000 davon in der Stadt Salzburg und 13.300 in den Skizentren. Was mit ihnen geschehen soll, ist noch offen. Fix ist nur: Wenn es keine staatliche Hilfe gibt, wird es zu Kündigungen kommen. 70.000 bis 80.000 Urlauber befanden sich am Freitag in Salzburg auf Urlaub. Der Großteil davon in den Wintersportgebieten.

Das Geschäft sei schon vor der Schließung aller Beherbergungsbetriebe eingebrochen, sagt Fachgruppenobmann Georg Imlauer. "Es hat schon eine Stornierungswelle gegeben, auch wenn die Skigebiete noch gut gebucht waren." Bisher sei die Wintersaison außergewöhnlich gut gelaufen, aber: "Die Polster schmelzen schnell dahin", sagt auch Hotelierin Petra Nocker-Schwarzenbacher, die Bundesobfrau der Sparte Tourismus. Den wirtschaftlichen Schaden des bevorstehenden Totalausfalls kann derzeit niemand beziffern. "Die Frage ist, wie lange wir das durchhalten", sagt Alexander Krammer.

Das Land will kommende Woche ein Schnell-Hilfspaket für die Betriebe präsentieren. Wie hoch dieses ausfallen wird, wollte der Landeshauptmann noch nicht beziffern. "Wir werden Geld in die Hand nehmen. Es geht hier auch um Haftungsübernahmen und um Zuschussmöglichkeiten. Unsere ganze Budgetierung im Landesbudget ist jetzt nicht mehr im Vordergrund. Ob es zu einer Neuverschuldung kommen wird, sei dahingestellt. Es geht jetzt darum, den Betrieben zu helfen."

Noch am Montag hatte Haslauer eine Absage der Osterfestspiele oder eine Sperre von Tourismusbetrieben abgelehnt. Wurde die Lage unterschätzt? Nein, sagt der Landeshauptmann. "Die Situation hat sich drastisch geändert. Ich sage auch heute noch: Wenn ich Salzburg isoliert betrachte mit 700.000 Einwohnern und Gästen sowie 24 Coronafällen, dann wären für Salzburg all diese Maßnahmen nicht erforderlich. Aber wenn man sieht, was sich in Tirol oder in Italien abspielt, dann muss man vorgreifend agieren." In Salzburg habe man da speziell noch eine Chance, die exponentielle Steigerung des Virus in den Griff zu bekommen, "wenn wir den Tourismus jetzt stoppen".

"Jetzt geht es auch darum, dass wir unsere Gäste geordnet nach Hause bringen", sagt Fachgruppen-Obmann Imlauer. Das sei insofern eine logistische Herausforderung, als es Reisewarnungen und -beschränkungen gebe.

Alexander Krammer vom Altstadthotel berichtet, dass ganz banale Fragen auftauchten - so wie die seines Briefträgers. "Wo hast du denn einen Postkasten, wo soll ich dir die Post hingeben, wenn am Montag zu ist?", will er am Freitag wissen. Seit sieben Jahren macht er im Kaiviertel Dienst, "aber noch nie habe ich die Kaigasse so menschenleer gesehen wie heute. Wie in einer Geisterstadt", sagt er. Auf den Residenzplatz verirren sich nur vereinzelt Touristen. "Wenn wir Glück haben, macht heute jeder von uns eine Fuhre", meint Fiaker Wilhelm Szabo. Mit Kollegin Denise Gottschalk wartet er unter den Dombögen auf Kundschaft. Auch der Grünmarkt wirkt wie ausgestorben. "Schauen Sie doch selbst", meint Erich Veit vom gleichnamigen Blumenstand. "Für uns ist es eine Katastrophe. Morgen noch und dann ist Feierabend", ergänzt seine Tochter Bianca Veit. Sie blickt über die vielen Tulpen. "Eigentlich könnten wir alles gleich zum Wirtschaftshof bringen."


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