Politik

Ortschefs freuen sich über "ihre" Staatssekretäre

Die neue Regierung sorgt für Freude in Bischofshofen und Elixhausen. Die zwei Bürgermeister wollen den besonderen Draht nach Wien auch nutzen.

Hubert Fuchs aus Bischofshofen und Karoline Edtstadler aus Elixhausen wurden am Montag zu Staatssekretären angelobt.  SN/schliesselberger
Hubert Fuchs aus Bischofshofen und Karoline Edtstadler aus Elixhausen wurden am Montag zu Staatssekretären angelobt.

Am Montag um elf Uhr war es so weit: Die neue türkis-blaue Bundesregierung wurde in der Hofburg angelobt. Am Ende kam es im Maria-Theresien-Zimmer auch zu einer kurzen persönlichen Begegnung samt Handschlag der zwei Staatssekretäre mit Salzburger Wurzeln - Karoline Edtstadler (ÖVP) und Hubert Fuchs (FPÖ).

Dass das Bundesland nun gleich zwei Vertreter im Kabinett Kurz stellt, sorgt für große Freude in den jeweiligen Heimatorten der beiden. Wobei: Ob Hubert Fuchs nun Salzburger oder doch Wiener ist, ist noch zu klären. Emotional fühlt er sich aber sehr an den Pongau gebunden, wie er erzählt: "Bischofshofen und der Pongau sind und bleiben meine Heimat." Denn er sei hier aufgewachsen und in die Schule gegangen. Maturiert hat Fuchs am Bischofshofener Missions-Gymnasium St. Rupert. Außerdem betont er, dass er immer noch einen Nebenwohnsitz in Bischofshofen habe: "Auch meine Eltern, Hubert und Hildegard Fuchs, leben da und ich besuche sie sowie die Freunde in der Heimat so oft, wie es die Zeit erlaubt."

Diese freie Zeit dürfte nun für Fuchs, der mit Beginn seines BWL-Studiums 1995, also mit 26, nach Wien ging, als Staatssekretär deutlich knapper werden. Auch privat hat sich im Leben des FPÖ-Politikers vor Kurzem einiges verändert: Der 48-Jährige und seine Lebensgefährtin sind vor sieben Monaten Eltern geworden. Der Sohn heißt - wie Vater und Großvater - Hubert.

Als echter Pongauer mangelt es Fuchs nicht an Skifahrkenntnissen: "Ich war als Schüler und Student während der Ferien in St. Johann-Alpendorf als Skilehrer tätig." Sein aktuelles Lieblingsskigebiet sei aber Mühlbach am Hochkönig: "Aus Zeitgründen zahlt sich eine Saisonkarte leider nicht mehr aus." Als seine Lieblingslokale in der Heimat bezeichnet er das Wirtshaus Bürglhöh in Bischofshofen und Die Weiße in der Stadt Salzburg.

Persönlich positiv sieht den neuen Staatssekretär aus Bischofshofen auch der dortige Bgm. Hansjörg Obinger - auch wenn er als Sozialdemokrat einem anderen politischen Lager angehört. Obinger: "Ich kenne den Hubert lange und komme mit ihm recht gut zusammen. Er ist ein sehr sachorientierter Mensch. Wir sind nicht weit voneinander aufgewachsen und kennen uns schon seit Kindertagen, denn er ist nur zwei Jahre älter als ich." Fuchs sei regelmäßig in Bischofshofen, berichtet der Ortschef: "Und wir telefonieren auch manchmal miteinander." Das Amt als Staatssekretär traue er dem Steuerberater und Doppeldoktor voll zu, sagt Obinger: "Das ist sein Metier. Er ist ein Finanzmensch durch und durch."

Gefragt um Wünsche an bzw. für den neuen Staatssekretär in Wien ist Obinger nicht verlegen: "Ich wünsche ihm einen ausgewogenen Blick für das Gesamte. Und was ich sicher nutzen werde, ist, dass ich es ihm persönlich sage, wenn mir an der Arbeit der Regierung in Wien etwas nicht passt. Da wird es von mir den einen oder anderen Anruf geben. Ich hoffe, dass nicht alles nur durch die wirtschaftliche Brille gesehen wird. Da braucht es auch eine zweite Perspektive - gerade im sozialen Bereich." Denn eine Gemeinde- oder Landesverwaltung könne nicht immer nur kostendeckend arbeiten. "Und eine Gemeinde kann man nicht immer mit einer Firma vergleichen", sagt der SPÖ-Politiker.

In Elixhausen hat die Berufung von Karoline Edtstadler (36) zur Staatssekretärin im Innenministerium ebenfalls Freude ausgelöst - und eine kleine Reisebewegung: "Mein Vater, meine Mutter und mein Sohn sind zur Angelobung gekommen. Es war auch für sie ein bewegender Moment", sagte Edtstadler den SN. Bgm. Markus Kurcz (ÖVP) war sogar lange Jahre ein Vereinskollege der Juristin: "Ich kenne Karoline aus der Zeit, als sie bei der Ortsmusik gespielt hat. Ich spiele Schlagzeug. Sie spielte Oboe - ist aber oft eingesprungen als Tschinellen-Spielerin, weil man mit der Oboe nicht marschieren kann." Auch Edtstadler erinnert sich gern an die Musikkapelle zurück: "Ich habe mehr als fünf Jahre mitgespielt. Und ich habe auch die Konzerte moderiert. Es war eine wunderbare Zeit."

Kurcz sagt, dass Edtstadler sich das neue Amt hart erarbeitet habe: "Jetzt erntet sie den Lohn ihrer Arbeit." Was für ein Mensch ist die neue Staatssekretärin, die ihre Laufbahn als Richterin begonnen hat? Kurcz: "Ich würde Karoline als hart, aber herzlich beschreiben. Im Gespräch ist sie verbindlich und hat eine sehr gewinnende Art. Sie kommt aber auch zum Punkt und setzt um, was sie sich vornimmt." Das habe ihr einen respektablen Ruf als Richterin eingebracht. Er treffe sie immer noch ein bis zwei Mal pro Jahr, wenn sie am Wochenende in Elixhausen sei. Denn auch ihr Sohn Leonhard (16) sei mittlerweile im Ort tätig - "als Lehrling bei der Zimmerei Gmachl".

Was wünscht sich der Bürgermeister von "seiner" Staatssekretärin? "Es tut gut zu wissen, dass es in der Regierung jemanden gibt, den man persönlich kennt. Das muss man nicht strapazieren - aber es ist ein gewisser Vorteil. Aber ich werde sie nicht jede zweite Woche deswegen anrufen. Da muss schon viel passieren." Edtstadler persönlich wünscht Kurcz, "dass sie es schafft, ein gutes Miteinander zu schaffen - und einen guten Draht zum Minister. Und wichtig ist, dass sie auch in den eigenen Reihen Rückhalt hat, weil sie ja nicht aus den klassischen ÖVP-Parteistrukturen kommt."


Aufgerufen am 16.09.2019 um 06:00 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/ortschefs-freuen-sich-ueber-ihre-staatssekretaere-21926914

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