Politik

Umfrage offenbart Schwächen der Stadtpolitik

Jeder Zweite würde im Verkehr sofort etwas ändern, wenn er könnte.Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem die Unzufriedenheit überwiegt.

 SN/robert ratzer

Die gute Nachricht gleich zu Beginn. Allem Jammern auf hohem Niveau zum Trotz: Die Salzburger empfinden die Landeshauptstadt als eine sehr lebenswerte Stadt. 90 Prozent beurteilen die Lebensqualität als sehr gut oder gut. An zweiter Stelle auf der Zufriedenheitsskala in den verschiedensten Themenfeldern rangiert das Kulturangebot. Und die Stadt wird als familienfreundlich wahrgenommen.

Das Team der SN-Verlagsforschung rund um Hans Paischer hat im Vorfeld der Bürgermeisterwahl eine Umfrage unter 305 SN-Leserinnen und Lesern in der Stadt Salzburg durchgeführt. Unter den 18 Themen überwiegen bei 14 die zufriedenen Stimmen. Gerade noch positiv, aber mit Luft nach oben bewerten die Befragten die Attraktivität der Altstadt für Einheimische, die Kinderbetreuung und die Betreuung der älteren Generation.

Eines offenbaren die Ergebnisse aber sehr deutlich: wo die Stärken und Schwächen der Stadt liegen. Und im Umkehrschluss: wo die Politik Aufhol- und vor allem Handlungsbedarf hat. "Was den Leuten unter den Fingern brennt, ist das Thema Verkehr", sagt Hans Paischer. Obwohl das Parkplatzangebot als schlecht eingestuft werde, sei der Ausbau der Mönchsberggarage für die Befragten von mittlerer bis geringer Wichtigkeit. "Offenbar wird in diesem Bauprojekt nicht die Generallösung gesehen", sagt Paischer. Auch die Einführung einer Citymaut zur Lösung des Stauproblems, wie sie etwa Johann Padutsch (BL) in regelmäßigen Abständen fordere, sei "klar unten durch. Diese Maßnahme, auch wenn sie am stärksten Pendler treffen würde, ist den Stadt-Salzburgern zu rigide", sagt Paischer. Auch die U-Bahn sei ausdiskutiert und in den Köpfen als zu teuer abgehakt.

Für diese Umfrage seien bewusst offene Fragen gestellt worden. Etwa: "Wofür würden Sie sich als Bürgermeister einsetzen? Um welche Themen würden Sie sich besonders und zuallererst kümmern?" "Die Antworten waren eindeutig. Jeder Zweite würde sofort im Verkehr etwas ändern, wobei die öffentlichen Verkehrsmittel und das Parkplatzangebot als schlecht bewertet werden. Dann kommt das leistbare Wohnen. Und als dritter Punkt die Infrastruktur - weil kleinere Geschäfte, Postämter und dergleichen zusperren. Damit sind die Leute unzufrieden und damit verbindet man auch einen Verlust von Lebensqualität." Fast überraschend sei, dass einige Themen von sich aus nie oder fast nie genannt worden seien: etwa das Thema Sicherheit, Bildung, Korruption, Belastung der Altstadt durch Massentourismus.

In Sachen Wohnen sind 62 Prozent mit dem Angebot unzufrieden. Bei den Befragten unter 30 liege das Thema Wohnen sogar gleichauf mit dem Verkehr, sagt Paischer. 67 Prozent der Befragten halten es für besonders wichtig, dass es mehr erschwingliche Mietwohnungen gebe. Ganz anders schlage das Pendel bei der Frage nach mehr günstigen Eigentumswohnungen aus. Nur jeder Vierte hält das für besonders wichtig.

Ein Thema, das in der Landeshauptstadt stark polarisiert, ist jenes der Ausländer und Integration. "Das ist ein Reizthema, auch wenn wir hier schon andere Werte hatten - etwa während der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren. Das Thema ist nach wie vor latent vorhanden, brodelt aber derzeit nicht. Es kann aber schnell emotional werden", sagt Paischer. Als wahlentscheidend betrachtet Paischer aber die Themen Verkehr und Wohnen, aber nicht "Sicherheit". Eines zeige die Zufriedenheitsskala aber auch, dass viele soziale Themen unten rangieren würden. "Die Leute wünschen sich zusehends eine soziale, menschliche Politik."

Und wie viele der 305 Befragten trauen es der Stadtpolitik zu, dass sie Probleme anpackt und Lösungen findet? Die Schulnote liegt bei einem 2 minus. "In Wahrheit ist das Vertrauen in die Politik mittelmäßig. Explizit unzufrieden sind nur wenige, nämlich 15 Prozent. Der Schnitt war in früheren Wellen der Marktforschung schon schlechter", sagt Paischer. Dass die Stadtpolitik Einfluss auf das tägliche Leben eines jeden nehmen kann, das hält eine Mehrheit für nicht möglich. Gut ein Viertel der Befragten glaubt, dass die Stadtpolitik "ziemlich viel" Einfluss nehmen kann, demgegenüber stehen 42 Prozent, die das für wenig oder gar nicht möglich halten. Vor allem die älteren Stadt-Salzburger glauben noch weniger an die Einflussmöglichkeiten der Stadtpolitik.

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 01:05 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/umfrage-offenbart-schwaechen-der-stadtpolitik-20403961

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