Politik

Wohnbauförderung in Salzburg: Häuslbauer fiebern dem 2. Juli entgegen

Nach 94 Sekunden war im April die Wohnbauförderung vergeben. Seit Wochen bereiten sich jene, die das Geld dringend zum Hausbau benötigen, auf die letzte Chance in diesem Jahr vor.

Rund 40.000 Euro vom Land gibt es für den Bau eines Einfamilienhauses, wenn alle Auflagen erfüllt sind.  SN/bernhard schreglmann
Rund 40.000 Euro vom Land gibt es für den Bau eines Einfamilienhauses, wenn alle Auflagen erfüllt sind.

Viele Salzburgerinnen und Salzburger werden am Montag, dem 2. Juli, um 9 Uhr wieder vor ihrem PC sitzen und auf ihre Tastatur hämmern. Denn zum letzten Mal für heuer wird online der Zugang für die Antragstellung zur Wohnbauförderung des Landes geöffnet.

Wer nicht bei den Schnellsten dabei ist, muss sein privates Bauprojekt notfalls um ein Jahr verschieben. Das Kontingent für eine Errichtungsförderung war im April in 1:34 Minuten weg, die Wartelistenplätze nach 2:10 Minuten. Auch für den 2. Juli gibt es "nur" 50 Förderungen für Häuslbauer. Für Wohnungskäufer steht das Doppelte, nämlich 100 Förderungen, zur Verfügung. In der Sanierungsförderung werden 1000 Anträge zugelassen.

Ein Pinzgauer Familienvater war im April zu langsam. Die Internetseite stockte. Beim Versuch, sie neu zu laden, wurde ihm mitgeteilt, dass er zu spät sei. Der Mann hatte für sein Einfamilienhaus 345.000 Euro veranschlagt und 40.000 Euro Förderung einkalkuliert. Nach der Bauverhandlung im März wäre ein Baustart im Mai geplant gewesen. Die Firmen standen parat. Doch jetzt steht alles. "Wir haben schon den Kredit laufen. Ohne die Wohnbauförderung geht es schwer bis gar nicht. Wenn wir gewusst hätten, dass das so eine Brieflosgeschichte ist, dann hätten wir das anders geplant", sagt der Mann. Mittlerweile habe er den achtseitigen Leitfaden des Landes für diese Antragstellung abgearbeitet und versuche am 2. Juli um 9 Uhr wieder sein Glück. Den Online-Antrag stelle er diesmal von seinem Arbeitsplatz. "Da ist das Internet schneller."

Nicht viel anders geht es einer Pongauerin. Auch sie will hausbauen. Ihren Namen will sie nicht nennen, sie befürchtet dann einen Nachteil bei ihrem Antrag auf Wohnbauförderung. "Wir wollen heuer noch anfangen zu bauen. Es ist also die letzte und einzige Chance für uns. Wir haben das Haus mit dem Energieausweis auf die Förderung hin geplant, inklusive Photovoltaik." Dass sie bei den ersten 50 dabei sein müsse, mache ihr großen Druck. Um bestens vorbereitet zu sein, habe sie alle Daten bereits in einem Word-Dokument und versuche, das schnellstmöglich in die Online-Maske zu übertragen. "Es geht um jede Sekunde. Und letztlich auch um jeden Tausender für den Hausbau."

Roland Karner kennt das Gezerre. Der Lungauer hat im April die Wohnbauförderung beantragt und rund 40.000 Euro vom Land erhalten. Er hat die Online-Antragstellung in die Hände einer Agentur gelegt, über die er auch seinen Hausbau finanziert hat. "Ich hatte Glück." Sein Haus in Tamsweg sollte bald fertig sein.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Markus Steiner von der Freien Partei Salzburg (FPS) kritisiert das neuerliche "Lotteriespiel" in der Wohnbauförderung. "Das geht auf Kosten vieler Schicksale. Es müssen endlich Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine faire, transparente Vergabe sicherstellen. Derzeit ist das Wohnbauressort weit davon entfernt", sagt Steiner.

Wohnbaulandesrätin Andrea Klambauer (Neos) hat ihr Amt erst Mitte Juni übernommen. Zeit für Änderungen am System ihrer Vorgänger gab es noch nicht. Sie wisse aber, dass es "sehr viel Frust" beim Beantragen der Errichtungsförderung gebe. Für 1. Jänner 2019 kündigt sie Nachbesserungen an. "Von der Online-Abwicklung werden wir nicht abweichen." Andere Überlegungen spielen eine Rolle. So wäre eine Option, anstelle der "Barzahlung" an Häuslbauer ein Hypothekardarlehen für Kredite bei der Bank zu vergeben. Oder die Fördersumme zu reduzieren. Dann gäbe es zwar weniger Geld, aber mehr Anträge. Spruchreif ist noch nichts. Klambauer will aber, "dass die Zufriedenheit mit der Wohnbauförderung steigt".

Seit 2015 gibt es Geldgeschenke vom Land

Mit 1. April 2015 hat das Land Salzburg die Wohnbauförderung umgestellt. Anstelle von Darlehen gab es Einmalzuschüsse, die nicht mehr zurückbezahlt werden müssen.

Schnell wurde die Wohnbauförderung beliebt. So beliebt, dass die Anträge das Budget sprengten - und die Landesregierung 2016 die Fördersummen senken musste.

Seit 1. Jänner 2017 müssen die Anträge auf Wohnbauförderung online eingereicht werden. Für jede Sparte (Errichtung, Kauf oder Sanierung) gibt es ein bestimmtes Kontingent. Ist das ausgeschöpft, fällt man auf eine Warteliste.

Mit 2. Juli kann erneut um Wohnbauförderung angesucht werden. Häuslbauer benötigen die Energieausweis-Nummer. Dann können sie einen Zugangslink anfordern. Innerhalb von fünf Tagen muss mit dem Ausfüllen des Antrages begonnen und binnen 21 Tagen der Förderantrag abgeschickt werden.

Aufgerufen am 03.12.2022 um 11:02 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wohnbaufoerderung-in-salzburg-haeuslbauer-fiebern-dem-2-juli-entgegen-29488114

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