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Wahl 2019

Wie "die Anni" Bürgermeisterin wurde und das Klettern lernte

In Mühlbach am Hochkönig geht die neue Ortschefin energisch ans Werk. Sie hat keine Angst, "dass ich das nicht schaffe", und sie findet, dass auch Politiker Fehler zugeben sollen.

Die neue Bürgermeisterin Anni Reitinger kennt keine Höhenangst. SN/robert ratzer
Die neue Bürgermeisterin Anni Reitinger kennt keine Höhenangst.

In ihrem Heimatort ist sie "die Anni" und die will Anna Reitinger auch als Frau Bürgermeister bleiben. Am 8. April wird die 58-jährige Landwirtin in ihrem neuen Amt angelobt. Dann ist sie die einzige Ortschefin im Pongau. Die bisherige ÖVP-Vizebürgermeisterin hat die Wahl überraschend und knapp mit 50,4 Prozent gewonnen. Acht Stimmen betrug der Vorsprung auf Amtsinhaber Manfred Koller (SPÖ). Für sie selbst kam es gar nicht so überraschend, obwohl sie 2014 nur 26 Prozent bekommen hatte. "Das war damals nicht so erfolgreich, die Vorbereitungszeit war kurz. Aber in den fünf Jahren hatte ich genug Zeit, zu beweisen, dass ich mich um jedes Anliegen kümmere." Natürlich habe sie nicht alles durchgebracht, aber sie bemühe sich, "das haben die Leute gesehen".

In der Gemeindevertretung arbeitet die Bäuerin vom Steinhof schon seit 2004 mit. Den Hof von Anni und ihrem Mann Gottfried Reitinger, der aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel stammt, führt seit dem Vorjahr bereits einer ihrer drei Söhne, der 26-jährige Patrick. Dass sie selbst den elterlichen Betrieb übernehmen würde, war für die Mühlbacherin mit dem Mädchennamen Schweiger schon immer klar. "Ich wollte das, meine zwei Schwestern haben sich nicht für die Landwirtschaft interessiert."

Einen Namen gemacht hat sich der Bauernhof mit Direktvermarktung, der Zucht von Angusrindern und mit Eiern. "Wir sind ein kleiner Betrieb mit 1500 Hühnern. Wir versorgen Gastronomie und Privatkunden nur in Mühlbach", erzählt die Eierbäuerin.

"Probieren geht über Studieren" ist das Motto Anni Reitingers. Sie kann nicht nur mit Wahlergebnissen überraschen: Als eine ihrer Freizeitbeschäftigungen nennt sie "Klettersteiggehen". "Unsere Tochter Bianca hat damit angefangen. Sie hat zu mir gesagt, das ist so schön, geh doch mit." So sind die beiden öfter in Taxenbach, in Ramsau am Dachstein oder an der Drachenwand am Mondsee unterwegs. "Maximal Schwierigkeitsgrad C", sagt die Mutter. Höhenangst habe sie keine, die Kondition sei das Kriterium. "Ich probiere alles aus, aber wenn es mir nicht gefällt, sage ich auch, dass ich das nicht tu." Es sei in der Politik genauso wichtig wie im Leben, Fehler zuzugeben. "Jeder trifft einmal eine falsche Entscheidung. Wenn man das rechtzeitig erkennt, kann man es noch ändern."

Dass sie künftig für Hobbys wie Klettern, Wandern und Schwimmen vor lauter Stress keine Zeit mehr haben wird, glaubt die neue Bürgermeisterin nicht. "Wenn ich etwas will, dann finde ich die Zeit dazu. Ich kann relativ gut organisieren. Ich habe keine Angst, dass ich das nicht schaffe." Am allerwichtigsten bleibt ihr die Familie. Die Kinder sind zwischen 24 und 39 Jahre alt, die drei Enkerl zwei, sechs und acht Jahre.

In der Gemeindepolitik will Anni Reitinger die nächsten Tage bis zur ersten Sitzung nutzen, um die Aufgabenverteilung mit der SPÖ zu besprechen. Die ÖVP hat nun zwar eine knappe Mehrheit (einen Sitz mehr als die SPÖ). Aber: "Wir müssen zusammenarbeiten. Wir haben viel vor. Es geht nur gemeinsam." Mühlbach hat mit dem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen, brauche Wohnungen und Bauland für junge Familien. "Dringend ist der Feuerwehrneubau, die Musik braucht einen Zubau, die Jugend auch viele kleine Dinge wie einen Beachvolleyballplatz."

Aufgerufen am 05.12.2020 um 04:36 auf https://www.sn.at/salzburg/wahl-2019/wie-die-anni-buergermeisterin-wurde-und-das-klettern-lernte-68007688

Schöne Heimat

Ungeheurlich...

Von Helmuth Stuhlpfarrer
04. Dezember 2020
Die Sonne und der Baumstrunk, so könnten Sagen entstanden sein.

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