Wirtschaft

Arbeitswelt: Frauen verdienen in Salzburg um 38 Prozent weniger als Männer

In Salzburg verdienen Frauen weiterhin weniger als Männer. Ändern könnte das ein Ausbau der Kinderbetreuung, vor allem in den Landgemeinden.

In Salzburg verdienen Frauen noch immer weniger als Männer.  SN/nuthawut - stock.adobe.com
In Salzburg verdienen Frauen noch immer weniger als Männer.

38 Prozent weniger verdienen Frauen im Vergleich zu Männern im Bundesland, das zeigt der Einkommensbericht des Rechnungshofes. Mit 23.423 Euro wird das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen beziffert. 38.019 Euro wurden bei den Männern erfasst. Jedoch gilt es mit diesen Zahlen vorsichtig zu sein, da die Einkommen aller unselbstständig Erwerbstätigen herangezogen wurden, also inklusive Teilzeit und geringfügig Beschäftigter. Aussagekräftiger ist die Betrachtung der reinen Vollzeitbeschäftigten. Da zeigt sich eine positivere Entwicklung: Männer mit Vollzeitjob verdienen 47.230 Euro brutto, Frauen 40.110 Euro. Somit ergibt sich eine Gehaltsschere von 15 Prozent. Damit liegt Salzburg sogar besser als der Österreich-Schnitt von 19 Prozent. Der Salzburg-Wert hat sich im Vergleich zum Jahr 2020 um zwei Prozentpunkte gebessert. Gering ist der Unterschied bei Beamtinnen und Beamten (5 Prozent) sowie Vertragsbediensteten (5 Prozent). Weibliche Angestellte verdienen 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Arbeiterinnen liegen 28 Prozent unter Arbeitern.

Viele Frauen in Teilzeitbeschäftigung

Weiterhin groß ist der Anteil an Frauen, die einer Teilzeitbeschäftigung im Bundesland nachgehen: nämlich 50,7 Prozent. Nur 8,5 Prozent der Männer tun das. "Rund 25 Prozent der Salzburger Männer, die Teilzeit arbeiten, tun das freiwillig. 21 Prozent tun es aufgrund einer Ausbildung und nur rund 11 Prozent aufgrund von Betreuungspflichten", sagt Jakob Sturn, Ökonom des Momentum-Institutes. Frauen arbeiten in Salzburg im Durchschnitt 29,9 Stunden - im Vergleich dazu die Männer: 39,6 Stunden. "Würde man den 130.000 Frauen eine Vollzeitbeschäftigung durch ein besseres Kinderbetreuungsangebot ermöglichen, gäbe es in Salzburg ein Potenzial von 30.000 Vollzeitstellen", sagt Sturn. Dadurch würde die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen auch weiter zugehen.

Unter Druck geriet die Politik vor allem aufgrund der Lage am Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen klagen über Personalmangel. Daher sei es notwendig, auch gezielt Frauen in die Vollzeitbeschäftigung zu bringen, merkt Sturn an. Auch für die ökonomische Lage der Frau sei ein Wandel notwendig: Durch die Teilzeitanstellungen seien die Frauen nicht nur mit weniger Einkommen konfrontiert. Auch Pensionen und Vermögen seien dadurch niedrig, sagt Sturn.

Kinderbetreuung: "Wir haben im Pinzgau und der Stadt Probleme mit dem Angebot"

Damit Frauen öfters und besser den Weg in die Vollzeitbeschäftigung finden, führe kein Weg an einer Verbesserung des Kinderbetreuungsangebotes vorbei - so der einhellige Tenor.

"Jetzt ist die Politik in der Pflicht, die entsprechenden Förderprogramme auch für die einzelnen Gemeinden aufzustellen", sagt AK-Präsident Peter Eder. Er erwarte sich einen Masterplan dafür von der zukünftigen Landesregierung. Dass der Hebel vor allem auf regionaler Ebene liege, betont Sturn. "In Orten, in denen Kindergärten länger geöffnet haben, sinkt auch der Gender-Pay-Gap." Im urbanen Raum sei das ohnehin deutlich spürbar.

Das zeigt sich auch in Salzburg: "Wir haben im Pinzgau und der Stadt Probleme mit dem Angebot und eine ungleiche Verteilung", sagt Landesrätin Andrea Klambauer (Neos).

Aber was bräuchte es, damit eine Person einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen kann und die Kinder versorgt sind? Mindestens 47 Wochen Betreuungsangebot im Kindergartenjahr sind notwendig, mit mindestens 45 Stunden wöchentlich. Das Betreuungsangebot muss von Montag bis Freitag bestehen. An vier Tagen wöchentlich müssen mindestens neuneinhalb Stunden an Betreuungsleistung inklusive Mittagessen angeboten werden. Diese Parameter sieht der Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) vor. Im Bundesland Salzburg bieten das 36,4 Prozent der Einrichtungen an.

AMS-Chefin Beyer: "Nicht jede Frau möchte Vollzeit arbeiten"

Eder dazu: "Wirtschaft, Industrie und Arbeiterkammer sind sich einig und wünschen sich einen raschen Ausbau des Betreuungsangebotes - nur die Politik spielt nicht mit", sagt Eder.

AMS-Chefin Jacqueline Beyer merkt an: "Nicht jede Frau möchte Vollzeit arbeiten, aber sie sollte die Möglichkeit haben." Auch bessere Abschlüsse bei den Kollektivvertragsverhandlungen in jenen Branchen, in die es großteils die Frauen ziehe, fordert Beyer.

Klambauer betont indes die Wichtigkeit eines "Rechtsanspruches für Kinderbetreuung". Damit ginge sie auch in die nächsten Koalitionsverhandlungen. "Die Zeichen stehen für eine Umsetzung, da auch Wirtschaftskammer und Industrie dafür eintreten." Wichtig seien natürlich auch die Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen und die Attraktivierung der Rahmenbedingungen in den Einrichtungen.

Bruttoeinkommen im Vergleich

Der Österreich-Blick zeigt: Frauen verdienen 41.767 Euro (mittleres Bruttojahreseinkommen bei Vollzeitbeschäftigung). Im Vergleich dazu die Männer: 48.150 Euro. Somit verdienen Frauen in Vollzeit um 13 Prozent weniger als Männer.

Am geringsten ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen in Wien: 44.960 Euro verdienen Frauen in der Hauptstadt. Männer verdienen 46.331 Euro.

Im Bundesland Salzburg beträgt der Unterschied bei den Vollzeitkräften 15 Prozent. Am größten
ist der Unterschied in Vorarlberg mit 22 Prozent - Frauen 41.091 Euro, Männer 52.934 Euro.

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