Wirtschaft

Seilbahnen in Salzburg: "Wir müssen pro Jahr 100 Millionen Euro investieren"

Salzburgs Seilbahner lassen nicht locker. 200 Mill. Euro wurden dieses Jahr investiert. In Lifte, Schneesicherheit und Servicebereiche. Es gibt auch Stimmen die sagen, der Trubel werde langsam zu groß. Stimmt das? Dieses Interview ist der Auftakt einer Serie in Kooperation mit dem Netzwerk Winter.

Ein neues Gesicht! Doch es ist das einer guten Bekannten aus der Szene: Die Geschäftsführerin der Zauchensee-Liftgesellschaft trat die Nachfolge von Ferdinand Eder an. Veronika Scheffer ist nun Obfrau der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer. Acht Jahre lang war sie seine Stellvertreterin. Zuvor als Präsidentin die erste Frau an der Spitze von Ski amadé.

Frauen in der rauen Welt der Seilbahner sind eher noch Ausnahmen. Welcher Weg hat Sie dorthin geführt? Veronika Scheffer: Über den Vater, über das Umfeld der Familie. 1980 war ich dann im damals neuen Gebiet Flachauwinkl an der Kassa. Ich bin in Klessheim zur Schule gegangen und ausgebildete Gastronomin. Hab alles von Grund auf gelernt. Im Winter habe ich auf der Skihütte gearbeitet, im Sommer im elterlichen Betrieb, unserem Hotel in Altenmarkt. Eines hat sich zum anderen gefügt im Laufe der Jahre.

Drei Frauen schafften es in Salzburg an die Spitze eines Seilbahnunternehmens. Angela Haslinger als Geschäftsführerin der Hochkönig Bergbahnen, Isabella Dschulnigg-Geissler als Geschäftsführerin bei den Saalbacher Bergbahnen und Sie. Wie hart ist das Brot, das man als Frau zu essen bekommt? Du musst sehr viel arbeiten, um anerkannt zu werden. Der Vorteil als Frau ist, du kannst ohne Probleme jemanden in technischen Dingen um Rat oder Informationen fragen. Männer haben es da mit ihrem Männergehabe untereinander viel schwerer. Ich glaube auf jeden Fall, dass wir Frauen, dass unser Zugang zum Kaufmännischen und unser Denken dem "Dienstleistungsbetrieb Seilbahn" sehr gut tut.

Werden Sie in zwei Jahren bei den Kammerwahlen wieder antreten und sich um dieses Amt bewerben? Ich möchte gern weiterhin in der Kammer mitarbeiten. Vereinbart ist, dass Erich Egger von den Schmittenhöhebahnen antritt und im Falle der Wahl Sprecher unserer Salzburger Seilbahnbranche wird.

Stichwort Branche: Die Seilbahner haben allein heuer im Bundesland 200 Millionen Euro investiert. Bekommen Sie bei derartigen Beträgen nicht in gewissem Maße Angst? Allein 100 Millionen Euro müssen wir pro Jahr investieren, dass alle Auflagen erfüllt und wir am Stand der Technik bleiben. Pro Jahr sind ein oder zwei große Anlagen zu erneuern. 25 Jahre beträgt im Schnitt die Laufzeit.

Aber treiben die Unternehmen nicht selbst den Standard in die Höhe? Wenn man die alten Sessellifte in US-Skigebieten anschaut, muss man sagen, die sind zwar Schnee von gestern, fahren aber auch. Es stimmt, dass wir in Österreich den höchsten Standard haben. Unsere Gäste wollen das und honorieren es ja auch. Und die Regionen konkurrenzieren sich schon auch. Stimmt. Die enorme Summe heuer entstand vor allem durch Langzeitprojekte wie die Verbindung Maiskogel Richtung Kitzsteinhorn in Kaprun und durch die Realisierung des Generationenprojekts Schlossalmbahnen. Aber es wird nicht aufhören. Viele Speicherteiche sind jetzt 20 Jahre alt. Um die weitere Genehmigung zu bekommen, muss da enorm viel Geld in die Hand genommen werden, Geld, das der Gast als Investition ja nicht sieht. Allein die Beschneiung wird immer kostspieliger. Früher wurden Pisten ganz simpel gewalzt. Jetzt werden sie jeden Tag aufgefräst und geformt. Dazu benötigen wir mehr Schnee, den wir in der Regel selbst machen. Der Gast will das Beste. Wir bieten es ihm.

Die Zinsen sind niedrig. Das macht Investitionen leichter möglich, schon seit Jahren. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass bei steigenden Zinsen oder wirtschaftlichen Turbulenzen chinesische oder andere international agierende Investoren auf den Markt in Salzburg drängen, um sich hier ein paar Filetstücke zu sichern? Nein. Die heimischen Banken sind auf unserer Seite. Sie stehen hinter den Regionen. Also die chinesische Gefahr sehe ich deshalb überhaupt nicht. Die Chinesen sind von Salzburg ganz weit weg. Da sind die Regionen, da ist das Land Salzburg in sich zu stark und kompakt. 52 Seilbahnunternehmen gibt es hier bei uns, die entwickeln im Fall des Falles Kräfte und sind solidarisch.

Trotzdem ist die Spirale der Investitionen fast unheimlich. Es ist eine "never ending story". Der Wintertourismus garantiert uns die Wertschöpfung. Der Sommer ist weit weg von vernünftigen Preisen. In Bezug auf Erträge können sich Bergbahn nur dann gut entwickeln, wenn die Betten da sind. Je besser die Hotellerie, je besser die Infrastruktur, desto besser passt dann unser Gesamtpaket.

Aber der Drang nach immer mehr erhöht auch die Stressfrequenz in den Wintersportorten. Ich sehe das gelassen und zweigeteilt. In der Schweiz zum Beispiel ist "Pricing" mittlerweile ein Thema. Das heißt, bei Schönwetter kostet das Ticket mehr. Bei schlechtem Wetter weniger. Wir denken nach, wie wir dieses System für uns adaptieren könnten. Dem Wochengast freilich ist der Ticketpreis an sich unwichtig. Für uns muss am Tagesende in jedem Fall der Umsatz stimmen. Fakt ist: Wir haben eine super Anbindung an den Flughafen, ein gutes Zugnetz, schnelle Routen über die Tauernautobahn. Die Zielgruppe in diesen touristischen Hotspots will den Trubel ja haben. Das eröffnet kleinen Skigebieten Nischen und Chancen. Und: Liftverbindungen wie von Zell am See Richtung Saalbach und Leogang und das geplante Projekt von Wagrain nach Großarl tragen durch die Überbrückung von Bergen zur Verkehrsberuhigung im Tal bei.

Wo sehen Sie den Skitourismus in 15 Jahren? Seilbahnen auf jeden Gipfel, weiße Kunstschneebänder schon ab Oktober auf grünen Wiesen? Das sogenannte Snowfarming wird sicher mehr und mehr zum Thema. Dass man also den maschinenproduzierten oder natürlichen Schnee über den Sommer konserviert. Das Zusatzmittel Snomax hingegen sehe ich in Österreich weiterhin nicht als Thema. Wir wollen das nicht. Die Industrie baut mittlerweile Beschneiungsanlagen, die sich im Null-Grad-Bereich bewegen. Wir Seilbahner wollen mit der Natur pfleglich umgehen und sie erhalten. In Salzburg gibt es ja zudem das klare Abkommen, dass es keine Neuerschließungen mehr geben wird, dafür aber sinnvolle Ergänzungen und Zusammenschlüsse in den Skigebieten. Die wollen wir ja auch mit Maß und Ziel machen. Aber riesige Projekte sind in Salzburg nicht mehr zu erwarten. Und die große Explosion an Gästebetten wird es bei uns auch nicht mehr geben. Wir haben Gott sei Dank große Vielfalt. Diejenigen, die die Ruhe suchen, finden sie bei uns. Die anderen, die im Urlaub den Trubel wollen, bekommen ihn ebenfalls geliefert.

Eine große Aufregung der letzten Jahre legte sich. Nämlich jene um Tourengeher, die auf und am Rande der Pisten unterwegs sind. Man hat offenbar Frieden geschlossen. Ich drücke es so aus: Man ist sich gegenseitig gewöhnt geworden. Liftbetreibern geht es nicht um die Abfahrten der Tourengeher, sondern um den Aufstieg und die Gefahren, die durch unvernünftiges Verhalten entstehen können. Fast alle Gebiete suchen oder haben bereits alternative Aufsteigespuren. Die Tourengeher werden es sich gefallen lassen müssen, dass man ihnen Routen vorgibt, und dass diese Vorgaben dann auch verbindlich sind.

Salzburgs Seilbahnen
Daten & Fakten


In 52 Skigebieten (ohne Kleinstskigebiete mit Schleppliften) gibt es 4700 Hektar Skipisten ( 0,65% der Salzburger Landesfläche), davon sind etwa 85% technisch beschneibar.

Zur Verfügung stehen 412 Seilbahn- und Liftanlagen (86 Seilbahnen, 156 Sesselbahnen, 1 Einsessellift, 166 Schlepplifte, 3 Förderbänder) ; 120 Speicherteiche mit rund fünf Millionen Kubikmeter Wasserinhalt.

Investitionen: Für die kommende Wintersaison wurden 200 Mill. Euro investiert: 130 Mill. Euro für Qualität und Komfort der Seilbahn- und Liftanlagen( 10er-Einseilumlaufbahn (Schlossalm) in Bad Hofgastein; 10er-Einseilumlaufbahn (Maiskogel) Kaprun; 10er- Einseilumlaufbahn (Kohlmais) in Saalbach; 10er-Einseilumlaufbahn (Sonnberg) in Maria Alm; 8er-Sesselbahn (Sendleiten) in Bad Hofgastein; 8er-Sesselbahn (Sonntagskogel) in Wagrain/St. Johann; 8er-Sesselbahn (Asitzmulde) in Leogang; 6er-Sesselbahn (Larmach) in Königsleiten; 40 Mill. Euro für die Erhöhung der Schneesicherheit (Optimierungen, Beschneiungsgeräte, Speicherteiche); 30 Mill. Euro für Pisten, Parkplätze, Pistengeräte und Serviceeinrichtungen
Beschäftigte: Salzburgs Seilbahnunternehmen beschäftigen 2000 Mitarbeiter ganzjährig; im Winter zusätzlich 2500 Saisonbeschäftigte

Aufgerufen am 19.10.2019 um 12:23 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/seilbahnen-in-salzburg-wir-muessen-pro-jahr-100-millionen-euro-investieren-60994375

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