Wirtschaft

Was Arbeiten in Teilzeit für die Pension bedeutet

Die Hälfte der weiblichen Beschäftigten in Salzburg arbeitet in Teilzeit. Sind diese am direkten Weg in die Altersarmut?

50,7 Prozent der beschäftigten Frauen in Salzburg arbeiten in Teilzeit. SN/adobestock
50,7 Prozent der beschäftigten Frauen in Salzburg arbeiten in Teilzeit.

Das Pensionssystem ist grundsätzlich einfach erklärt - wer mehr verdient und länger arbeitet, zahlt mehr ein und erhält somit einen höheren Pensionsanspruch. Die Obergrenze: 5850 Euro pro Monat. Oder wie es Stefan Tausch, Landesstellendirektor der Pensionsversicherungsanstalt, formuliert: "Jeder Euro, der nicht verdient wird, kürzt die Pension."

Vor allem Frauen arbeiten in Teilzeit

Es sind nach wie vor Frauen (in Salzburg 50,7 Prozent, Männer 8,5 Prozent), die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Bei Frauen mit Kindern unter 15 Jahren liegt die Teilzeitquote österreichweit sogar bei 72,8 Prozent. Die Motivforschung zeigt auch, dass ein Teil der Frauen diesen Weg nicht freiwillig einschlagen, Betreuungspflichten gilt es zu erfüllen. Familienleben und Berufsleben lassen sich scheinbar nicht in Einklang bringen.

Ein plakatives Bild zeigt der Blick auf die Durchschnittspensionen: Männer in Salzburg erhalten im Durchschnitt 2377 Euro brutto im Monat. Frauen: 1485 Euro (vorläufige Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt für 2022). Und: Frauen gehen mit 59,7 Jahren früher in Pension als Männer (61,7 Jahren).

Erklärend wirken die Beispiele der Arbeiterkammer Salzburg, was den Pensionsanspruch betrifft:

Beispiel 1:
Eine Frau, die 45 Jahre Vollzeit mit Durchschnittsverdienst (2800 Euro) arbeitet, erhält 2243 Euro brutto Pension.
Beispiel 2: Eine Frau, die nach Geburt ihrer Kinder nur mehr Teilzeit arbeitet (50 Prozent), erhält 1238 Euro brutto.

Beispiel 3: Eine Frau, die nach der Geburt jeweils ein Jahr in Karenz geht, dann insgesamt nur fünf Jahre Teilzeit arbeitet und anschließend wieder Vollzeit einsteigt, muss nur einen geringen Verlust einkalkulieren und erhält 2210 Euro.

Im Durchschnitt arbeiten Frauen in Teilzeit 17,4 Stunden pro Woche. Sind viele Frauen daher am direkten Weg in die Altersarmut, vor allem wenn das Familieneinkommen aufgrund von Trennungen massiv reduziert wird und sie alleinstehend in Pension gehen?

Eva Stöckl, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik in der AK Salzburg, dazu: Besonders hoch sei die Armutsgefährdung bei allein lebenden Frauen in Pension mit 26 Prozent. Bei allein lebenden Männer in Pension beträgt sie 15 Prozent.

"Beteiligung von Vätern wesentlich"

Wie könnte man die Schere bei den Pensionen schließen, ohne Kindererziehung gänzlich auszulagern? "Als Kindererziehungszeiten werden 48 Monate nach der Geburt eines Kindes berücksichtigt", sagt Tausch. Ein fiktiver Beitrag von 2090 Euro gelte als Pensionsbemessungsgrundlage. "Anschließend wäre es schlau, dass einer Vollzeitbeschäftigung nachgegangen wird", merkt Tausch an. Das zeigen auch die Berechnungsbeispiele der AK.

Die Krux dabei: Ein Kind mit vier Jahren benötigt Betreuung. Daher brauche es "ein Angebot an sozialer Infrastruktur", sagt Stöckl. Die sich vor allem auf ein umfangreiches Kinderbetreuungsangebot bezieht. Darüber hinaus könnten vor allem Betriebskindergärten und eine betriebliche Ferienbetreuung zur Schließung der Schere beitragen. Die Beteiligung der Väter sei wesentlich, um es Frauen zu erleichtern, wieder in den Job einzusteigen. Hinzu käme, dass in vielen Unternehmen noch ein kultureller Wandel stattfinden müsse, um auch Frauen in Teilzeit eine Führungsposition zu ermöglichen. "Führungskräfte verdienen auch in Teilzeit mehr - das wirkt sich auf die Pension aus."

Es mangelt an der sozialen Infrastruktur

Zurück zur sozialen Infrastruktur: Genau an dieser mangle es nämlich, sagt Stöckl: Nur rund 42 Prozent der elementaren Bildungseinrichtungen in Salzburg seien überhaupt mit einem Vollzeitjob beider Elternteile vereinbar. Im Umkehrschluss bedeutet das: 328 Einrichtungen in Salzburg sind nicht mit einem Vollzeitjob vereinbar, da sie beispielsweise keine berufsfreundlichen Öffnungszeiten anbieten oder mehr als fünf Wochen im Jahr geschlossen halten. Erhebungen der AK würden zeigen: "Je besser das Kinderbetreuungsangebot in einer Gemeinde ist, desto höher ist die Erwerbsbeteiligung", sagt Stöckl.

Zur Wirtschaft: In allen Branchen herrscht akuter Arbeitskräftemangel, könnten Frauen das ändern? Lorenz Huber, Bereichsleiter Sozial- und Arbeitsrecht in der WKS, sieht bei Frauen in Teilzeit "eines der wichtigsten Potenziale, um dem Fachkräftemangel zu begegnen". Der Wandel des Arbeitsmarkts vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt würde dazu beitragen, dass Unternehmen immer flexibler agieren würden und ihren Beschäftigen entgegenkämen, was eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung ermögliche. Wichtig sei für Huber zu betonen: "Wir möchten keine Mutter zwingen, die Betreuungseinrichtungen frühzeitig zu nutzen, Freiwilligkeit muss gewährleistet sein."

Schnelle Rückkehr aus der Teilzeit schützt vor Altersarmut

Fakt sei aber auch, dass eine schnellere Rückkehr aus der Teilzeit gegen Altersarmut verbeuge. Deshalb trete die Wirtschaftskammer gemeinsam mit der AK für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ein.

Was eine geringe Erhöhung des Teilzeitstundenausmaßes bewirken könnte, hat man in der AK ausgerechnet: Durchschnittlich würden Frauen in Teilzeit 17,4 Stunden pro Woche arbeiten. Die Aufstockung um nur eine Stunde würde bei 70.000 Teilzeitbeschäftigten ein zusätzliches Beschäftigungsvolumen von rund 1800 ganzjährigen Vollzeitarbeitsplätzen ergeben.

Einen weiteren Aspekt zur Problemlösung bringt Tausch ins Spiel: "Es braucht mehr Anreize, um über das tatsächliche Regelpensionsantrittsalter hinaus zu arbeiten." Das bessere das Pensionskonto auf.

Ob das Pensionssystem all dem überhaupt standhalten kann? "Es wurde stets schlechtgeredet, der Kollaps ist jedoch nie eingetreten", sagt Tausch.

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