Salzburger Festspiele

Festspiel-Besucherzentrum kommt, aber noch fehlt Geld

Ein Glas-Pavillon im Hof des Schüttkastens samt unterirdischem Saal für die Festspiele ist fix geplant. Damit der Bau 2021 starten kann, sucht man noch Sponsoren.

Seit 1987 wird der ehemalige Schüttkasten hinter der Pferdeschwemme am Karajan-Platz von den Festspielen genutzt - etwa als Kartenbüro. "Wir haben seit Jahren auch das daneben liegende Café Niemetz im Auge gehabt, weil wir aus allen Nähten platzen", sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Denn der Wunsch nach einem Besucherzentrum bestehe schon lange. Weil sich herausgestellt habe, dass das Café-Gebäude ohnehin nicht schützenswert sei und die Betreiberfamilie per Ende Jänner 2019 ihren Mietvertrag gekündigt habe, "haben wir beschlossen, dass wir diese Räume erobern wollen", sagt sie launig. Daher wurde im Sommer ein Architekturwettbewerb, zu dem sechs Büros geladen wurden, gestartet. Das Ergebnis wurde am Donnerstag vorgestellt: Das Siegerprojekt stammt vom Büro Marte.Marte Architekten aus Feldkirch. Warum es den Juryvorsitzenden Ernst Beneder, der auch den hiesigen Gestaltungsbeirat leitet, überzeugt hat? "Es sieht eine Schleifung des Cafés sowie der Gebäude dahinter vor - samt Freistellung der historischen Prospektwand zur Pferdeschwemme hin." So sei "der gordische Knoten durchschlagen" worden und man schaffe 730 m2 an zusätzlicher Nutzfläche.

Die geplanten Bauten bestehen aus drei Teilen: Zentrales Element ist im Hof des Schüttkastens ein 5,5 Meter hoher gläserner Pavillon mit einem Metalldach in Messingoptik. Teil zwei sind Drehtore, die mit einem perforierten Metallgewebe überzogen sind - ebenfalls in Messingoptik - und den Hof zur Stadt hin öffnen sollen. Nachts oder bei Veranstaltungen nur für geladene Gäste werden sie geschlossen. Teil drei ist ein unterirdischer Saal mit 290 m2 und bis zu 250 Sitzplätzen, der samt seinem Foyer über eine hölzerne Wendeltreppe erschlossen wird.

Die künftige Nutzung beschreibt Architekt Stefan Marte so: "Der Hof mit dem Pavillon soll ein Treffpunkt für die Gäste sein und auch ein Café enthalten." Die Räume im Schüttkasten sollen zu einem "repräsentativen Bereich für das Ticketing" umgebaut werden - samt Callcenter mit einem gehobenen Entree sowie Räumen für den Verein Freunde der Festspiele. Der Saal im neuen Untergeschoß solle für Vorträge oder Galaveranstaltungen genutzt werden können, sagt Marte.

Die Kostenschätzungen belaufen sich laut Festspielfinanzchef Lukas Crepaz "auf einen höheren einstelligen Millionenbetrag". Weil dieser "noch nicht zur Gänze finanziert" sei und man nur private Gelder verwenden wolle, gebe es auch noch keinen Termin für den Baustart, betonte er. "Denn die Gelder der öffentlichen Hand brauchen wir dringend für die anstehende Generalsanierung der Festspielhäuser", ergänzte Rabl-Stadler.

Die Präsidentin hat aber dennoch ein konkretes zeitliches Ziel: "Bis Ende 2020 wollen wir das Projekt baureif bekommen." Dann könne, die Finanzierung vorausgesetzt, die Baustelle 2021 starten. Laut Architekt Stefan Marte wird die Bauzeit, je nach Länge der festspielbedingten Pausen, 1,5 bis zwei Jahre dauern. So wäre das Projekt im Idealfall 2023 fertig

Aufgerufen am 27.10.2020 um 09:45 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/festspiel-besucherzentrum-kommt-aber-noch-fehlt-geld-84082810

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