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Sängerin Elsa Dreisig über die "Così " in Salzburg: "Ich wusste, da passiert etwas Besonderes"

Sopranistin Elsa Dreisig singt auch heuer in der "Così fan tutte". Der Druck, am Vorjahreserfolg anzuknüpfen, ist groß.

Die Inszenierung von Mozarts Oper "Così fan tutte" aus dem Salzburger Festspielsommer 2020 blieb nicht nur dem Publikum in Erinnerung. Elsa Dreisig, die dänisch-französische Sopranistin, wurde für ihre Darbietung als Fiordiligi diese Woche mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis als beste Darstellerin ausgezeichnet. Am Freitag ist die Premiere der Wiederaufnahme.

Frau Dreisig, Sie wären wegen eines Mountainbike-Unfalls fast nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig zu den Proben in Salzburg zu sein. Was ist passiert? Elsa Dreisig: Ja, es war aufreibend. Ich bin in den Bergen mit dem Fahrrad gestürzt und dabei mit dem Gesicht den Boden entlanggerutscht. Ein Baum hat mich gestoppt. Ich hatte aber großes Glück, denn ich habe mich nur am Kinn verletzt. Das musste genäht werden. Eine Woche konnte ich nicht singen, aber nun ist alles wieder gut.

Das wäre für Regisseur Christof Loy eine Herausforderung gewesen, Sie neu zu besetzen, ist doch das Quartett aus Ihnen, Marianne Crebassa, Bogdan Volkov und Andrè Schuen hoch gelobt worden. Es wäre natürlich möglich, neue Sänger zu finden, aber für uns wäre das schade, wenn einer fehlen würde. Ich fühle mich mit diesen Menschen so verbunden. Ich will nicht nur "Così fan tutte" singen, sondern die "Così" mit den dreien, aber auch mit Johannes Martin Kränzle und Lea Desandre (als Don Alfonso und Despina, Anm.).

Haben Sie im vergangenen Jahr schon während der Proben gewusst, dass dies ein Erfolg werden könnte? Ja, ab der ersten Woche haben wir gemerkt - oh, là, là, da passiert etwas ganz Besonderes. Auch in der Zusammenarbeit mit Regisseur Christof Loy. Wir haben immer zusammengegessen, waren wie eine Familie. Der Abschied am Ende des Sommers war schwer. Vielleicht werde ich das noch einmal mit anderen Kollegen in einem anderen Stück erleben, aber sicher nicht oft. Und das hat auch das Publikum gespürt, dass das besonders war.

Wie schnell haben Sie heuer in die Stimmung zurückgefunden? Heuer ist es anders, wir sind viel lockerer. Die Magie des Unbekannten, etwas gemeinsam neu zu entdecken, ist natürlich nicht mehr da bei einer Wiederaufnahme. Aber es ist schön, wieder miteinander zu arbeiten. Die Gefühle sind wieder aufgekommen. Und ich freue mich darauf, die Partie vier Mal zu singen.

Wie groß ist der Druck, an den Erfolg anzuknüpfen? Für mich ist der Druck groß. Die Partie ist sehr schwer und sie wird nicht einfacher. Ich denke mir immer vor einer Premiere: Bekomme ich das hin? Vor allem, wenn ich weiß, dass das Publikum letztes Jahr zufrieden war, möchte ich, dass das auch dieses Jahr so ist. Dazu bin ich ein Jahr älter und reifer, dann müsste es noch besser sein.

Sie haben gesagt, Sie hätten die Figur der Fiordiligi mit dem Regisseur entwickelt. Was haben Sie eingebracht? Mir war klar: Fiordiligi war keine Jungfrau, kein naives, ängstliches Mädchen mehr. Zum Beispiel in der Szene, in der die zwei neuen Männer auftauchen, wollte ich lachen. Denn sonst beginnt es gleich damit, dass die Frauen hysterisch erschrecken. Das ist aber nicht modern und nicht komplex. Deshalb habe ich mich mit Christof Loy so gut verstanden, denn er hat gemerkt, ich bin flexibel, aber ich habe auch meine eigenen Gedanken dazu.

Wenn man das Libretto liest und die Musik hört, merkt man: Die Frauen sind super stark. Und am Ende sind auch die Männer in eine Falle getappt. Die Frauen haben auch schlechte Gedanken, können gemein und schwach sein. Sie müssen nicht als perfekte Figuren auf der Bühne stehen, aber immer als komplexe mit unterschiedlichen Schattierungen, die sich im Lauf der Geschichte wandeln. Denn das ist für das Publikum interessant, wenn eine Reise dargestellt wird.

Sie sind in einer Sängerfamilie groß geworden. Warum wollten Sie zunächst in Paris Schauspiel studieren? Das kam auch von dem Gedanken, Opernsängerin zu werden. Die Oper war immer mein Leben, es gab nichts anderes. Aber ich wollte nie eine Sängerin sein, die nur auf der Bühne steht und ihre Arien singt. Die Stimme ist zwar im Fokus, aber mein Ziel ist, stimmlich eine so gute Technik zu entwickeln, dass ich auch darstellerisch präsent sein kann. Maria Callas ist hier mein Vorbild. Ich möchte nicht wie eine Puppe über die Bühne gehen, sondern auf natürliche Weise.

Sie haben im Jänner an der Staatsoper Hamburg die Titelpartie in "Manon" gesungen. Es war eine coronakonforme Inszenierung, die Premiere wurde gestreamt. Wie war das für Sie? Es war spannend zu wissen, dass die Kamera sehr nahe heranfilmt, um die Ausdrücke einzufangen. Das Publikum im Saal ist oft so weit weg, dass es nicht die Mimik der Sänger erkennen kann. Es war, als würden wir einen Film drehen.

Würden Sie gern in die Filmbranche wechseln? Ich würde gern einmal in einem Film oder in einem Theaterstück mitspielen. Daher arbeite ich daran, meine Präsenz weiterzuentwickeln. Denn man weiß nie, was kommt.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 05:23 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/saengerin-elsa-dreisig-ueber-die-cos-in-salzburg-ich-wusste-da-passiert-etwas-besonderes-107606797

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