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Ein "Gartenloft" als Zukunftskonzept

Neue Konzepte. Der Hausbau der Zukunft wird wesentlich mehr sein, als die bloße Errichtung von Gebäudehüllen. Integrierte Konzepte berücksichtigen Haustechnik ebenso wie den sinnvollen Umgang mit dem Thema Energie.



"Niemand würde erwarten, dass eine Gruppe ungelernter Kräfte in Ihrem Garten ein Auto zusammenbaut", sagt Thomas Lenzinger: "Aber in der Bauindustrie ist das noch heute der Fall." Lenzinger ist Vorstand von Griffner und auf der Suche nach neuen Bau- und Wohnkonzepten. Denn, so die Überlegung Lenzingers, aufgrund der EU-Gebäuderichtlinie werde in dieser Branche in den nächsten Jahren und Jahrzehnten buchstäblich kein Stein auf dem anderen bleiben. Die EU-Vorgaben würden in jede Bauordnung einfließen.

Und dann sind intelligente Konzepte gefragt, die mehr beinhalten als die bloße Errichtung einer Gebäudehülle. "So wie heutzutage kein Auto ohne Autoradio mehr verkauft wird, werden auch die künftigen Häuser bereits von Beginn an mit BUS-Systemen, intelligenten Elektrogeräten und passender Haustechnik ausgestattet sein. Hausbau wird eine Sache für interdisziplinäre Teams", ist der Griffner-Chef überzeugt.

EnergiemanagementAllein das Thema Energiemanagement werde viele neue Aspekte hervorbringen, die weit über die Frage der Dämmung oder Heizleistung hinausgehen. "Wir forschen beispielsweise mit der Firma Miele daran, wie man die Überschussenergie der Haushaltsgeräte in den Gesamtenergiehaushalt des Hauses rückführen kann", sagt Lenzinger. Auch das Thema "Plusenergiehaus" steht auf seiner Agenda, auch wenn es hier noch an einem einheitlichen Begriff fehle. Die Zukunft liegt demnach nicht in einzelnen freistehenden Häusern, sondern in energieautarken Siedlungen, die entsprechend geplant und gebaut werden. Bei der Umsetzung sind die Raumplaner ebenso gefragt wie Architekten und Bürgermeister.

Erst durch das Zusammenspiel von vielen Faktoren kann man so ganze Quartiere planen, die über das Jahr gerechnet mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Hier kommt zusätzlich der Faktor Mobilität ins Spiel.

Wie Ansätze für solche Siedlungshäuser aussehen könnten, präsentiert Griffner in Seekirchen. Dort wurden zwei vom Salzburger Gerold Peham entworfene "Smart-Lofts" errichtet.

Loftartiges Wohnen"Der Grundgedanke war, die Raumnutzung optimal zu gestalten und offenes, luftiges und loftartiges Wohnen zu ermöglichen", sagt Peham. "Es gibt kein Stiegenhaus, keine großen Vorräume, dafür ein Rastersystem, mit dem die Häuser erweiterbar sind."

Konkret handelt es sich um einen schräg gestellten Baukörper aus Holz, Kork und Zellulosedämmung, dessen großer Wohnraum nach Süden ausgerichtet ist. "Der tragende Teil ist ein Brettstapelholzkern", sagt Peham. Durch die integrierte Zellulosedämmung können außen verschiedene Fassadensysteme verwendet werden, von Putz über Holzschindeln bis zu bedruckten Folien.

Das Haus gibt es in vier verschiedenen Breiten, die Seitenteile sind jeweils gleich. "Das ermöglicht einen kompakten Siedlungsbau oder auch Reihenhäuser, die stufig oder gerade verbunden sind", erklärt der Planer.

Die Neigung des Hauses ist so konzipiert, dass auf dem gesamten Pultdach Photovoltaikzellen quasi "unsichtbar" integriert werden können. Auch dadurch will man dem Ziel eines Plusenergiehauses näherkommen.

Vorgefertige ModuleFür Griffner-Chef Lenzinger sind die nun errichteten beiden Smart-Lofts ein Beispiel, wie künftig gebaut werden könnte: "Es gibt hier einen hohen Vorfertigungsgrad, was die Bauzeit wesentlich verkürzt." Ein fixer Versorgungskern, in dem alle wichtigen Leitungen und Anlagen bereits integriert sind, bilden das Herz des Hauses. Durch die nur eineinhalbgeschoßige Bauweise und den Verzicht auf einen Keller könnten die Häuser auch in sensiblen Gebieten ohne großen Eingriff in die Natur errichtet werden. Lenzinger: "Mit dem Smart-Loft distanzieren wir uns bewusst von gängigen Fertighäusern, aber auch von den Architektenhäusern."

Aufgerufen am 21.01.2022 um 03:14 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/ein-gartenloft-als-zukunftskonzept-5718949

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