Eishockey

Die Eishockey-Liga sucht jetzt Plan B

Aufregung im heimischen Eishockey: Nach 17 Jahren steigt die Erste Bank als Sponsor der Eishockey-Liga und des Nationalteams aus - Auch ServusTV beendet die Partnerschaft.

Wie geht es nach dem Ausstieg des Hauptsponsors in der Liga weiter? SN/GEPA pictures
Wie geht es nach dem Ausstieg des Hauptsponsors in der Liga weiter?

Die schlechte Nachricht zeichnete sich schon im Frühjahr und just auf den Wirtschaftsseiten ab: Gernot Mittendorfer, Präsident des Österreichischen Eishockey-Verbandes und als Vorsitzender des Austrian Hockey Board für die Entwicklung verantwortlich, verlor den internen Machtkampf um die Nachfolge von Andreas Treichl als Vorstandschef in der Erste Bank und verließ daraufhin nach amikaler Lösung die Bank.

Was das mit dem 2020 auslaufenden Sponsoring der Erste Bank für die Eishockey-Liga zu tun hat, wollte er auf SN-Anfrage im August noch nicht erörtern ("Wir haben noch Zeit und sind in weiteren Verhandlungen"), doch schon damals dürften die Würfel gefallen sein.

Denn nun sickerte durch Indiskretionen durch, was die Clubs vor zwei Wochen erfahren haben: Die Erste Bank steigt nach 17 Jahren als Liga-Sponsor aus und zieht sich auch als Hauptsponsor vom Nationalteam zurück - und weil meist aller schlechten Dinge drei sind, steigt nach diesem Jahr auch Servus TV als Free-TV-Partner aus, auch wenn die Partien im Grunddurchgang schon zuletzt nur mehr im Internet zu sehen waren.

Durchgesickert sind die Informationen, weil sich die acht heimischen Teams am heutigen Montag informell in Salzburg treffen wollen, um über die Situation zu beraten. Am kommenden Mittwoch will sich die (noch Erste Bank-)Liga dann ihrerseits offiziell zum Thema äußern. "Ärmel hochkrempeln und einen neuen Partner suchen", meinte Liga-Geschäfstführer Christian Feichtinger, der der Bank für die lange Treue dankte und den Clubs schon bald "einen ganz klaren Plan" vorlegen will.

Der Dreifach-Schlag für das heimische Eishockey kommt aber zu einem schlechten Zeitpunkt: Mitte Juli stellte heuer Liga-Präsident Peter Mennel überraschend sein Amt zur Verfügung - ein Rücktritt, der im Licht der jüngsten Entwicklungen zumindest interessant erscheint. Dazu scheiterte die Liga nach der Pleite von Zagreb mit der Aufnahme eines zwölften Clubs.

Dank der Zahlungen der Erste Bank (kolportierte zwei Millionen Euro pro Saison) konnten Liga und Nationalteam ein äußerst professionelles Umfeld gestalten - vom Marketing bis hin zum Strafausschuss DOPS. Daran hing aber nicht nur die Erste Bank Liga, sondern auch die vom Liga-Büro verwaltete zweite Liga, die Alps Hockey League. Die einzelnen Teams der ersten Liga bekamen bis zu 150.000 Euro Bonuszahlungen. Noch schlimmer trifft es den Verband: Die Sponsorgelder sorgten für Nachwuchs- und Entwicklungs-Camps sowie für ein sechswöchiges Teamcamp der Nationalmannschaft - das alles scheint in der Form gefährdet.

Der Verband reagierte Sonntag mit einer Stellungnahme: "Dass alle Verträge eine vorgegebene Laufzeit haben, steht einer Weiterentwicklung des Produktes Eishockey in Österreich aber nicht im Wege (...) Über weitere Möglichkeiten unserer Kooperation, die über die befristete Vertragslaufzeit hinausgehen, wird es Gespräche zwischen dem ÖEHV und der Erste Bank noch in diesem Jahr geben. " Würden alle Vertragsoptionen eingehalten, würde der Vertrag mit der Erste Bank noch bis Ende der Saison 2020/2021 gelten.

Die Clubs nahmen die Aufregung ein Stück weit gelassen hin. Man werde sehen, ob die Liga einen Plan B habe. Und auch das Ende der langjährigen Partnerschaft mit ServusTV sieht man nicht als echtes Problem: Die Verschiebung der Partien in das Internet sei schon zuletzt nicht zufriedenstellend gewesen.

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