Bundesliga

Chaos beim LASK: Erfolgstrainer Ismaël muss gehen

Paukenschlag bei Fußball-Bundesligist LASK: Valérien Ismaël ist laut Informationen von Sky Sport Austria nicht mehr Trainer der Linzer. Vizepräsident Jürgen Werner dürfte hingegen weitermachen.

Valérien Ismaël  SN/GEPA pictures
Valérien Ismaël

Ismaël hatte die Verantwortung für den Verstoß gegen Corona-Trainingsbedingungen im April und Mai ebenso wie Vizepräsident Jürgen Werner auf sich genommen. Dennoch schienen personelle Konsequenzen der Causa ausgeschlossen. Ismaël selbst hatte bekräftigt, "zu hundert Prozent" beim LASK zu bleiben. Nun dürfte alles anders sein. In der internen Saisonanalyse dürften sich bereits bestehende Gräben zwischen der Vereinsverantwortlichen vertieft haben.

Co-Trainer als Auslöser?

Insider berichten, dass Intrigenspiele im Mitarbeiterstab zum endgültigen Zerwürfnis führten. Ein Co-Trainer soll versucht haben, sich selbst auf den Cheftrainerposten zu hieven. Präsident Siegmund Gruber hat laut Insidern dieser Variante etwas abgewinnen können. Der Bruch mit Jürgen Werner, dem Architekten des sportlichen Erfolgs der vergangenen Jahre, schien unvermeidlich. Werner hat im Vorjahr Ismael, den er aus seiner Zeit als Spielerberater gut kannte, als Nachfolger von Oliver Glasner durchgesetzt und wurde durch eine sensationelle Herbstsaison bestätigt. In einer Krisensitzung am Freitag soll zumindest der Vizepräsident einen Rückzug vom Rückzug unternommen haben. Die Tage von Ismaël, der auch in der Mannschaft nicht mehr hundertprozentigen Rückhalt haben soll, dürften aber gezählt sein.

Eine Stellungnahme des LASK zu den brisanten Personalien stand auch am Samstag früh noch immer aus. Medienverantwortliche des Clubs sind nicht erreichbar, Teammanager Georg Hochedlinger wollte dazu vorerst keine Stellungnahme abgeben. Vom Vorzeigeclub zur Chaos-Partie dauerte es in Linz nur wenige Monate.

Der LASK hätte die Meistergruppe der Bundesliga nach einem starken Herbst als Tabellenführer begonnen und dazu in der Europa League das Achtelfinale erreicht, wo nach einem 0:5 gegen Manchester United das Aus praktisch besiegelt ist.

In der Coronapause hielten die Oberösterreicher dann in Pasching ein unerlaubtes Mannschaftstraining mit mehr als den damals zugelassenen je fünf Spielern in einer Gruppe ab, was durch versteckte Kameras aufflog. Nach einem Urteil der Bundesligagremien erhielt der Club eine Geldstrafe aufgebrummt und vier Punkte abgezogen. Der LASK fiel in der Folge noch auf Platz vier zurück.

Beim Protest gegen das Urteil verzichtete der Verein auf die letzte Instanz, den Gang zum Neutralen Schiedsgericht. Der Imageschaden für die Linzer, die sich schon mit der Trainingsschummelei viele Feinde gemacht hatten, wäre mit einem weiteren Instanzenzug noch größer geworden. Die Entscheidungen über Österreichs Europacupstartplätze hätten noch Wochen auf sich warten lassen. Der Druck auf Präsident Gruber, das Urteil zu akzeptieren war groß - dem Vernehmen nach auch aus der Politik. Und die hat mit dem geplanten Stadionausbau auf der Gugl einen wesentlichen Trumpf im Ärmel. Vor wenigen Tagen scheiterte zudem eine von Siegmund Gruber forcierte Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof wegen der Trainingsbeschränkungen.

Aufgerufen am 04.08.2020 um 02:06 auf https://www.sn.at/sport/fussball/bundesliga/chaos-beim-lask-erfolgstrainer-ismael-muss-gehen-90006811

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