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Fußball: Salzburg in Leipzig zum Rendezvous mit der Vergangenheit

Die Europa-League-Reise nach Leipzig bringt Salzburg ein pikantes Stelldichein mit der Vergangenheit. Denn am Donnerstag (21.00 Uhr) treffen zwei Fußball-Teams aufeinander, die einst unter dem gleichen Flügelpaar kickten. Jenem von Red Bull, das seit der Entflechtung in Leipzig als Eigentümer, in Salzburg "nur" noch als Sponsor auftritt. Wettbewerbsverzerrung? Die UEFA sagt 'nein'.

Neun Jahre und zweieinhalb Monate ist es auch schon wieder her, als sich Red Bull erstmals öffentlich in Deutschland als Mitspieler im professionellen Fußballgeschäft vorstellte. Red Bull hatte im Sommer 2009 den ostdeutschen Fünftligisten SSV Markranstädt übernommen und in der Folge als Rasenballsport Leipzig weitergeführt.

Das große Ziel Bundesliga konnte der Club dann im Jahr 2016 erreichen. Leipzig spielt seither mindestens im vorderen Drittel der Liga mit. Die logische Konsequenz daraus war die Teilnahme an Europapokal-Bewerben.

Und das war natürlich spätestens vor dem Sommer 2017 eine große Frage auf: Dürfen Österreichs Meister Salzburg und Leipzig, das sich eben als Aufsteiger zur deutschen Vizemeisterschaft gespielt hatte, gleichzeitig im Europacup antreten?

Die von den UEFA-Regularien im Sinne der Wettbewerbsintegrität geforderte formale Trennung der beiden Clubs hatte man im Hinblick auf den Höhenflug der Leipziger schon davor angegangen und bereits 2016 als abgeschlossen bezeichnet. Tatsächlich gab die Finanzkontrollkammer für Clubs (CFCB) im Juni 2017 Grünes Licht - allerdings erst nach einer Entscheidung des CFCB-Schiedsgerichts. Dieses kam zum Schluss, dass Red Bull keinen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungen beider Clubs ausüben könne bzw. einer der beiden Vereine relevante Entscheidungen im jeweils anderen entscheidend beeinflussen könne. Kritiker führten die Entscheidung prompt auf "schwammige" Formulierungen in den Regularien zurück.

Als wenn schon nicht alles, dann jedenfalls als vieles begann: Mit dieser Mannschaft ging Rasenballsport Leipzig im Sommer 2009 in die Saison. Als Fünftligist.  SN/gepa pictures/ felix roittner
Als wenn schon nicht alles, dann jedenfalls als vieles begann: Mit dieser Mannschaft ging Rasenballsport Leipzig im Sommer 2009 in die Saison. Als Fünftligist.
Leipzig heute: Diese Mannschaft betrat am 15. September 2018 in der 3. Runde der Fußballbundesliga das Spielfeld.  SN/gepa pictures/ sven sonntag
Leipzig heute: Diese Mannschaft betrat am 15. September 2018 in der 3. Runde der Fußballbundesliga das Spielfeld.

Klar ist, dass sich die personellen Verflechtungen lange Zeit recht eng gestalteten - auf allen Ebenen. So wechselten alleine zwischen 2012 und 2017 16 Spieler von Salzburg nach Leipzig. Derzeit stehen mit Peter Gulacsi, Dayot Upamecano, Stefan Ilsanker, Kevin Kampl, Marcel Sabitzer und Konrad Laimer sechs ehemalige Salzburger im EL-Kader Leipzigs.

Dessen aktueller Trainer Ralf Rangnick agierte zwischen 2012 und 2015 an beiden Standorten als Sportdirektor - noch heute trägt Salzburgs Ausrichtung die Handschrift des 60-Jährigen. Oliver Mintzlaff, nunmehr Leipzigs Geschäftsführer, kümmerte sich einst als "Head of Global Soccer" da wie dort um die Umsetzung von Red Bulls Vorstellungen.

Einst in Salzburg, dann in Leipzig

Roman Wallner Winter 2012
Georg Teigl Sommer 2014
Stefan Hierländer Sommer 2014
Thomas Dähne Sommer 2014
Yordy Reina Winter 2015
Rodnei Winter 2015
Peter Gulasci Sommer 2015
Stefan Ilsanker Sommer 2015
Marcel Sabitzer Sommer 2015
Massimo Bruno Sommer 2015
Nils Quaschner Sommer 2015
Benno Schmitz Sommer 2016
Naby Keita Sommer 2016
Bernardo Sommer 2016
Dayot Upamecano Winter 2016
Konrad Laimer Sommer 2017
Kevin Kampl Sommer 2017
Amadou Haidara Winter 2018 ?

Dass Salzburgs Urgestein Andreas Ulmer in der Champions-League-Quali 2016/17 in Lettland irrtümlich mit einem Leipziger Trikot spielte, setzte dem ganzen die anekdotische Krone auf.

Das Verhältnis der beiden Clubs beschäftigte freilich nicht nur im Sommer 2017 die UEFA, sondern schon seit der Gründung von RasenBallsport Leipzig 2009 auch Fans und Beobachter. Damals erwarb der Getränkehersteller die Lizenz des SSV Markranstädt und startete von der fünften Spielklasse seinen Angriff auf die deutsche Bundesliga.

Angesichts der Größenverhältnisse kam in Österreich schnell der Verdacht auf, Salzburg würde zu Leipzigs Farmteam herabgestuft werden. Das "Verschieben" von Spielern zwischen Leipzig und Salzburg heizte den Verdacht an. Tatsächlich begründete Trainer Adi Hütter seinen Abgang 2015 etwa damit, kein "Ausbildungstrainer" sein zu wollen. "Die Art und Weise, wie Salzburg von Leipzig kaputtgemacht wird, finde ich schade", sagte ein Jahr später der einstige Salzburg-Verteidiger Martin Hinteregger nach seinem Wechsel zu Augsburg.

Man kann die Sache freilich auch von der anderen Seite betrachten. Selbst wenn der Sponsor das Budget aufgrund des von der UEFA geforderten "Financial Fairplay" nicht mehr auf eine glatte Null bügeln kann, ist Salzburg in Österreich finanziell und sportlich stärker als je zuvor - nicht zuletzt dank einer konsistenten Ausbildungs- und Transferpolitik. Die Herzen der Fans wird man weiterhin nicht im Sturm erobern. Dennoch wären manche Vereine vermutlich froh, so "kaputt" zu sein.

Ein Spiel auf drei Kanälen

Das Spiel zwischen den beiden Mannschaften beginnt am Donnerstag um 21 Uhr. Mehr als 1000 Salzburger werden "ihr" Team im Leipziger Stadion anfeuern. Im Free-TV ist die Begegnung auf Puls4 sowie auf RTL Nitro zu sehen. Der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN hat das Red-Bull-Duell ebenfalls im Angebot. Als Alternative gäbe es dort allerdings auch F91 Düdelingen vs AC Mailand zu sehen.

Quelle: APA

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