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Windtner: Nationalstadion außerhalb Wiens möglich

ÖFB-Präsident Leo Windtner bringt neuen Schwung in die verfahrene Diskussion um ein Nationalstadion für Österreichs Fußball. Dabei überrascht er mit Überlegungen, eine Arena samt Trainingszentrum außerhalb von Wien zu bauen.

Länderspiel im Ernst-Happel-Stadion in Wien.  SN/gepa pictures/ philipp brem
Länderspiel im Ernst-Happel-Stadion in Wien.

Im Interview mit dem "profil" sagt Leo Windtner: "Burgenland und Niederösterreich sind adäquate Regionen - wobei eine Anbindung an den Flughafen Schwechat gegeben sein muss." Damit käme etwa der Raum Parndorf in Frage.

Windtner reagiert damit auf die Zurückhaltung der Wiener Stadtpolitik in der Stadionfrage. Die Diskussion um einen Umbau des Happelstadions oder einen Neubau dreht sich bereits seit einigen Jahren im Kreis.

Der Denkmalschutz für die altehrwürdige Arena aus den 1930er-Jahren spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Frage der Trainingsplätze. Bei Länderspielen in Wien muss sich der ÖFB regelmäßig bei Rapid oder Austria einmieten, um sich optimal vorbereiten zu können. Auch die Büroräumlichkeiten des ÖFB im Happelstadion platzen längst aus allen Nähten.

Der Zustand der Infrastruktur ist laut Leo Windtner mittlerweile beschämend:

"Von 55 UEFA-Nationen rangiert Österreich unter den letzten 15, was die Infrastruktur der Fußballverbände betrifft. Montenegro, Mazedonien und Albanien haben moderne Trainingszentren und Stadien. Bei uns fehlen neben dem Nationalstadion sowohl das Trainingszentrum als auch ein adäquates Headquarter."

Während etwa Baku (jüngst Schauplatz des Europa-League-Finales), Budapest oder Dublin mit modernen Stadien bei der EURO 2020 Endrundenspiele erleben, war Wien mit dem veralteten Oval im Prater kein Kandidat. Beworben hat sich auch Nord-Mazedonien mit der Arena Philip II. in Skopje. Dort können Marko Arnautovic und Co. ein hochmodernes Stadion bewundern, wenn Österreich am Pfingstmontag in der Qualifikation auf die Gastgeber trifft.

Mit Sportminister Heinz-Christian Strache ist dem Präsidenten zuletzt ein Befürworter eines Umbaus abhanden gekommen. Aber auch mit dem FPÖ-Vizekanzler waren die Fronten zwischen Bund und Stadt Wien verhärtet. Bereits Straches Vorgänger als Sportminister, Hans-Peter Doskozil (SPÖ), hatte zusammen mit Windtner in der Causa Druck auf Wien gemacht. In seiner nunmehrigen Funktion als Landeshauptmann des Burgenlandes könnte das Stadionprojekt nun wieder bei ihm landen.

Der Umbau des Happel-Stadions in eine zeitgemäße Fußballarena war anlässlich der EURO 2008 ins Auge gefasst worden. Doch das Projekt scheiterte. Mit ein Grund dafür waren laut dem damaligen ÖFB-General Alfred Ludwig die langwierigen Diskussionen um die Stadionpläne des seinerzeit noch als Fußballmäzen aufgetretenen Großindustriellen Frank Stronach. Der Magna-Boss träumte öffentlich von einer großen Fußballarena in Rothneusiedl in Wien-Favoriten.

Stonachs Pläne lösten sich danach aber in Luft auf. Das Happel-Stadion blieb. Und es blieb das alte Stadion, obwohl Adaptionen für die EURO fast 40 Millionen Euro verschlangen.

Zumindest für die nächsten zwei Heimspiele muss das Nationalteam nicht in die ungeliebte Arena. Kommenden Freitag (7. Juni) wird in Klagenfurt gegen Slowenien gespielt, am 6. September ist die Salzburger Red-Bull-Arena Schauplatz der Begegnung mit Lettland.

Aufgerufen am 22.09.2020 um 07:18 auf https://www.sn.at/sport/fussball/nationalteam/windtner-nationalstadion-ausserhalb-wiens-moeglich-71123476

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