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Christopher Hörl auf exotischer Ski-Mission

Neustart für Moldawien: Der Saalfeldener Skifahrer Christopher Hörl geht einen ungewöhnlichen Weg.

Am Sieg von Aksel Lund Svindal bei der Abfahrt von Gröden war längst nicht mehr zu rütteln, als sich mit Nummer 72, als letzter Starter des Feldes, noch ein Saalfeldener die berüchtigte Saslong hinabstürzte. Der 16. Dezember war der Tag des ersten Weltcup-Einsatzes von Christopher Hörl (28). Er trägt den Anzug des Skiteams Moldawien. Seit dieser Saison ist er als neuer Doppelstaatsbürger für das südosteuropäische Land einsatzberechtigt.

Am Anfang dieser Geschichte steht der Schmerz. Im März 2015 stürzte Hörl bei einem FIS-Super-G in Krvavec (Slowenien), die Saison war für ihn mit einem Bänderriss im Mittelfußknochen vorbei. Bei der Erstversorgung dabei: Hans Frick aus Fieberbrunn, gleichzeitig Direktor des moldawischen Skiteams. "Er hat gesagt: Christopher, denk' dir nichts, ich habe ein Angebot für dich", erinnert sich Hörl. Frick hatte ihn bereits eine Zeit lang beobachtet. "Ich wollte mit dem Skifahren weitermachen, hatte gleichzeitig das Bauchgefühl, in Österreich wenig Chancen zu haben. Das Schwerste war der Mut zum Wechsel, aber ich habe mich recht schnell dafür entschieden."

Den bürokratischen Hürdenlauf wickelte Frick ab, Hörl musste sich laut FIS-Statuten für zwei Jahre vom Renngeschehen verabschieden, diesen Sommer gab es grünes Licht. "Ich sehe mich als Europäer, der Österreich im Herzen hat und sportlich für Moldawien tätig ist", sagt der HTL-Absolvent (Bautechnik), der in zweieinhalb Jahren Rennpause sehr viel gelernt hat. Etwa geduldig zu sein. "Ohne Geduld hat man im Spitzensport verloren."

Das Warten habe sich für ihn persönlich schon bezahlt gemacht. Mit einem fünften Platz Anfang Dezember bei einem FIS-Super-G in Gröden, den der Viehhofener Slaven Dujakovic gewonnen hatte, sicherte sich Hörl mit Startnummer 168 gleich die Weltcup-Startberechtigung. Beim Weltcup-Super-G musste er zusehen, da das Rennen nach knapp der Hälfte der Fahrer abgebrochen wurde. In der Abfahrt landete er dann mit 4,92 Sekunden Rückstand auf Platz 68. "Das war nicht das Können, das ich momentan drauf habe. Aber die Zeit war sekundär, das wichtigste war die Erfahrung."

Bei der Abfahrt in Bormio war Hörl erneut in Weltcup-Einsatz: Platz 58 mit 5,03 Sekunden Rückstand auf Sieger Dominik Paris. Jetzt geht es erst einmal zurück auf FIS- und Europacup-Ebene, am 10. und 11. Jänner startet er bei den EC-Abfahrten in Saalbach-Hinterglemm. "Um mit den Startnummern weiter nach vorn zu kommen, muss ich taktisch vorgehen. Immer als Letzter zu fahren ist auch für den Kopf schwierig." Kitzbühel stehe zur Zeit nicht am Plan, Olympia in Pyeongchang sieht er als reizvolle Aufgabe. "Aber da habe ich harte Vorgaben von meinem Trainer, das muss ich mir erst erarbeiten. Ich muss meine Ergebnisse bringen, dann wird das vom Hans entschieden."

Er und Hans Frick bilden ein Zwei-Mann-Gespann. Einen Skiverband im Kleinstformat. Das habe Vorteile in Sachen Flexibilität, die Finanzierbarkeit sei aber eine ordentliche Herausforderung. Hörl rechnet damit, dass diese Saison zumindest 100.000 Euro verschlingt. "Ich habe 17 Sponsoren, hauptsächlich aus der Region. Ohne dieses große Vertrauen würde es nicht funktionieren." Mit guten Rennen könne der ehemalige "Man of Steel" (2012) seinen Unterstützern einiges zurückgeben. Erfolge will er aber derzeit nicht mit konkreten Platzierungen festnageln. Zumindest in zwei Jahren wolle er von sich erwarten, um Weltcup-Punkte mitzufahren.

Moldawien ist nicht für eine glorreiche Skiszene bekannt. "Aber", so Hörl: "Ich glaube, dass wir viel bewegen können. Vielleicht geht es so weit, dass einmal eine moldawische Fangemeinde mitfiebert."

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