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Marathon: Eliud Kipchoge hat die Zwei-Stunden-Schallmauer in Wien durchbrochen

In Wien wurde Sportgeschichte geschrieben: Eliud Kipchoge hat die Marathondistanz als erster Mensch in weniger als zwei Stunden geschafft. In 1:59:40,2 Stunden absolvierte der Rekordmann aus Kenia am Samstag die 42,195 Kilometer.

Tausende Menschen strömten trotz der frühen Stunde (Start war um 8.15 Uhr) bereits in den Prater, um live dabei zu sein. Und sie mussten ihr Kommen nicht bereuen, denn sie erlebten ganz große Emotionen und einen Meilenstein in der Geschichte des Sports. Auf den letzten Metern winkte Eliud Kipchoge bereits, hinter der Ziellinie fiel ihm seine Frau Grace um den Hals.

Die Begeisterung entlang der Strecke stieg mit jedem Kilometer, die Wiener erwiesen sich als begeisterungsfähiges und fachkundiges Publikum. Übertroffen wurde alles aber noch von der Euphorie, die zahlreiche Landsleute des Läufers im Zielbereich verbreiteten. In kenianische Flaggen gehüllt, sangen die Fans aus Afrika schon lange bevor feststand, dass das Unternehmen von Erfolg gekrönt sein würde.

"Ich fühle mich sehr gut", sagte der Olympiasieger, nachdem er die Strecke mit einem Schnitt von 2:50 Minuten abgespult hatte und der "Ineos 1:59 Challenge" nach akribischer Vorbereitung und dank der Hilfe eines großen Teams zum Erfolg verhalf. "Ich will die Menschen inspirieren und ihnen zeigen, dass sie kein Limit haben", erklärte Kipchoge, dem die Strapazen nicht anzumerken waren.

Kipchoge und seine Tempomacher gingen von Beginn an ein hohes Tempo. Bei der 10-Kilometer-Marke lag er neun Sekunden unter der Richtzeit, die Halbmaraton-Durchgangszeit war bei ca. 59:45 Minuten. Das Zeitpolster von rund zehn Sekunden hielt der 34-Jährige bis zum Schluss, dann legte er sogar noch einen Zielsprint hin. Bei 1:59:40,2 Stunden blieb die Uhr stehen.

"Das Finish war der beste Moment meines Lebens", jubelte Kipchoge. Die Anspannung sei in den Tagen vor dem Bewerb größer geworden. "Als mich der Präsident Kenias und andere wichtige Personen angerufen haben, stieg der Druck", gab der Lauf-Star aus dem Hochland Kenias zu.

Doch im Rennen war der Olympiasieger von Rio 2016 ruhig wie immer. "Ich habe versucht, genau nach Plan zu laufen, ich war mir zu 90 Prozent sicher, dass es klappt", betonte Kipchoge.

"Ich habe mich ab dem ersten Kilometer wirklich gut gefühlt. Dafür habe ich die letzten viereinhalb Monate trainiert", sagte Kipchoge. "Es war in meinem Herzen und in meinem Geist, dass ich einen Marathon unter zwei Stunden laufen kann und zu zeigen, dass kein Mensch limitiert ist." In der Nacht war er nach sechs Stunden Schlaf schon um drei Uhr aufgewacht und um fünf Uhr aufgestanden. "Die Zeit zwischen 5 und 8:15 Uhr (der Startzeit, Anm.) war die härteste meines Lebens", meinte der erfolgreichste Marathonläufer der Welt.

In der Vorbereitung auf den Lauf wurde nichts dem Zufall überlassen. Der Ineos-Konzern finanzierte das Projekt. Wien wurde auch deshalb als Schauplatz gewählt, weil zu dieser Jahreszeit optimales Wetter zu erwarten war.

Die flache und schnurgerade Strecke auf der Hauptallee war in einigen Abschnitten eigens neu asphaltiert worden. Kipchoge hatte 41 Pacemaker an seiner Seite, die sich abwechselten. Unter ihnen befanden sich durchwegs Weltklasseläufer, für die das Tempo von 2:51 Minuten pro Kilometer (21 km/h) kein Problem ist.

Der 34-jährige Kipchoge war in Berlin 2018 die aktuell gültige Weltrekordzeit von 2:01:39 Stunden gelaufen. Er selbst sagte vor dem Lauf: "Dort ging es darum, den Weltrekord zu laufen. In Wien geht es darum, Geschichte zu schreiben."

Der Start in Wien erfolgte um 8.15 Uhr auf der Reichsbrücke, danach durchlief der Rekordmann die Hauptallee zwischen Praterstern und Lusthaus vier Mal in beiden Richtungen.

Bereits 2017 hatte Kipchoge einen derartigen Rekordversuch gewagt. Auf der Rennstrecke von Monza (ITA) blieb er in 2:00:25 Stunden aber knapp über der angestrebten Zeit.

"No human is limited" war das Motto des Rekordversuchs. Eliud Kipchoge will Menschen ermuntern, ihre vermeintlichen Grenzen zu überwinden.

Die Pressekonferenz vor dem Lauf:

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