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Olympia 2022

Olympia ohne Claudia Riegler: "Ich weine meiner Entscheidung nicht nach"

Claudia Riegler verpasst die Olympischen Spiele in Peking, weil sie ungeimpft ist. Die Snowboarderin spricht über ihre schwierige Entscheidung, den vorzeitig geplatzten Medaillentraum, ihre dünne Haut und warum sie drei Wochen Hotelquarantäne angetreten wäre.

Die Entscheidung ist endgültig gefallen. Claudia Riegler wird nicht an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen (dürfen). Die 48-jährige Snowboarderin wird sich nicht mehr impfen lassen und auch das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) bleibt bei der Regel, nur Geimpfte für Peking zu nominieren. Im SN-Interview spricht die Salzburgerin über die schwierige Entscheidung und ihren Standpunkt.

Wie geht es Ihnen? Claudia Riegler: Ich bin erschöpft von den vergangenen Wochen. Die letzten Tage habe ich auf einer Hütte in den Bergen mit meinem Vater und wenig Verbindung zur Außenwelt verbracht. Das hat geholfen, ein bisschen abzuschalten.

Wann haben Sie zuletzt eine Impfung erhalten? Da war ich ein Kind, wahrscheinlich eine Zeckenimpfung mit 12 oder so. Ich nehme auch Schmerzmittel und Medikamente erst dann, wenn es nicht mehr anders geht.

Sind Sie eine Impfgegnerin oder sehen Sie sich gar als Vorbild für Impfskeptiker? Weder noch. Und das ist mir wichtig zu betonen, weil ich nicht grundsätzlich gegen eine Impfung bin. Es gibt sicher sehr viele Menschen, denen eine Impfung hilft, aber es sollte jedem und jeder selbst überlassen sein. Es sollte eine persönliche Entscheidung sein.

Olympia auszulassen ist die wohl wichtigste Entscheidung in der Karriere einer Sportlerin. Nehmen Sie uns mit in Ihre Entscheidungsfindung der vergangenen Monate. Ich habe sehr viel überlegt. Letztendlich war für mich der doppelte Effekt entscheidend, dass sich so kurz nach einer Infektion (Riegler wurde Ende Dezember positiv getestet, Anm.) und so knapp vor den Spielen eine Impfung erst recht nicht anbietet. Ich weiß, dass es selten Nebenwirkungen gibt, aber mir kann trotzdem niemand garantieren, dass es mich nicht betrifft.

Welche Unsicherheit war größer: dass Ihre Olympiateilnahme wackelt oder dass Sie ungewollt eine öffentliche Diskussion befeuern? Das hat beides zusammengespielt. Ich habe so viele Gespräche geführt und hätte eine Quarantäne in Erwägung gezogen. Unabhängig davon, dass es diesbezüglich vom ÖOC noch lange kein Okay gegeben hat.

Denken Sie, dass es möglich ist, sportliche Höchstleistungen zu erbringen, wenn man drei Wochen das Hotelzimmer nicht verlassen darf? Auch wenn viele Leute sagen, dass das unmöglich ist, hätte ich mich dieser Herausforderung gestellt. Denn wenn ich gar nicht versuche, über meine Grenzen zu gehen, dann werde ich nie erfahren, wo diese Grenzen sind. Spitzensportler trainieren ja nicht nur ihre Muskeln, sondern sich auch ihren eigenen Kopf an. Ich bin mit Patrizia Kummer (die Schweizer Snowboarderin absolviert derzeit diese Quarantäne, Anm.) schon lange und viel in Kontakt. Die Quarantäne in China ist viel besser, als es allgemein erwartet wurde. Sie bekommt gutes Essen und hat Fitnessgeräte im Zimmer. Am Wochenende haben wir wieder unser gemeinsames Online-Work-out (lacht).

Als Genesene hätten Sie in China einreisen dürfen. Sind Sie enttäuscht vom ÖOC? Ich bin enttäuscht, dass ich nicht bei den Spielen dabei bin, aber ich bin nicht vom ÖOC enttäuscht. Ich kann die Entscheidung des ÖOC nachvollziehen, weil wir in Österreich in einer sehr speziellen Situation sind. Beispiel Impfpflicht. Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen mit allen Konsequenzen, die dadurch zu tragen sind.

Juristen geben Ihnen gute Chancen, wenn Sie Ihre Teilnahme rechtlich erzwingen wollen. Haben Sie das nie in Erwägung gezogen? Ich habe einige Anschriften dazu bekommen. Aber rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen ist genau das, was ich überhaupt nicht tun will. Ich habe keine dicke Haut. Das ist oft auch ein Vorteil. Aber wenn dann sehr viel Aufmerksamkeit um meine Person ist, dann nehme ich mir das zu Herzen. Das habe ich in letzter Zeit gemerkt und das ist dann belastend. Ich würde mir selbst nichts Gutes tun, wenn ich meine Teilnahme erstreite. Dann kann ich wieder nicht entspannen und das wäre vor einem Olympiastart kontraproduktiv. Es hätte mich sehr gefreut, wenn ich nominiert worden wäre, aber wenn es nicht möglich ist, dann eben nicht. Alles im Leben hat seinen Sinn und ich werde später draufkommen, warum das jetzt so ist, wie es ist.

Haben Sie mit dem Thema abgeschlossen oder schmerzt der Gedanke, dass der Traum von einer Olympiamedaille schon im Vorfeld geplatzt ist? Nachdem es viele Wochen lang nicht einfach für mich war, ist es für mich jetzt eher eine Erleichterung, dass eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Es hat sich ja abgezeichnet, dass es so sein wird. Und ich habe gelernt, dass ich Entscheidungen nicht nachweine, sondern mit ihnen bestmöglich umgehe. Außerdem habe ich inklusive ÖSV super Leute um mich, die mich unterstützt und meine Entscheidung respektiert und mich nicht bewertet oder verurteilt haben. Im Endeffekt war es nicht möglich, aber ich habe alles mir Mögliche dafür getan. Ich bin mit mir im Reinen.

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Aufgerufen am 24.05.2022 um 06:09 auf https://www.sn.at/sport/olympia-2022/olympia-ohne-claudia-riegler-ich-weine-meiner-entscheidung-nicht-nach-115861600

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