Wintersport

Michaela Kirchgasser nahm im Dirndl Abschied

Letztes Weltcuprennen für die Salzburgerin Michaela Kirchgasser: Im Slalom von Ofterschwang zelebrierte "Kirchi" ihren Abschied in außergewöhnlichem Outfit.

Kirchgasser machte im 1. Durchgang des Rennens am Samstag zwischendurch Halt, um Trainer und FIS-Rennchef Atle Skaardal zu umarmen. Sie fuhr ohne Helm und in einem Dirndl herunter und schnallte vor der Ziellinie die Skier ab. Im Zielraum begrüßten sie aktuelle und ehemalige Teamkolleginnen mit einer Sektdusche.

Eigentlich hätte ihr 310. Start auf höchster Ebene im Zeichen der fünf Ringe erfolgen und im Idealfall mit der so lang ersehnten Olympiamedaille enden sollen. Doch die viel kritisierte Nichtnominierung ist längst vergessen und so war der Slalom in Ofterschwang der 310. und gleichzeitig letzte Start in der 17-jährigen Weltcupkarriere von Michaela Kirchgasser.

Und damit nicht weniger emotional. "Ein bisschen Angst, dass mich die Emotionen übermannen, habe ich schon", gesteht die stets gut gelaunte Kirchgasser. Gefeiert wurde mit den Kolleginnen schon am Freitagabend. 17 Podestplätzen und drei Siege im Weltcup hat die Filzmooserin geholt. Das ist mehr, als sich die meisten erträumen, aber weniger, als ihr viele zugetraut haben. Schließlich stellte sie schon mit Gold bei der Junioren-WM 2003 ihr großes Talent unter Beweis. Die ganz große Karriere blieb ihr aber verwehrt. "Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Meine Karriere war bei Gott nicht einfach mit den vielen Verletzungen, speziell in den vergangenen acht Jahren. Aber es war eine unglaubliche Lebenserfahrung", sagt die 32-Jährige aus Filzmoos, die erst im Frühjahr beide Knie hatte operieren lassen.

Stolz darf sie freilich auch auf sieben WM-Medaillen sein, davon drei Mal Gold mit dem Team. Ihr größter Erfolg war Slalom-Silber bei der Heim-WM in Schladming 2013. Sonst bleibt Kirchgasser als Frohnatur in Erinnerung, die sowohl im Erfolg als auch nach Rückschlägen und Ausfällen (und davon gab es nicht wenige) stets authentisch blieb. Mit ihr verlässt nun die Letzte aus einer überaus erfolgreichen Generation die Skibühne. Marlies Schild, Nicole Hosp, Kathrin Zettel oder Elisabeth Görgl waren ihre jahrelangen Wegbegleiter.

2001 fuhr sie in ihrem allerersten Weltcuprennen in die Punkteränge. Zur Erinnerung: Das war jenes Jahr, als etwa Hermann Maier nach seinem Motorradunfall um seine zweite Karriere kämpfte. Und was wird Kirchgasser künftig machen? "Das Kapitel Rennläuferin schließt sich", sagt sie. Dem Skizirkus könnte Kirchgasser aber in anderer Funktion erhalten bleiben.

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