ÖBB-Hochleistungsstrecke im Flachgau

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Verlauf der Hochleistungsstrecke
Plan des Deponiestandorts des Aushubs für den Tunnel.

Die ÖBB-Hochleistungsstrecke im Flachgau ist ein Bahnprojekt zwischen Salzburg-Kasern und Köstendorf.

Planung

Im Jänner 2013 wurde der Verlauf der Trasse der Hochleistungsbahn durch den Flachgau fixiert. Mit 250 km/h sollten die Züge ab dem Jahr 2032 durch den Flachgau fahren und eine Zeitersparnis von fünf Minuten (!) bringen. Die Reduktion der angepeilten Fahrzeit zwischen Linz und Salzburg auf 56 Minuten zwischen Linz und Salzburg ist deshalb notwendig, um sowohl in Linz als auch in Salzburg einen symetrischen Taktknoten realisieren zu können und die Voraussetzungen zu schaffen, um die gewünschten Kapazitätserhöhungen für die S-Bahn umsetzen zu können. Dazu müssen auf einer Länge von 20 Kilometer zwei neue Gleise, größtenteils in Tunnels, errichtet werden. Die Kostenplanung betrug 1,65 Milliarden Euro (Stand 2013). Um 2020 betrug die Kostenschätzung dann schon etwa 2,3 Milliarden Euro. Der ÖBB-Rahmenplan 2018 bis 2023 enthielt bereits rund 36 Millionen Euro an Planungskosten und Aufwendungen für Grundablösen, die Baukosten bedurften aber noch der Aufnahme in den Rahmenplan durch den Bund sowie der Beschlüsse in den ÖBB-Gremien. Der Beginn der Ausschreibungen soll 2025 erfolgen. Die geplante ÖBB-Hochleistungsstrecke im Flachgau wurde 2018 zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht.

Kernstück des Projekt soll der 14 Kilometer lange Seekirchnertunnel werden. Ein zweiter Tunnel, der Leitnerbauertunnel, ist mit einer Länge von zwei Kilometer geplant. Die Trasse soll bis zu 120 Meter unter der Erdoberfläche geführt werden, um Anrainerprotesten aus dem Weg zu gehen. Jedoch blieb über Jahre die Tunnelausfahrt im Gemeindegebiet von Köstendorf an der Seekirchner Landesstraße (L 238) nahe dem Werk der Firma Palfinger ein Knackpunkt (ungelöst Stand Februar 2021).

Trassenverlauf

Die Neubaustrecke soll bei Salzburg-Kasern im Bereich der Westautobahnbrücke beginnen. Nach Querung der Söllheimerstraße taucht die neue Trasse in den Untergrund ab. Der ca. zwei Kilometer lange "Leitnerbauerntunnel" führt unter dem Grafenholz hindurch. Anschließend an diesen Tunnel führt die Trasse auf eine Fischachbrücke und mündet in den zweiröhrigen Seekirchnertunnel mit einer Länge von 14,3 Kilometern. Der Seekirchnertunnel verläuft in einer Tiefe von bis zu 120 Meter unter dem Gelände über die Ortsgebiete von Katzmoos, Midering, Gschaid, Mayerlehen weiter nach Schöngumprechting und Kothgumprechting. Vorbei an Reith, Oberried und Nothwinkl endet die Tunnelstrecke kurz vor der Seekirchner Landesstraße zwischen Reischberg und der Waldsiedlung in Weng in der Nähe des Betriebsgeländes der Firma Palfinger in Köstendorf. Beim Gehöft Gerperding nähert sich die Trasse an die Bestandsstrecke an und wird westlich von Kleinköstendorf mit der bestehenden Bahnstrecke zusammengeführt.

16,5 Kilometer langer Tunnel von Köstendorf bis Kasern

Das Großprojekt sieht eine 21,3 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Salzburg-Kasern und Köstendorf vor. Herzstück ist dabei ein 16,5 Kilometer langer Tunnel mit zwei eingleisigen Röhren, der die Gemeinden Köstendorf, Seekirchen am Wallersee, Hallwang und Elixhausen unterfährt.

Die Neubaustrecke soll mit den zwei zusätzlichen Gleisen größere Kapazitäten im Personen- und Güterverkehr schaffen. Während die über 150 Jahre alte Strecke nur relativ geringe Geschwindigkeiten zulässt, sollen die Züge in Zukunft mit bis zu 250 km/h unterwegs sein. Der Bau würde die Fahrzeit zwischen Salzburg und Wien um rund fünf Minuten verkürzen, vor allem aber Platz für mehr Nahverkehr auf der Bestandsstrecke schaffen.

Seltene Tierarten gestalten die Findung eines Standorts des Abraums schwierig

Ein Knackpunkt war von Beginn an die Lagerung von zwei Millionen Kubikmeter Ausbruch. Ursprünglich war der Steinbachgraben im Gemeindegebiet von Lochen am See (Bezirk Braunau am Inn, .) vorgesehen gesehen. Dort leben vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie der geschützte Grubenlaufkäfer, und so musste dieser Deponiestandort fallengelassen werden. Außerdem wollten die ÖBB das Ausbruchmaterial über eine Materialseilbahn über den Tannberg transportieren, was ebenfalls auf Widerstand stieß. Dann zwang der Nachweis einer geschützten Steinkrebsart zur Umplanung des Lagerungsorts im Flachgau.

Seit Februar 2020 prüften die ÖBB mehrere Möglichkeiten, darunter zwei Deponiestandorte. Eine Variante am Tannberg war schon als Alternative eingereicht worden. Zudem erwogen die Planer, bei der als Zwischenlager vorgesehenen Fläche in Karlsreith im Grenzgebiet von Köstendorf und Seekirchen das Material abzulagern. Neben den Deponien standen vier Standorte für eine Bahnverladeanlage auf dem Prüfstand, von der aus das Ausbruchmaterial auf Waggons abtransportiert werden soll. Nachteil: Für eine solche Variante müsste ein neuer, weiter entfernter Deponiestandort gefunden werden.

Im Juni 2020 legten die ÖBB eine erste Bewertung aus insgesamt 29 Kriterien vor. Zusammengefasst: Die beiden Deponien schneiden in den Bereichen Verkehr und Technik sowie Kosten deutlich besser ab als die Bahnverfuhr. Im Bereich Raum und Umwelt, wo zum Beispiel Tiervorkommen wie der geschützte Grubenlaufkäfer, Auswirkungen auf Gewässer und die Lärmbelastung berücksichtigt werden, wurden vorwiegend die Varianten für den Abtransport über die Schiene besser bewertet. ÖBB-Projektleiter Christian Höss sagt, dass ÖBB nun zwei Varianten konkret verfolgt. Und zwar die Deponie Karlsreith, die deutlich besser abschneidet als jene am Tannberg, und die aussichtsreichste Bahnverfuhr-Variante.

Aber am 10. September 2020 präsentierte das ÖBB-Projektteam um Leiter Christian Höss die Entscheidung, wonach der Großteil des Ausbruchmaterials, das beim Bau des 16,5 Kilometer langen Tunnels für die Hochleistungsstrecke zwischen Köstendorf und der Stadt Salzburg endgelagert werden soll. Nachdem die Deponie im Steinbachgraben (Gemeinde Lochen) wegen einer großen Steinkrebspopulation als nicht umweltverträglich eingestuft wurde, sollen die mehr als zwei Millionen Kubikmeter Material nun im Bereich Karlsreith im Grenzgebiet zwischen Köstendorf und Seekirchen aufgeschüttet werden. Kommen dem Projekt keine weiteren Hindernisse in die Quere, peilen die ÖBB für 2026 den Baustart an. Die Fertigstellung ist 2040 geplant.

Es wurde zu einer Petition im Internet aufgerufen, die diese Deponie verhindern will.[1]

Auch hier lebt der streng geschützte Schwarze Grubenlaufkäfer

Ende September 2020 wurde bekannt, dass die Bürgerinitiative "Aktion lebenswerter Flachgau" in Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftern eine Population von "mehreren hundert" den streng geschützten Schwarzen Grubenlaufkäfer auch beim geplanten Ostportal des Tunnels nahe Köstendorf nachgewiesen hat.[2]

Der vom Aussterben bedrohte Rotmilan könnte hier brüten

Im März 2021 sickerte durch, dass das Verkehrsministerium wegen des Vorkommens einer von einer Bürgerinitiative nachgewiesenen Grubenlaufkäfer-Population einen Verbesserungsauftrag vorbereitete. Die ÖBB kündigten daraufhin an, das Gebiet der geplanten Deponie neuerlich von einem Experten untersuchen lassen zu wollen. Diese sollten während der Vegetationsperiode durchgeführt werden und im Spätherbst abgeschlossen sein.

Dabei wurden dem Vernehmen nach nicht nur deutlich mehr Exemplare des streng geschützten Käfers gefunden als erwartet. Auch eine weitere vom Aussterben bedrohte Tierart soll entdeckt worden sein: Nämlich der Rotmilan, der in dem Gebiet sogar brüten dürfte. Auch über weitere Funde seltener Arten wird zumindest spekuliert. Karlsreith soll bei den ÖBB deswegen als Deponiestandort jedenfalls zur Disposition stehen, wenn nicht sogar als undenkbar gelten, wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist. Es werde über ein neues Logistikkonzept nachgedacht, wie die mehr als zwei Millionen Kubikmeter an Ausbruchmaterial alternativ abtransportiert und endgelagert werden könnten.[3]

Quellen

Einzelnachweise

  1. https://www.openpetition.eu
  2. www.sn.at, 25. September 2020
  3. www.sn.at, 3. August 2021