Erzbischof Andreas Rohracher, Krieg, Wiederaufbau, Konzil

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Titelfoto Erzbischof Andreas Rohracher, Krieg, Wiederaufbau, Konzil

Buchtipp Erzbischof Andreas Rohracher, Krieg, Wiederaufbau, Konzil.

Herausgeber: Ernst Hintermaier, Alfred Rinnerthaler, Hans Spatzenegger unter Mitarbeit von Elisabeth Engelmann, Thomas Mitterecker und Wolfgang Neuper
Autoren: oben genannte Personen sowie Maximilian Liebmann, Peter G. Tropper, Oskar Dohle, Ernst Hanisch, Sabine Veits-Falk, Eva Maria Hoppe-Kaiser, Josef Kremsmair, Peter Hofer, Rupert Klieber, Hans Paarhammer, Gerhard Winkler, Gerhard Zecha, Michaela Sohn-Kronthaler, Gerlinde Katzinger, Guido Treffler, Annemarie Fenzl, Gerhard Walterskirchen und Adolf Hahnl;
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN 978-3-7025-0635-3

Rezension 1

Zunächst einmal: dieses Buch ist das Ergebnis des Symosiums 2009 zum Thema „Erzbischof Andreas Rohracher und die Salzburger Kirche seiner Zeit“, über das Leben und Wirken des wohl interessantesten (Fürst)Erzbischofs Salzburgs seit dem 16. Jahrhundert. Es ist von renommierten Historikern geschrieben. Insgesamt weit mehr als 20 Historiker wirkten an diesem Buch mit.

Rohracher war von 1943 bis 1969 Erzbischof von Salzburg. Vor allem der Zeitraum 1943 bis etwa 1952 birgt brisant-interessante Themen. Das Buch schildert Details aus der Zeit des Nationalsozialismus und der anschließenden Wiederaufbauzeit. Welche Rolle spielte Rohracher in der NS-Zeit? War er dem NS-Regime gegenüber wohlgesonnen? Seine Unterstützung einer Widerstandsbewegung in Kärnten zeigt eine andere Einstellung. Aber wieder anders klingen die Worte seiner Predigt zu Silvester 1944: „..Ja, wir haben in dem Jahr Großes erlebt. Ich denke an unsere heldenhaften Soldaten […] die bevor sie gefallen oder in die Gefangenschaft gekommen sind, nach Hause gefunkt und Treue und Tapferkeit geschworen haben bis zum letzten Augenblick!“ Sein Dank galt auch den Müttern „…die diese Heldensöhne geboren und mit ihrem Gebet hinausgeschickt haben an die Front vor den Feind.“ Auch setzte er sich nach Kriegsende vehement und nachhaltig für die Freilassung höchster NS-Funktionäre ein. Dies begründete er damit, dass er bei der Bischofsweihe gelobt hatte, „..mich für alle Bedrängten und Leidenden einzusetzen…“. Sehr umstritten und gleichzeitig ein zentrales Lebenswerk waren seinen Aktivitäten im Sozialen Friedenswerk, sein Einsatz nach 1945 für ehemalige Nationalsozialisten und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Und doch kommen die Historiker zum Schluss, dass er kein Nazi-Bischof war.

Rohracher hielt drei Diözesansynoden ab, war Teilnehmer des II. Vatikanischen Konzils und begrüßte die dabei getroffenen Entscheidungen wie z. B. die stärkere Einbindung von Laien. Er war auch ein sehr aktiver Bauherr in der Erzdiözese. 34 Bauwerke gehen auf seine Initiative zurück, u.a. Salzburg-St. Elisabeth, die Pfarrkirche Zum Kostbaren Blut in Salzburg-Parsch, das Provinzhaus der Barmherzigen Schwestern Kirche des hl. Vinzenz von Paul in Salzburg-Mülln, das Kurhaus St. Josef in Bad Dürrnberg, die Pfarrkirche Rehhof in Hallein-Rehhof, das Bildungshaus St. Virgil in Salzburg-Aigen. Weiters beschäftigt sich eines der Kapitel mit seiner eher angespannte Beziehung zum Domkapellmeister Joseph Messner. Andere beleuchten seine Bemühungen zur Wiederinstallierung einer katholischen Universität in Salzburg, der Restituierung Kircheneigentums (hier kam ihm seine juristische Ausbildung in Wien und Rom sehr zu Hilfe) oder das eher nüchterne Verhältnis zum späteren Kardinal Franz König. Das Buch umfasst auch Wiedergaben von Predigten, Gesprächen, Hirtenbriefen, sowie ein interessantes Interview aus dem Jahr 2010 mit Altbischof Maximilian Aichern über Rohracher und eine DVD mit Festpredigten und einem Wochenschaubericht über den Salzburger Dom (1959) u.a. Ausführliche Einzelnachweise mit weiteren interessanten Informationen, ein umfangreiches Literatur- und Personenverzeichnis runden dieses Buch ab.

Die Historiker kommen zum Schluss, dass Rohracher wohl durch sein Schweigen zu den zahlreichen Fragen im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten rund um das Kriegsende sich einer Stellungnahme, wenn nicht gar einer Verantwortung entziehen wollte. Das Buch zeichnet von Rohracher das Bild eines sehr aktiven Bischofs, der mehrfach die österreichische Nachkriegsregierung brüskiert hatte, der hartnäckig seine Ziele verfolgte und gleichzeitig der wichtigste und anerkannteste Vermittler zwischen der Salzburger Nachkriegsregierung und den amerikanischen Besatzungsbehörden gewesen sein muss. Rohracher war der letzte Erzbischof, der noch bis 1951 den Titel „Fürsterzbischof“ tragen durfte und als solcher ist er auch stets aufgetreten. Das Buch lässt aber auch wesentliche Fragen offen, nämlich wie es wirklich um die Kirche und ihre Beziehung zum Nationalsozialismus gestanden hatte. Manche in diesem Buch veröffentlichte Dokumente der Kirche damals geben durchaus Anlass, dieses Buch und das Verhalten der Kirche kritisch zu betrachten. So heißt es in einem Hirtenbrief 1945 nach Kriegsende: „… Keine Gemeinschaft hat in diesen Jahren mehr Opfer an Hab und Gut, an Freiheit und Gesundheit, an Blut und Leben bringen müssen als die Kirche Christi…“ Dass Millionen Juden enteignet und umgebracht wurden, darauf hatte die Kirche damals wohl vergessen.

Aber lesen Sie bitte das Buch selbst.

Meine Zeilen hier sind nur ein winziger Ausschnitt aus einem Buch, das ein wichtiges Kapitel Salzburger Zeitgeschichte darstellt. Viele Aspekte und Theorien bieten nachgeborenen Generationen vielleicht Hilfestellung zum besseren Verständnis, warum unsere Vorfahren so gedacht und gehandelt haben könnten.

Rezension 2

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