Hanswurst

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Der Salzburger Hanswurst (oder auch nur Hanswurscht) ist eine Brauchtumsfigur, ein "Narr", den man sofort an seinem fröhlich bunten Äußeren erkennt. Verkörpert wird er seit mehreren Jahrzehnten von Johannes Rupert Franz. Seinen größten Auftritt hat er jedes Jahr beim Rupertikirtag, der rund um den Rupertitag am 24. September rund um den Domplatz stattfindet

Aussehen

Der Salzburger Hanswurst trägt traditionell einen ziegelroten Wams, eine naturfarbene (gelbe) Lederhose, seine typischen Attribute sind der hohe, grüne (Spitz-)Hut, die eine Narrenkappe ist und zwei "schneidige" Federn hat, und seine Pritsche. Die Pritsche steht von der Symbolik her in der selben Reihe wie die (Lebens-)Rute beim Winter-Perchtenbrauchtum, die ja auch in einer Linie mit dem Maibaum (daher auch sein besonderer, symbiotischer Sinnbezug auch zum Maibaumaufstellen) steht. So ist es klar, dass ein Klaps mit der Pritsche bei Frauen auf den Hinterteil (Sinn von alters her: am nächsten zum "Ort der Fruchtbarkeit" gelegen) Glück, Segen und vor allem Fruchtbarkeit schenken soll.

Herkunft

Der Salzburger Hanswurscht ist eine Figur, dessen Wurzeln ins Hochmittelalter zurückreichen. Damals war er eine, im Brauchtum mit vielschichtigen Aufgaben betraute Begleitfigur vor allem bei den Schwerttänzen. Diese Funktion hat sich auch bis heute erhalten. Heute ist der Hanswurst noch immer eine unverzichtbare Figur beim historischen Salzburger Bindertanz­, dem Zunfttanz der Fassbinder, der als Reiftanz, geflochten aus immergrünen Buchsbaumzweigen gebunden, ausgeführt wird. Dieser Männertanz hat sich geschichtlich aus einer Tages­version des besonders feierlichen nächtlichen Schwerttanzes entwickelt. In der Tradition des Schwerttanzes selbst findet man den Hanswurscht heute z. B. auch noch beim Böcksteiner Schwerttanz (Gastein), auch wenn er sich dort einfach Narr nennt, in rot/weiß (die traditionellen Kultfarben) gewandet ist, wie er auch statt der Pritsche ein "Narrenzepter" hat.

Später, bis weit in das 18. Jahrhundert hinein, war der Hanswurst von den Jahrmarktbesuchern heiß geliebter Begleiter der Ärzte und Quack­salber auf den "Arztständlbühnen". Dort suchte er als "Lustigmacher" auf den Pawlatschen der Jahr­märkte die Patienten und Zuschauer von den oft durchaus schmerzlichen Geschehnissen der vor Ort auf der Bühne hinter einem Sichtschutz Behandelten, noch lautstärker mit seinem Klamauk und seinen Possen abzulenken. Vor allem hatte er die Aufgabe, die Neugier der Jahrmarkt-/Kirtagsbesucher auf die Heilkünste des Behandlers, des Arztes, Baders, Wundarztes, Wund- und Steinschneiders, Zahnbrechers etc. zu lenken. Damals mußte sich der Arzt noch am freien Markt gegen viele Mitbewerber behaupten. Von den Arztständlbühnen, aber auch vom Schiffertheater ist der Salzburger Hanswurscht Anfang des 18. Jahrhunderts durch Josef Anton Stranitzky (* 1676; † 1726), selbst immatrikulierter Zahnarzt und begnadeter Stegreifkomödiant, in Sprache und äußerem Erscheinungsbild inspiriert von den Lungauer Sauschneidern, auf die Theaterbühne des Wiener Kärntnertortheaters, und damit auch auf die Bühnen des deutschen Volkstheaters, gekommen. Dort trug er stets sein Herz auf der Zunge, sprach spontan aus was er dachte und nahm sich dabei auch kein Blatt vor dem Mund. Dort erklärte er auch immer, "ein Salzburger Bauer" zu sein, vom "Geschlecht der Sauschneider", daher der Bezug zum Salzburger Lungau, abzustammen oder er stellte sonst einen Bezug zu seiner Salzburger Herkunft her.

Der Salzburger Hanswurscht, vor allem auch im deutschen Volkstheater, dem Kärntnertortheater, sprach auch immer aus, wo dem einfachen Volk der Schuh drückte. Die Obrigkeit hatte den Vorteil, dass sie mit ihm eine unverzichtbare Informationsquelle hatte, seine ehrlich unverblümten Sager hingegen mit einem "lasst ihn nur reden, den Hanswurschten" abtun konnte. Eine Redewendung, die bis heute eine geflügelte blieb. Gleichzeitig hatten die einfachen Leut', die Bürger, das Volk am Land, eine Art Ventil. Somit war der Salzburger Hanswurscht auch immer ein gesellschaftlich äußerst wichtiges Bindeglied im Volk und vor allem auch zwischem dem Volk und "denen da oben". Viele Menschen konnten sich, wie auch ihr geheimstes Denken und Fühlen, in ihm wiedererkennen.

Hanswurscht und Papageno

Schließlich gelangte er sogar noch in der Figur des Erdverbundenen, alles irdische und "fleischliche", Mädchen, gutes Essen sowie Trinken und Plaudereien Liebenden, mit allen menschlichen Schwächen aber auch Liebenswürdigkeiten versehenen, ebenso gutgläubigen wie bauernschlauen, liebenswerten und frohsinnigen Freigeist und farbenfrohen Vogel ("Freiheits")­menschen Papageno durch die Oper (W.A. Mozart – Zauberflöte) auf die Weltbühnen und zu weltweiter Bekanntheit! Nicht selten hört man, wenn er sich zur Festspieleröffnungszeit (Salzburger Fackeltanz) unters Volk gen Residenzplatz mischt, "schau, der Papageno". Daran erkennt man auch wie authentisch diese Figur, von Emanuel Schikaneder (* 1751; † 1812) librettistisch und von Mozart musikalisch in der Zauberflöte beschrieben ist; auch wenn er ihn in der Oper ein Federkleid schmückt. Auch sind diese Reaktionen ein Beleg für die gemeinsamen archaischen Wurzeln des Salzburger Hanswurschtes und des Papagenos. Schikaneder selbst spielte bei der Uraufführung, 1791 im "Schikanedertheater" wie es die Wiener bald nannten, dem Freihaustheater (Theater an der Wieden), das er von 1789 bis 12. Juni 1801 (Abschiedsvorstellung mit der Zauberflöte) leitete, den Papageno, Mozart dirigierte und dessen Frau Constanze spielte und sang damals am 30. September die Königin der Nacht. Allein im Kärntnertortheater, das Josef Anton Stranitzky 1711 als der Hanswurst, Pritschenmeister wie man ihn, den Prinzipal, heute Theaterdirektor, nannte und als Begründer des deutschen Volkstheaters groß machte, und in dem Schikaneder auch (ab 1785) spielte, wurde die Zauberflöte von 1801 (Ende von Schikaneders Freihaustheater) bis 1812 knapp 140 Mal aufgeführt. Auch Don Giovanni (Libretto von Da Ponte) nannte seinen Diener Leporello am Ende der zwölften Szene des dritten Aktes "Oh, veccio buffonissimo! = Oh, alter Hanswurst!", einen "Hanswurst" als dieser vor der Inschrift unter Statue des Kompturs, des späteren steinernen Gastes, erschauderte.

Wiederbelebung des Hanswurst-Brauchtums

Maibaumaufstellen 2018 beim Petersbrunnhof

Dank Kommerzialrat Erwin Markl sind die Verbindungen des Salzburger Hanswurscht zu seinen Wurzeln besonders lebendig geblieben und 1977 wiederbelebt worden. Seit damals tritt der Hanswurst jährlich beim Rupertikirtag auf. Auch die Salzachschiffer von Laufen an der Salzach kamen in den Wintern auf ihre Bühne, dem Laufener Schiffertheater, nicht ohne den Hanswurscht aus. Freilich liebten gerade die Salzburger (Schiffertheater, Frühjahres- und RupertiDULT, Sauschneider) ihren Hanswurschtn, auch kurz Wurschtl, schon besonders genauso wie ihn die Wiener (über Stranitzkys Stegreif-Schauspiel) innig liebten und auch als den ihren bezeichnen. Somit ist der lebenshungrige Hanswurscht, sowohl Salzburger als auch Wiener (Wurstlprater), und damit also nicht nur ein waschechter Salzburger sondern auch ein typischer Österreicher. Der Hanswurst ist außerdem heute noch ein Begleiter vieler Bräuche, vom Perchtenbrauchtum (Tresterer), Schützenwesen (Zieler, heute noch im Salzkammergut lebendig gebliebene Tradition) bis hin zum Zunfttanz (Schwert- und Bindertanz) um nur einige markante Beispiele zu nennen, und somit keinem Brauch, wie auch keinem Verein allein zuordenbar.

Den Salzburger Hanswurscht trifft man außer um den 24. September am Rupertikirtag im Herzen Salzburgs, am 1. Mai beim Maibaumaufstellen im Petersbrunnhof (Stadt Salzburg), Ende Juli beim Fackeltanz (Blumengruß mit den Kindern), mitarbeitend am 15. August beim Kirchweihtanzl (Zell am See) wie auch bei der Brauchtumsmesse und vor allem auch bei den Auftritten der "historischen Bindertanzgruppe Salzburg". Selten unterliegt er heute dabei einem festgelegten "Programm", wenngleich ihm stets eine mittragende, mitgestaltende Rolle zukommt.

Quelle

  • Homepage des Salzburger Hanswurst

Weblinks