Wirtschaft

Dem Motorenwerk in Wien Aspern bleiben nur die Getriebe

Das Anfang der 1980er Jahre gegründete Opel-Werk in Wien Aspern verliert den letzten Großauftrag von General Motors und damit die seit 1982 laufende Motorenfertigung. 200 bis 270 Jobs gehen dadurch verloren.

200 bis 270 Arbeitsplätze werden wegfallen SN/APA (Archiv)/HERBERT PFARRHOFER
200 bis 270 Arbeitsplätze werden wegfallen

Das General Motors Werk in Wien Aspern wird ab September nur noch Getriebe produzieren. Mit dem Auslaufen des letzten Motoren-Auftrags für General Motors (GM) werden mehr als 200 der 800 Mitarbeiter abgebaut. Leider gebe es keinen Nachfolgeauftrag, daher sei der Stellenabbau erforderlich, sagt Christoph Stummvoll, Sprecher der PSA-Gruppe, die das Motorenwerk 2017 gekauft hat. Insgesamt sei Aspern nicht gefährdet, bekräftigt er Aussagen der PSA-Führung von Dezember.

Der Jobabbau in Wien ist Teil einer größeren Personalreduktion bei Opel. In Deutschland sollen in einem ersten Schritt bis zu 2100 Jobs wegfallen, großteils über Abfindungszahlungen oder Frühpension, bestätigte das Unternehmen am Dienstag. Insgesamt plant Opel in den nächsten Jahren den Abbau von bis zu 4100 Jobs - zusätzlich zu den bereits vereinbarten 7000 Stellen. Europaweit hatte Opel zuletzt rund 30.000 Mitarbeiter abgebaut, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.

Das Aus für die Motorenfertigung war, wie die "Salzburger Nachrichten" 2015 berichtet hatten, bereits für 2018 erwartet worden. Die Arbeiterbetriebsratsvorsitzende bei Opel Wien, Renate Blauensteiner, zeigte sich über den weiteren Stellenabbau daher nicht überrascht. Dass der General-Motors-Auftrag mit Jahresmitte auslaufe sei im Betrieb seit langem bekannt. Vorjahr waren in Folge des Auslaufens eines Getriebevertrages mit GM 400 Arbeitsplätze gestrichen worden. Ein Sozialplan, der damals vereinbart wurde, soll jetzt ausgeweitet werden.

Kreiskys Vorzeigeinvestition

Die Geschichte des Opelwerks in Wien hatte am 23. August 1979 begonnen, als der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) und GM Austria-Generaldirektor Helmuth Schimpf einen Vertrag für die Errichtung eines Motorenwerkes unterzeichneten. Laut Firmenchronik waren damals Investitionen von 9,8 Mrd. Schilling vorgesehen: umgerechnet wären das heute 710 Mio. Euro.

Bei der offiziellen Eröffnung am 15. Oktober 1982 standen 1600 Mitarbeiter an den Fließbändern. 1983 stieg die Jahresproduktion auf 230.000 Motoren und 250.000 Getriebe. 1995, am Höhepunkt arbeiteten in den Fabrikshallen in Wien-Aspern im Osten der Stadt an die 3000 Menschen. Nun bleibt die Herstellung eines Sechs-Gang-Getriebes für die PSA-Gruppe und rund 600 Beschäftigte.

Die gesamte Autobranche steckt wegen der schärferen CO2-Vorgaben im Umbruch und setzt auf den Bau von Elektroautos, für den weit weniger Personal benötigt wird als für Verbrennungsmotoren. Bei Opel kommt hinzu, dass die französische Konzernmutter PSA sich gerade mit Fiat Chrysler zusammenschließt. Experten halten es für wahrscheinlich, dass der fusionierte Konzern in Europa Überkapazitäten abbauen wird. Das könnte auch Opel treffen. Für Wien könnte sich der Schritt allerdings wegen sogar positiv auswirken, so die Hoffnung. Branchenweit wird wegen des Wechsels zur Elektromobilität in den kommenden Jahren mit dem Wegfall von Zehntausenden Arbeitsplätzen gerechnet.

Aufgerufen am 22.01.2020 um 09:11 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/dem-motorenwerk-in-wien-aspern-bleiben-nur-die-getriebe-81995392

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