Wirtschaft

H&M drängt geringfügige Beschäftigte in Österreich in unbezahlten Urlaub

Einige Betroffene haben sich bei der Arbeiterkammer Salzburg gemeldet. Die meisten sind geringfügig Beschäftigte.

Auch der schwedische Textilriese spürt die Corona-Krise.  SN/dpa/Bernd von Jutrczenka
Auch der schwedische Textilriese spürt die Corona-Krise.

Die 87 Filialen des schwedische Bekleidungskonzerns Hennes & Mauritz (H&M) in Österreich sind derzeit, so wie fast der gesamte Handel, wegen der Covid-19- Pandemie geschlossen. Doch im Hintergrund ist das Management ziemlich beschäftigt - nicht nur weil auch dort ab 1. April ein Kurzarbeitsmodell für einen Großteil der 2780 Mitarbeitern gilt.

Doch einigen Mitarbeitern, die meisten davon sind bisher geringfügig Beschäftigte, droht jetzt offenbar ein Totalausfall ihrer mageren Einkünfte von maximal 460 Euro pro Monat. Ihnen hat der Konzern eine Vereinbarung vorgelegt, mit der sie "einvernehmlich" vier Wochen unbezahlten Urlaub im April nehmen - und in der Zeit auch die Unfallversicherung selbst bezahlen sollen.

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Sechs bis sieben Betroffene haben sich Mittwoch telefonisch allein bei der Arbeiterkammer Salzburg gemeldet. "Da putzt sich ein großer Konzern wie H&M an den Schwächsten ab", kritisiert der Rechtsexperte der AK Salzburg Heimo Typplt. Unter den Betroffenen seien zwei Alleinerzieherinnen gewesen, die sich während dieser Zeit auch nicht arbeitslos melden könnten. Es gehe nicht an, das Risiko voll abzuwälzen, da fehle "die Verhältnismäßigkeit völlig", sagt Typplt, der sich von H&M "eine sozialere Vorgangsweise" wünschen würde. Für geringfügig Beschäftigte kann von der Möglichkeit der Kurzarbeit nicht Gebrauch gemacht werden.

Von H&M hieß es auf SN-Anfrage, man sei sich "unserer Verantwortung als Arbeitgeber gegenüber unseren MitarbeiterInnen bewusst und nehmen diese sehr ernst". Mit geringfügig beschäftigten MitarbeiterInnen seien "spezielle Urlaubsvereinbarungen auf freiwilliger Basis getroffen" worden, weil das Kurzarbeitsmodell leider nicht gelte. "Selbstverständlich halten wir uns dabei an alle arbeitsrechtlichen Vorgaben und Bestimmungen", so der Textilkonzern.

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