Comeback einer Legende

Salzburger Skifirma Blizzard bringt den "Firebird" zurück

Nach dem "Quattro" bringt Blizzard in der Wintersaison 2018/19 den legendären "Firebird" wieder auf den Markt. Mit dem will man auch im Weltcup wieder Gas geben.

Marketingchef Tom Rakuscha mit dem Blizzard -Racer der nächsten Saison: dem neuen Firebird. SN/birgitta schörghofer
Marketingchef Tom Rakuscha mit dem Blizzard -Racer der nächsten Saison: dem neuen Firebird.

Zugegeben, rein optisch hat der neue Blizzard Firebird mit dem Original aus den 1970-er und 1980-er Jahren wenig gemeinsam. Auf das Karomuster von damals wurde bei der Neuauflage verzichtet.

"So ganz auf Nostalgie wollten wir dann auch nicht machen", sagt Blizzard-Marketingchef Tom Rakuscha. Immerhin aber trägt der neue Race-Ski, der ab dem Winter 2018/19 in den Verkauf kommt und auf der weltgrößten Sportartikelmesse Ispo in München präsentiert wurde, den klingenden Namen "Firebird". Und das ist kein Zufall.

Die Rückkehr des Blizzard Quattro, den man vor drei Jahren als All-Mountain-Ski wiederbelebt hatte, geriet zum Erfolg. Der Quattro verkaufe sich "sensationell", sagt Rakuscha. Wobei das Top-Modell im High-Performance-Bereich rund 1000 Euro kostet.

Mit dem Firebird wagt man nun einen zweiten Relaunch eines legendären Blizzard-Skis. Auf dem Original-Firebird, der von 1974/75 bis 1983/84 gebaut worden war, habe Hansi Hinterseer einst "rauf und runter alles gewonnen", sagt Rakuscha.

Weltpolitik und Skistars – die Titelseite der „Salzburger Nachrichten“ nach dem Dreifach-Triumph in Kitzbühel. SN/christian sprenger
Weltpolitik und Skistars – die Titelseite der „Salzburger Nachrichten“ nach dem Dreifach-Triumph in Kitzbühel.

Und nicht nur Hinterseer feierte Erfolge. Österreichs Skikaiser Franz Klammer holte am 21. Jänner 1984 seinen vierten Sieg auf der Streif mit dem damals revolutionären Blizzard Firebird, in der Version "Thermo Ski". Das Podium in Kitzbühel komplettierten damals mit Erwin Resch und Anton "Jimmy" Steiner zwei weitere ÖSV-Läufer. Alle drei fuhren auf Blizzard.

Video: Franz Klammers Sieg auf der Streif mit Blizzard

Und "etwas Flottes" werde auch die neue Serie sein, verspricht Rakuscha.

Mit dem Firebird will man hochsportliche Skifahrer bedienen, aber auch einen Profi-Rennski im Stall haben.

Denn die Mittersiller Skihersteller wollen zurück in den ÖSV-Kader und den Weltcup. "Ja, es gibt Pläne für die Rückkehr", bestätigt Rakuscha. Bis dato letzter österreichischer Siegläufer auf Blizzard war Mario Matt.

Neues gibt es im Inneren und beim Material. Sowohl für die kommende Serie des Quattro als auch den neuen Firebird haben die Mittersiller einen neuen Holzkern entwickelt - mit eingebauten, stehenden Carbonelementen zwischen den Hölzern. "Damit wird der Ski leichter, spritziger und dynamischer", erklärt Rakuscha. Gleichzeitig verbessere sich die Kontrolle über den Ski. "Auf harten Pisten hält er wie ein Panzer."

Goldene Zeiten für Blizzard: Mario Matt fährt hier am 22. Februar 2014 zum Slalomsieg bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. SN/gepa pictures/ mario kneisl
Goldene Zeiten für Blizzard: Mario Matt fährt hier am 22. Februar 2014 zum Slalomsieg bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi.

Die Formkurve zeigt auch beim Unternehmen Blizzard nach oben. Seit dem Einstieg der italienischen Tecnica-Gruppe hat man mit dem Skischuhspezialisten nicht nur sein Portfolio erweitert, man legt auch in der Skiproduktion zu.

Im Stammsitz Mittersill mit 230 Mitarbeitern, wo Blizzard und die Schwestermarke Nordica gebaut werden, liegt man aktuell bei rund 330.000 Paar Ski pro Saison. Zudem habe man in den vergangenen Jahren durch Investitionen ins Premiumsegment die Durchschnittspreise heben können, erklärt Rakuscha. Unterm Strich habe man in vier Jahren den Umsatz bei Ski und Schuhen um 36 Prozent gesteigert.

Auch beim Vertrieb setzt man auf Qualität. "In den preisaggressiven Sporthandelsketten wird man Blizzard nicht finden", betont Rakuscha. Vor allem im Skitourenbereich, den man seit vier Jahren mit der Zero-G-Linie bedient, setzt man auf hochqualifizierte Fachhändler, die man zu Kompetenzzentren ausbaut - mit allen verfügbaren Modellen und Testski.

In einer eigenen Liga spielt Blizzard im Freeride-Bereich. 20 Modelle bietet man für den Tiefschnee an. Wobei sich der größte Markt für die Mittersiller in den USA befindet. Hier zähle man zu den Top-Zwei-Freeride-Marken. Der heuer schneereiche Winter sorge bereits für Engpässe. Das Topmodell "Brahma" sei ausverkauft. Durchgesetzt hat sich auch die eigene Frauenlinie. Jeder fünfte produzierte Ski ist mittlerweile ein Damenski.

Noch mehr Passgenauigkeit versprechen im nächsten Winter die Skischuhe. Rund 250.000 Paar produziert Tecnica in der Saison. Sowohl Innen- als Außenschuh seien auf individuelle Maße bearbeitbar. Dazu kommt im Highperformance-Bereich nach Spezialformen für schmale und mittlere Füße eine Serie für extra breite Füße dazu.

ISPO: Deutsche kaufen in Österreich ein

Die Ispo in München ist eine Materialschau der Superlative. 2800 Aussteller präsentierten bis Dienstag in 16 Messehallen ihre Neuigkeiten für den Winter 2018/19. Auffallend: Geräte und Bekleidung werden noch leichter.

"Man bewegt sich hier am Limit, trotzdem gibt es noch Verbesserungen", sagt der Sprecher des österreichischen Sportartikelhandels, Michael Nendwich. Gesehen wurden etwa Tourenskibindungen mit nur 34 Gramm und Skischuhe mit weniger als einem Kilogramm.

Anders als in Österreich, wo der Sportfachhandel mit der laufenden Wintersaison "äußerst zufrieden" ist, vermeldet der deutsche Fachhandel ein nur mageres Umsatzwachstum. Sowohl Intersport als auch Sport2000 legten im vergangenen Jahr um jeweils nur ein Prozent zu. Reisen und Lifestyle-Produkte seien die größten Konkurrenten, heißt es in der Branche. Dazu komme der Trend zum Leihen. Zwei Drittel der deutschen Skifahrer leihen sich mittlerweile ihre Ausrüstung.

Der fehlende Schnee in Deutschland aber auch den Niederlanden macht Michael Nendwich als Grund für die Zurückhaltung beim Kauf von Wintersportartikeln aus. Das Sortiment werde dort auch in Zukunft nicht wachsen. Für die Sporthändler in Österreich keine schlechte Ent wicklung. "Die Urlauber kaufen ihre Winterartikel in Österreich ein und das bei besserer Auswahl als zu Hause." Im November legten im Vergleich zum Vorjahresmonat die Umsätze um 4,3 Prozent zu. Von Jänner bis November 2017 gab es in Österreich ein Plus von 1,9 Prozent. Insgesamt wurden 2,7 Mrd. Euro mit Sportartikeln umgesetzt.

Marketingchef Tom Rakuscha mit dem Blizzard -Racer der nächsten Saison: dem neuen Firebird. SN/birgitta schörghofer
Marketingchef Tom Rakuscha mit dem Blizzard -Racer der nächsten Saison: dem neuen Firebird.

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