Wirtschaft

voestalpine streicht in der Steiermark 500 bis 550 Arbeitsplätze

Beim Stahl- und Technologiekonzern voestalpine reicht Kurzarbeit angesichts der Auswirkungen der weltweiten Coronapandemie allein nicht mehr aus - im Herbst sollen hunderte Jobs abgebaut werden.

voestalpine verhandelt über Sozialplan SN/APA (Archiv)/HELMUT FOHRINGER
voestalpine verhandelt über Sozialplan

Beim Linzer Stahl-und Technologiekonzern voestalpine werden im September bzw. Oktober rund 550 Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlieren. Derzeit wird ein Sozialplan für die Betroffenen ausverhandelt, Unterstützung hat auch das Land angekündigt. Etwa 250 der Jobs entfallen bei voestalpine Tubulars in Kindberg. Dort war der Großteil der 1100 Beschäftigen wegen der US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte bereits in Kurzarbeit, als die Coronakrise die Nachfrage der Öl- und Gasindustrie nach Rohren völlig einbrechen ließ.

Rund 300 von 800 Stellen fallen bei Böhler Aerospace in Kapfenberg weg. Angesichts des Einbruchs in der Luftfahrt hatte voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner bereits Ende Juni Kündigungen in Kapfenberg nicht mehr ausgeschlossen. In manchen Bereichen reicht Kurzarbeit langfristig nicht aus und seien trotzdem Kapazitätsanpassungen notwendig, sagte Eibensteiner am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal (April bis Juni).

voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner: „Wir müssen uns nachhaltig anpassen.“ SN/APA (Archiv)/HELMUT FOHRINGER
voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner: „Wir müssen uns nachhaltig anpassen.“

Voestalpine schrieb im ersten Quartal Verluste

Die fielen in Folge des weltweiten Stillstandes wegen der Coronapandemie wenig erfreulich aus: Der Umsatz sank um 28 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, der operative Gewinn brach um 58 Prozent auf 158 Mill. Euro ein. Das Betriebsergebnis (EBIT) drehte im Quartal auf minus 49 Mill. Euro, nach Steuern fiel ein Verlust von 70 Mill. Euro nach 90 Mill. Euro Gewinn im Vorjahresquartal an.

Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bleibt: Das EBIT wird 600 Mill. bis einer Mrd. betragen. Ob die voestalpine im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 aus der Verlustzone kommt ist fraglich. 2019/20 hatte der Konzern erstmals seit Jahrzehnten unter dem Strich einen Verlust von 216 Mill. Euro erlitten - nach einem Gewinn von 459 Mill. Euro im Jahr davor.

Der Stillstand in der europäischen Autoindustrie und ein Rückgang bei den Exporten, hohe Erz- und gesunkene Stahlpreise wirkten sich in allen Divisionen des Konzerns negativ aus, sagte Eibensteiner. Als krisenfest erwiesen sich der Bereich Hochregallager, der vom boomenden Onlinehandel profitiert, und die Bahninfrastruktur.

Der Mitarbeiterstand des Konzerns ist weltweit um 7,3 Prozent auf rund 48.000 gesunken. Wo immer es möglich war wurden Produktionen organisatorisch zusammengelegt, in Rumänien wurde ein Autozulieferwerk geschlossen. In Österreich befinden sich 10.400 Mitarbeiter - etwa die Hälfte der Belegschaft - in Kurzarbeit (2400 sind es in Deutschland, 2300 weltweit).

Schrittweise Erholung

Die Talsohle der Krise sei im April durchschritten worden, sagt der voest-Chef. "Ich glaube mit dem weltweite Lockdown haben wir den Tiefpunkt gesehene". Seither gebe es eine "stufenweise Erholung". In der Autoindustrie liege die Auslastung in Europa nun bei 80 bis 85 Prozent, in den USA bei 90 Prozent und in China bei 100 Prozent. "Die Frage ist: Kaufen die Menschen wieder Autos", so Eibensteiner.

Der Konzernsitz Linz sei jetzt zu 75 Prozent ausgelastet, sagt Eibensteiner. Sollte die Auslastung wieder über 80 Prozent steigen, würde der kleinere Hochofen, der derzeit stillsteht, wieder in Betrieb genommen. "Aufgrund der Buchungen im Juni sind wir doch ein bisschen optimistisch gestimmt".

Bis die weitere Verbesserung tatsächlich einschätzbar sei, werde es aber bis Ende September dauern. Kurzarbeit werde voraussichtlich auch dann noch notwendig sein, aber in verringertem Umfang. Im Mai war die Arbeitszeit um 40 Prozent reduziert worden, mittlerweile sei es weniger. Ein weiterer Stellenabbau als die angekündigten sei derzeit nicht geplant, man sei aber zurückhaltend bei der Nachbesetzung freiwerdender Stellen.

Weniger investieren

Die Investitionen werden auf weniger als 600 Mill. Euro heruntergefahren, um den Cash-Flow zu optimieren. Gespart wird bei kleineren Projekten, etwa der geplanten Ausweitung von Produktionen. Das neue Edelstahlwerk in Kapfenberg, das die voestalpine gerade um 350 Mill. Euro baut, werde coronabedingt etwas später in Betrieb gehen, aber wie geplant 2021. In Summe fließen in den Standort im steirischen Mürztal 500 Mill. Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Werkschließungen schloss Eibensteiner am Mittwoch aus, dafür gebe es keine Pläne.

Die Aktien legten am Mittwoch um vier Prozent auf 20,13 Euro zu.

Die steirischen Landesrätinnen Barbara Eibinger-Miedl (Wirtschaft, ÖVP) und Doris Kampus (Soziales, SPÖ) zeigten sich vom Jobabbau betroffen. Man werde die 500 bis 550 Beschäftigten nach Kräften unterstützen. Die Nachricht sei "schmerzhaft, aber es ist nicht überraschend". Der obersteirische FPÖ-Abg. Hannes Amersbauer sprach von "einer Katastrophe". Aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Monaten seien solche Entwicklungen leider zu befürchten gewesen, aber das Ausmaß sei nun dennoch erschreckend.

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