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Regrowing: Gemüse einpflanzen statt wegschmeißen

Beim sogenannten Regrowing landen ausgetriebene Kartoffeln nicht im Müll, sondern in der Erde. Lohnt sich der Aufwand?

Der nicht mehr essbare Kohlrabi von Charlotte Tittel (32) dient als Saat für neues Gemüse.  SN/privat
Der nicht mehr essbare Kohlrabi von Charlotte Tittel (32) dient als Saat für neues Gemüse.

Als die Kartoffeln schon kleine grüne Triebe hatten, war Charlotte Tittel kurz davor, sie in den Müll zu werfen. Doch dann hielt sie inne. Vielleicht, weil sie und ihr Freund gerade ein Hochbeet gebaut hatten. Vielleicht als Besinnung auf ihr Biologiestudium. Vielleicht aber auch einfach aus Neugierde, was passiert.

"Aus den drei Kartoffeln sind dann fünf Kilo geworden"

Tittel hat in Salzburg studiert und lebt nun in Linz. Die Kartoffel hat sie einfach in die Erde gesteckt und zwei weitere daneben eingegraben. "Aus den drei Kartoffeln sind dann fünf Kilo geworden", erzählt sie. Das war ihr erster Versuch im sogenannten Regrowing, bei dem Gemüse wieder als Saat angepflanzt wird.

Lebensmittel vor der Mülltonne retten

206.000 Tonnen Lebensmittel landen jährlich bei den Österreichern in der Mülltonne. Das hat die Umweltschutzorganisation WWF berechnet. In der gesamten Wertschöpfungskette von Landwirtschaft, Produktion, Groß- und Einzelhandel bis zu den Haushalten gehe ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren, sagt Olivia Herzog vom WWF. Das sind 557.000 Tonnen - und damit so viel, wie die Salzburger in einem Jahr essen.
Freilich könne sie nicht alles anpflanzen, was sie, ihr Freund und ihre zwei Kinder zum Essen brauchten, sagt Tittel. "Aber es ist ein Zeichen. Ich will weniger Müll produzieren." Und es sei spannend, vor allem für ihre Kinder: "Ich zeige ihnen, wie man eine Pflanze einsetzt, wie sie wächst, wann man sie erntet." Einen grünen Daumen hat Tittel nicht. "Ich bin noch in der Experimentierphase." Vor Kurzem hat sie deshalb Karotten und Kohlrabi ins Hochbeet eingegraben, davor waren sie in einem Gefäß mit Wasser. "Es ist schön zu sehen, wenn etwas Neues wächst. Und wenn es nicht klappt, ist auch nichts verloren - das Gemüse wäre sonst im Müll gelandet."

Regionalität im Fokus

Mit Zucchini ist die 32-Jährige bisher gescheitert. Das Gemüse sei so oft gekreuzt worden, dass aus den Kernen nichts mehr wachse. Zudem achtet Tittel darauf, dass ihre Lebensmittel aus Österreich sind: "Wenn das Gemüse bei einem heimischen Bauern auf dem Feld wächst, wird das bei mir im Garten auch eher etwas."

Regrowing könne dazu beitragen, den Müll zu reduzieren, sagt Herzog vom WWF. "Das Wegschmeißen fällt in jedem Fall schwerer, wenn man das Gemüse selbst angepflanzt hat." Ein Großteil der Lebensmittelabfälle landet in den Mülleimern der Konsumenten. Was diese sonst noch tun können? "Den Einkauf gut planen, das Rezept nach dem aussuchen, was im Kühlschrank ist, im Restaurant Essensreste einpacken lassen."

Anordnung im Kühlschrank entscheidend

Zudem spiele die Anordnung im Kühlschrank eine Rolle dabei, wie lang die Lebensmittel frisch blieben, sagt Herzog: Ins Fach ganz unten gehört das Gemüse, Fisch, Fleisch und Wurst in das Fach darüber. Dort ist es am kältesten. Milch und Joghurt lagert man am besten in der Mitte; Käse, Geräuchertes und Einmachgläser ganz oben. In die Tür kommt alles, das wenig Kühlung braucht: Eier, Butter, Senf und Säfte etwa.

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