Zukunft gestalten

Reparieren statt wegwerfen: Wie Elektrogeräte länger überleben

Graz fördert Reparaturen: Bringt ein Techniker ein Elektrogerät zum Laufen, zahlt die Stadt die Hälfte. Warum gibt es das in Salzburg nicht?

Das Wasser sammelt sich im Geschirrspüler. Der Teller dreht sich in der Mikrowelle nicht mehr. Die Jeans wird in der Waschmaschine nicht sauber. Oft seien es Kleinigkeiten, die zu einem Totalausfall des Gerätes führten, sagt Werner Prutsch. Er ist Abteilungsvorstand des Grazer Umweltamts - und begeisterter Bastler. "Ich repariere meine Geräte selbst." Was gut ist: In den Elektrogeräten seien Kupfer und andere wertvolle Rohstoffe enthalten. Deshalb sei es schade, wenn wegen eines kleinen Teils das ganze Ding im Müll lande. "Außerdem entstehen 50 Prozent der Umweltbelastung bei der Produktion der Geräte."

Seit 2016 bietet Graz eine Förderung für Reparaturkosten an. 50 Prozent der Lohn- und Materialkosten werden gefördert, wenn der Betrieb im Reparaturführer gelistet ist. Bis zu 100 Euro zahlt die Stadt pro Auftrag. 2018 gingen bei Prutsch 1000 Anträge ein, zwischen 50.000 und 80.000 Euro überwies er jährlich.

Die steirische Hauptstadt löse ein Problem: Die Kosten für eine Arbeitsstunde sind hoch. Die Anschaffungskosten für Elektrogeräte sinken jedoch. Durch die Förderung werde Reparieren attraktiver, sagt Prutsch. Die Grazer müssten nicht sofort einen neuen Geschirrspüler, eine neue Waschmaschine kaufen. Und die Jobs werden interessanter; statt nur neue Geräte anzuschließen, können Techniker alte auseinanderbauen.

Graz ist nicht die einzige Region, die Reparaturen fördert. Im September 2018 hat Oberösterreich den "Reparatur-Bonus" eingeführt - 21 Tonnen an Geräten landeten deshalb nicht auf einer Müllhalde. In der Steiermark gibt es die Förderung seit Anfang 2019. Die Bürger Schwedens zahlen zudem bei Reparaturen keine Mehrwertsteuer. 900 Tonnen Altgeräte gaben Salzburger 2018 in der Sammelstelle Maxglan ab. So schwer sind in etwa 13.000 Waschmaschinen. Ist eine Reparaturförderung auch in Salzburg denkbar, um den Elektroschrott zu minimieren?

Wolfgang Reiter ist Elektrotechniker im Nonntal. Mehrmals pro Woche bringt er Geschirrspüler wieder zum Laufen. "Ab einem Warenwert von 400 Euro ist eine Reparatur sinnvoll", sagt der Einzelinhaber. Eine Förderung hält er für zweckmäßig. Mit einer Einschränkung: "Kleingeräte wie einen Föhn kann ich in 70 Prozent der Fälle nicht reparieren. Ich bekomme keine Ersatzteile."

Im November vorigen Jahrs hat Christine Brandstätter (Bürgerliste) im Budgetsenat der Stadt Salzburg einen Antrag auf Reparatur-Bonus eingebracht. "Wir haben aber nicht die nötige Zustimmung bekommen", sagt die Gemeinderätin. Stattdessen gingen 10.000 Euro zusätzlich an die Repair Cafés, bei denen Freiwillige kostenlos Geräte reparieren und Kleidung flicken.

Solche Repair Cafés gibt es seit sechs Jahren. In der Zeit fanden 21 mobile und 60 stationäre Treffen statt. In 60 Prozent der Fälle waren die Bastler erfolgreich: Insgesamt flickten sie 5500 Geräte, Kleidungsstücke, Fahrräder wieder zusammen. Geräte mit einem Gewicht von 6,6 Tonnen verwenden die Salzburger noch immer. Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) hat die Repair Cafés ins Leben gerufen. Von einer Reparaturförderung will sie nichts wissen. "Ich bekomme auch keine Förderung, wenn ich mein Auto in der Werkstatt reparieren lasse." Was bleibt, ist das Problem mit der Waschmaschine: Sie kann man bisher nicht zu einem Repair Café mitnehmen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir für größere Geräte ein Café in einem Recyclinghof veranstalten."

Brandstätter betont, es sei freilich besser als nichts, wenn mit 10.000 Euro etwa Werkzeuge für die Repair Cafés gekauft würden. "Ich war dennoch enttäuscht über die Entscheidung. Cafés sind nicht das Gleiche wie die Reparaturförderung." Bei den Treffen brächten die Freiwilligen zwar viel in Gang - aber längst nicht alle Geräte funktionierten wieder. "Die Bastler können keine Garantie abgeben und es bleibt die Frage der Haftung." Die Gemeinderätin will beobachten, wie sich die Förderung in Graz und Oberösterreich entwickelt. "Nach der Gemeinderatswahl in der Stadt Salzburg werde ich erneut einen Antrag stellen."

Aufgerufen am 18.09.2019 um 11:38 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/zukunft-gestalten-reparieren-statt-wegwerfen-wie-elektrogeraete-laenger-ueberleben-63738580

Zukunft gestalten: Nachhaltiges Leben in Salzburg

Zukunft gestalten: Nachhaltiges Leben in Salzburg

Jetzt lesen

Newsfeed

Arrow Down

Schlagzeilen