Wirtschaft

Nullzins-Ära: Das Interesse der Österreicher an Aktien wächst, das Wissen nicht

Im Regierungsprogramm ist eine Belebung des Kapitalmarktes vorgesehen. Industrie und Anlegervertreter hoffen, dass es diesmal wirklich so weit kommt. Bis die Österreicher Finanzexperten werden, kann es noch dauern.

Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt. SN/www.bilderbox.com
Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt.

In Österreich ist der Besitz von Aktien, Anleihen oder Fonds ein Minderheitenprogramm. Nicht einmal zehn Prozent der über 16-Jährigen besitzen Aktien, bei Fonds ist die Ziffer unwesentlich größer. 40 Prozent des privaten Geldvermögens liegt auf Sparbüchern. Nach Jahren ohne Zinsen auf Erspartes wächst allerdings auch hierzulande das Interesse am Kauf von Wertpapieren. Wie eine aktuelle Umfrage von Peter Hayek, im Auftrag des Aktienforums zeigt, überlegt derzeit jeder Vierte Wertpapiere zu kaufen. 2017 waren es nur elf Prozent. "Es tut sich was", sagt der Meinungsforscher.

Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt. SN/peterhajek.com
Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt.


Warum sich in der Praxis in der Vermögensveranlagung nicht viel verändert, liegt laut Umfrage am mangelnden Wissen darüber, wie Kapitalmärkte funktionieren. Nur drei Prozent der Befragten, schätzen ihr Wissen über Börse & Co als "sehr gut" ein, weitere 18 Prozent als "eher gut". Für 70 Prozent ist fehlendes Wissen auch der Hauptgrund, warum sie den Weg in den Aktienmarkt scheuen. Dass ihr persönliches Vermögen dafür zu klein sei, sagen nur 60 Prozent.

Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt. SN/peterhajek.com
Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt.


Die türkis-grüne Koalition hat sich im Regierungsprogramm vorgenommen, beim Finanzwissen, bei der Bürokratie und den Steuern auf Kapitalerträge einiges zu verbessern. Angesichts des gestiegenen Interesses in der Bevölkerung bestehe nun "erstmals wirklich die Möglichkeit, dem Kapitalmarkt in Österreich Schwung zu verleihen". Es gehe in der Niedrigzinsphase um die politische Frage des Vermögensaufbaus. Der Anteil an Kapitaleinkünften in Österreich liege mit sechs Prozent weit unter dem OECD-Durchschnitt von rund 18 Prozent.
Auch Robert Ottel, Finanzvorstand der voestalpine und Präsident des Aktienforums, hofft, dass die seit zehn Jahren unverändert aufgestellten Forderungen nun tatsächlich umgesetzt werden. "Ich fühle mich wie ein Marathonläufer kurz vor dem Ziel, sagte er am Mittwoch. Zugleich habe er Angst, wieder zu scheitern. Unter anderem sollte, wie im Koalitionspakt angekündigt, die 2016 auf 27,5 Prozent erhöhte Kapitalertragssteuer auf Dividendenerträge wieder auf 25 Prozent gesenkt werden und es nach der Abschaffung 2012 wieder eine Spekulationsfrist für Aktien geben, nach der Kursgewinne auf Aktien von der Kapitalertragssteuer befreit wären. Auch eine Reform der Zukunftsvorsorge sei notwendig. Stattdessen sollte es Steuerfreiheit für Ansparpläne - bis 150.000 Euro - geben, ähnlich wie in Frankreich oder Italien.
Um das Finanzwissen zu verbessern, wünscht sich die IV nicht nur Neuerungen in einem Fach, sondern generell Lehrplanänderungen, neue Schulbücher und eine bessere Ausbildung für Lehrer ebenso wie eine Fortsetzung aller Initiativen in der Erwachsenenbildung. Um valide Daten zu haben, sollte sich Österreich auch in diesem Bereich am Pisa-Test beteiligen. Möglich sei das ohnehin erst 2023, womit es erst 2024 Ergebnisse geben könnte.
Auch Sicht von Ottel ist es auch "hoch unsozial" keine gute Finanzbildung in den Schulen zu vermitteln. "Wirtschaftliches Wissen wird vererbt, wie Vermögen", sagt er.


Aufgerufen am 25.02.2020 um 02:27 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/nullzins-aera-das-interesse-der-oesterreicher-an-aktien-waechst-das-wissen-nicht-83359297

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