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Salzburger Festspiele

Michael Maertens und Valerie Pachner als Jedermann und Buhlschaft - "aber neu sind fast alle"

Nun ist es offiziell - nach dem Abgang von Lars Eidinger und Verena Altenberger als Jedermann und Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen folgen ihnen Michael Maertens und Valerie Pachner im Sommer 2023 auf dem Domplatz nach. Einiges wird neu sein im kommenden Jahr: So spielt Pachner gleichzeitig Buhlschaft und den Tod.

"Der ,Jedermann' ist ein Zug und jeder fährt ein Stückerl mit, die einen länger, die anderen kürzer, aber jeder muss einmal aussteigen", sagte Regisseur Michael Sturminger und schwor bei der Pressekonferenz am Donnerstag im Künstlerhaus Wien sogleich: "Wenn Michael aufhört, bin auch ich weg." Nach Tobias Moretti und Lars Eidinger wird Michael Maertens im Sommer 2023 der dritte Jedermann, um den der Regisseur das Stück auf dem Domplatz inszeniert. Und mit dem neuen Jedermann ändere sich fast das gesamte Ensemble, sagte Schauspielchefin Bettina Hering, die dann auch gleich die gesamte Besetzung für das kommende Jahr verkündete. Wie bereits in den vergangenen Tagen durchgesickert war, wird die 35-jährige Oberösterreicherin Valerie Pachner Maertens als Buhlschaft zur Seite stehen. Erstmals wird die Rolle aber in einer Doppelfunktion mit der Figur des Todes angelegt: "Mir geht es sehr gut damit, ich freue mich, so wieder ans Theater und auf die Bühne zu kommen", sagte Pachner, die sich in den vergangenen Jahren internationale Reputation im Filmgeschäft erarbeitet hatte ("Phantastische Tierwesen", "Ein verborgenes Leben"). "Und dass ich auch den Tod spiele, hat die größte Bedeutung für mich."

Gedenken an die verstorbene Buhlschaft Christiane Hörbiger

Festspielpräsidentin Kristina Hammer betonte bei der Pressekonferenz am Donnerstag: "Das Stück des ,Jedermann' ist zeitlos, im Kern behandelt es die Frage, die uns alle beschäftigt: Was passiert, wenn der Tod ins Leben tritt?" Dann gedachte sie einer verstorbenen Buhlschaft, "der wunderbaren Christiane Hörbiger", deren Tod mit 84 Jahren am Mittwoch bekannt geworden war. Sie spielte die Rolle am Domplatz von 1969 bis 1972. Nach ehrendem Gedenken an Hörbiger, die nach ihrem Tod einen "unvergesslichen Platz" in der Geschichte der Salzburger Festspiele "und im kollektiven österreichischen Bewusstsein" habe, wie auch Bettina Hering versicherte, gab diese eine ausführliche Einführung in das, was in der Wiederaufnahme von Michael Sturmingers Inszenierung fortgeführt oder erneuert wird. An Musik, Inszenierung, Choreografie werde weitergearbeitet, sagte Bettina Hering, was Michael Sturminger - mit Vergleich zu einer mittelalterlichen Dombauhütte - als "Dombaustelle" bezeichnete. Nach dem Abschied von Lars Eidinger und Verena Altenberger im letzten Jahr war Schauspielchefin Bettina Hering gezwungen, für ihr letztes Jahr in Salzburg noch eine neue Besetzung zu engagieren. Hering wird nach sechs Jahren im kommenden Sommer ihre letzte Saison als Schauspielchefin leiten. Danach folgt ihr Marina Davydova.

Das "Jedermann"-Ensemble wird fast komplett ausgetauscht

Auffallend in den Nebenrollen ist der Abschied von Edith Clever und Angela Winkler sowie das Debüt von Cornelia Froboess als Jedermanns Mutter. Nach Mavie Hörbiger wird 2023 neuerlich eine Teuflin auftreten - dafür ist Sarah Viktoria Frick engagiert, die bereits 2013 und 2014 die Werke gespielt hat und vor zwei Wochen den "Nestroy" als beste Hauptdarstellerin gewonnen hat. Anja Plaschg, die bisher vor allem als Musikerin (Soap&Skin) Furore gemacht hat, wird als Glaube ihr schauspielerisches Können zeigen.

Fridolin Sandmeyer aus dem Ensemble des Frankfurter Schauspiels wird den Dünnen Vetter geben, mit dem Schweizer Kollegen Bruno Cathomas als Dicker Vetter an seiner Seite. Den armen Nachbar spielt Emanuel Fellmer, der seit 2016 Schauspieldozent am Max-Reinhardt-Seminar ist. Die Schauspielerin Birte Schnöink, bekannt aus dem Film "Amour Fou" von Jessica Hausner, wird Schuldknecht Frau verkörpern, sie war bereits in Salzburg in "Faust I" und "Faust II" zu sehen.


Einer bleibt aus dem Vorjahr: Mirco Kreibich wird erneut als Schuldknecht und Mammon auf dem Domplatz zu sehen sein. Jedermanns Guter Gesell wird von dem bekannten Fernseh- und Filmschauspieler Helmfried von Lüttichau gespielt, bekannt aus "Hubert und Staller". Wie Hering schildert, ist die Rolle dieses Mal neu angelegt, nämlich wird der Geselle "nun der Ältere sein, der, der immer schon da war und von dem es schwer sein wird, sich zu verabschieden".

Michael Sturminger, Bettina Hering, Valerie Pachner und Michael Maertens bei der Pressekonferenz im Künstlerhaus in Wien.  SN/hkk
Michael Sturminger, Bettina Hering, Valerie Pachner und Michael Maertens bei der Pressekonferenz im Künstlerhaus in Wien.

Maertens: "Ich bin Hofmannsthal-ungebildet"

Der neue Jedermann Michael Maertens ist aus zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen bekannt ("Das Pubertier", "Altes Geld") und ist seit 2009 fest am Wiener Burgtheater engagiert. Mit dem Stück "Jedermann" verbinde den 59-Jährigen eine besondere Geschichte, wie er erzählt: "Ich habe mein schauspielerisches Debüt im ,Jedermann' in Hessen gegeben, da durfte ich das Kind des Schuldknechts Weib spielen. Ich war ein guter, armer Junge." Da habe er sich den Jedermann angesehen und sich gewünscht, diese Rolle einmal spielen zu können. Er freue sich schon auf den Sommer 2023 in Salzburg, vor allem darauf, sich am Fuschlsee abkühlen zu können. Zu erfahren war an diesem Vormittag auch, dass Michael Maertens zumindest einen zweiten Sommer als Jedermann in Salzburg zu sehen sein wird.

Auf die Frage an die Schauspieler, was sie von Hugo von Hofmannsthals Werk kennten oder ob sie je in einem seiner Stücke gespielt hätten, sagte Michael Maertens: "Es ist beschämend", außer einer Kindheitserfahrung sei er diesem Autor "noch nie begegnet". "Ich bin Hofmannsthal-ungebildet". Er erwähnte allerdings das Stück "Der Schwierige". Verena Pachner ergänzte: "Für mich gilt das Gleiche. Für mich startet die Auseinandersetzung mit Hofmannsthal im kommenden Sommer." Michael Sturminger sprang den beiden bei und lobte mit "Rosenkavalier" und "Ariadne auf Naxos" Hofmannsthals Genialität als Librettist.

Die Bühnenliebe von Verena Altenberger und Lars Eidinger als Buhlschaft und Jedermann hielt zwei Sommer lang. Bei der Premierenfeier 2022 verkündeten sie ihren Abgang.  SN/franz neumayr - pressefoto neuma
Die Bühnenliebe von Verena Altenberger und Lars Eidinger als Buhlschaft und Jedermann hielt zwei Sommer lang. Bei der Premierenfeier 2022 verkündeten sie ihren Abgang.

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