Eine Million Mütter gegen ein anderes Weltbild

Wie in Kalifornien ein Kaufhaus mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar sein Image aufpolieren wollte und eine konservative Mütterbewegung dagegen Sturm lief.

Absolut LA Kathrin Pilz

Meine Kids spielen immer Vater, Mutter, Kind. Ich frage mich, wo sie dieses Klischee herhaben?", fragte Michael und zwinkerte mir zu. Michael ist vierfacher Vater und verheiratet mit einem Mann. Natürlich wusste er, wer dafür verantwortlich war, dass seine Kinder trotz ihres unkonventionellen Elternpaars traditionelle Familienkonstellationen im Kopf haben. Denn selbst im progressiven Santa Monica, wo man durchaus ab und zu auf Schwule und Lesbenpaare mit Kindern trifft, sind homosexuelle Elternpaare immer noch in der Minderheit. Auch die Medien porträtieren eine glückliche Familie vorwiegend in althergebrachter Weise. Doch langsam aber sicher beginnt sich hier etwas zu ändern.

Pünktlich zum Vatertag warb die US-Warenhauskette JC Penney mit einer strahlenden vierköpfigen Familie, bestehend aus zwei Papas und zwei Kindern. Die abgebildeten Väter Todd Koch und Cooper Smith sind auch im realen Leben ein Elternpaar und stellten sich zusammen mit ihren Adoptivkindern Claire und Mason für die Werbekampagne zur Verfügung.

Die christlich-konservative Organisation One Million Moms zeigte sich empört und rief zum dritten Mal auf, JC Penney zu boykottieren. Denn die Väter im Doppelpack waren nicht der erste Versuch, das etwas verstaubte Image der Kaufhauskette hipper und zeitgeistiger zu machen.

Zuvor hatte JC Penney den Protest von One Million Moms dadurch provoziert, indem man einen Werbevertrag mit der offen lesbischen Talkshow-Moderatorin Ellen DeGeneres einging. Doch die Firma ließ sich von der homophoben Gruppierung nicht einschüchtern und brachte zum Muttertag einen Werbekatalog heraus, der ein Vorläufer zur Vatertagswerbung war: Denn hier konnte man das glückliche lesbische Paar Wendy und Maggie mitsamt Tochter als Models bewundern. Ellen DeGeneres reagierte in ihrer Talkshow mit Stil und Humor auf die Proteste. "Auf der Facebook-Seite der One Million Moms findet man nur 40.000 Mitglieder, aber ich versteh’ schon, die haben einfach zur nächsten Million aufgerundet . . .", witzelte sie.

JC Penney ließ sich trotz der hasserfüllten Boykottaufrufe nicht vom Kurs abbringen und erntete dafür viel Applaus von vielen jungen, progressiven Kunden.

Nicht immer reagierten Firmen so standhaft. Als 1994 Ikea mit einer der ersten mutigen Werbungen herauskam, die ein schwules Paar beim Shoppen zeigte, bekam das schwedische Möbelgeschäft Bombendrohungen. Ikea zog die Werbung daraufhin aus dem Verkehr.

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