Auch das größte Polit-Getöse kann die Realität nicht korrigieren

Donald Trumps Wahlversprechen haben nur die Spekulanten beeindruckt. Die Manager sind entsetzt.

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Barazon Ronald Barazon

Seit dem Wahlsieg von Donald Trump im vergangenen November herrscht an den US-Börsen Hochstimmung. Die Wahlversprechen haben die Anleger begeistert: Man werde die Steuern senken, umfangreiche Infrastruktur-Investitionen vornehmen, das Militär aufrüsten und den Banken wieder das Spekulieren erlauben. In den Augen der Börsianer rotieren die Dollar-Zeichen mit Höchstgeschwindigkeit.

Die tatsächlich in den Betrieben arbeitenden Unternehmensleiter waren allerdings von dem aufgeregten Getöse nicht beeindruckt. Diese Reaktion war nicht sofort bemerkbar, sie fand im Stillen statt. Jetzt zeigt die Statistik die Haltung der Realisten.

Beinahe schlagartig ist die Nachfrage der Betriebe nach Krediten zurückgegangen. Von November bis jetzt ist das Ausleihungsvolumen in den USA sogar gesunken. Die Kreditreferenten sprechen von einer gespenstischen Situation, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 nicht mehr zu beobachten war. Die Skepsis der Manager im Gegensatz zur Euphorie der Spekulanten hat gute Gründe.

Eine Freigabe der Spekulationen würde unweigerlich in die nächste Finanzkrise führen.

Die angekündigte Steuersenkung ist unrealistisch. Die Steuern sind extrem niedrig, die Schulden des Staates viel zu hoch. Mitte März 2017 wird das vom Parlament fixierte Schuldenlimit erreicht. Stimmt das Parlament einer Erhöhung nicht zu, sind die USA zahlungsunfähig. Ein weiterer Anstieg der Schulden würde aber die Bonität des Landes gefährden.

Auch ein Auftragsboom durch den Ausbau der Infrastruktur und die Aufrüstung des Militärs wird bezweifelt. Diese Maßnahmen können nur mit einem finanzstarken Staatshaushalt realisiert werden und nicht aus einem Budget, das an der Kippe steht.

Zu Beginn der Woche hat Trump eine Ausweitung des Militärbudgets um 54 Mrd. Dollar angekündigt, die derzeit nicht finanzierbar ist. Die erste Erklärung, man werde die Mittel anderswo einsparen, sorgte für Unruhe. Die zweite, die Wirtschaft werde so stark wachsen, dass sich die Staatskassen durch zusätzliche Steuereinnahmen füllen müssen, ist mit der angekündigten Steuersenkung nicht vereinbar.

Die geplante, drastische Anhebung der Zölle kam auch nicht gut an. Die USA haben Waren- und Dienstleistungsexporte von 2200 Milliarden Dollar im Jahr, das sind 12 Prozent der Wirtschaftsleistung. Man kann sich leicht ausrechnen, dass US-Importzölle mit Zöllen der anderen Staaten beantwortet werden.

Strafsteuern, die Firmen treffen sollen, die billig im Ausland produzieren, gefährden alle Kalkulationen.

Dass die Realwirtschaft die Freude der Spekulanten nicht teilt, ist verständlich.

Aufgerufen am 25.11.2017 um 08:22 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/auch-das-groesste-polit-getoese-kann-die-realitaet-nicht-korrigieren-53893

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